Endlich Ferien! In vielen Familien wächst die Vorfreude auf erholsame Tage. Jetzt soll vieles anders werden als im Alltag. Denn da ist das Familienleben meist eng getaktet: Arbeit, Schule, Haushalt, Hobbys – oft bleibt kaum Zeit, gemeinsam durchzuatmen. Kein Wunder also, dass viele die Ferien herbeisehnen. „Ich vergleiche das ein bisschen mit Weihnachten“, sagt Andrea Ploß, Leiterin der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Ingolstadt. Auch dort gebe es oft die Vorstellung, dass alles harmonisch verlaufen müsse. „Bei den Sommerferien ist es ähnlich: Jetzt soll der perfekte Urlaub gelingen.“ Doch wenn alle plötzlich viel Zeit miteinander verbringen, bleiben unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse nicht aus.
Mehr Zeit bedeutet auch mehr Reibung
Während der eine am liebsten ans Meer fahren möchte, zieht es die andere in die Berge. Die Kinder wünschen sich Action, die Eltern sehnen sich vielleicht einfach nach Ruhe. Solche unterschiedlichen Vorstellungen sind völlig normal – sie bergen aber auch Konfliktpotenzial. Ploß rät deshalb, Erwartungen möglichst früh offen anzusprechen. Wer vorher gemeinsam überlegt, was jedem wichtig ist, findet leichter Kompromisse. Und manchmal müsse eben auch nicht alles gemeinsam stattfinden. „Man darf auch gerne einmal Zeit für sich verbringen“, sagt sie.
Die Chance liegt im Miteinander
Trotz aller möglichen Reibung sieht die Diplompsychologin vor allem die positiven Seiten der Ferien. Wenn Leistungsdruck und Terminkalender Pause machen, entstehen Freiräume. Dann können Familien wieder miteinander ins Gespräch kommen, Neues ausprobieren oder einfach Erinnerungen schaffen, die noch lange bleiben. Dafür müsse es gar nicht die große Fernreise sein. Ein gemeinsamer Ausflug an den Badesee, eine Bootsfahrt oder der Besuch bei den Großeltern könnten genauso wertvoll sein.