Fast Fashion, Last Minute und Freizeitstress? Die Fastenaktion „So viel du brauchst“ zeigt Alternativen auf

Was braucht man für ein gutes Leben und wie kann man seine Zeit erfüllend und gemeinschaftsstiftend einsetzen? Diese Frage wirft die Fastenaktion „So viel du brauchst“ für Klimaschutz und Gerechtigkeit auf. Auch das Bistum Eichstätt beteiligt sich daran. Gute Ansätze gibt es bereits.
Frau vor einem Geschäft
Fröhlich ohne Fast Fashion: Kerstin Ströhlein vom Herriedener Caritas-Second-Hand-Laden bei der Wiedereröffnung im vergangenen Jahr.

Den Gürtel enger schnallen, vielleicht sogar Heilfasten. Zumindest aber weniger Alkohol und Süßes. Das nehmen sich viele Leute für die Zeit zwischen Fasching und Ostern vor. Zugleich werden es immer mehr, die beim Begriff „Fasten“ nicht allein an sparsame Nahrungsaufnahme denken. Sie begreifen die Fastenzeit als eine Anregung zum generellen Maßhalten, zu nachhaltigem Handeln. Was damit alles gemeint sein kann, bringt das „Klimafasten“ auf den Punkt. An der ökumenischen Aktion beteiligen sich neben dem Bistum Eichstätt 25 Organisationen aus der katholischen und evangelischen Kirche sowie Verbände und Initiativen aus ganz Deutschland. Unter dem Motto „So viel du brauchst“ gibt das Aktionsbündnis Anregungen, wie ein Alltag so gestaltet werden kann, dass er sowohl dem Klima als auch einer gerechten Welt zugutekommt. „Klimafasten lädt dazu ein, bewusst wahrzunehmen, was im Leben wesentlich ist“, meint Lisa Amon, Nachhaltigkeitsreferentin der Diözese Eichstätt. 

„An Gütern haben wir zu viel“

Jeweils ein Thema steht in den sieben Fastenwochen im Fokus. Unter anderem regt die kleine Broschüre an, Konsum-Ballast abzuwerfen, sich von selbstgemachtem Freizeitstress zu verabschieden: „Die Zeit reicht oft gar nicht, all die Güter, all die Freizeitangebote zu nutzen, die wir uns leisten können“, heißt es. „Zeit für Gemeinschaft, fürs Ehrenamt, fürs gute Leben wird knapp, an Gütern haben wir zu viel“. Spontan fallen einem Beispiele dazu ein: Die vielen Stunden etwa, die beim Internet-Shoppen auf Billigmode-Portalen vergeudet werden oder bei der Jagd nach Kleidungsstücken in der neuesten Trendfarbe, obwohl man ganz ähnliche Sachen bereits im Schrank hängen hat.

Schnell entsorgt samt Etikett 

Auch Kathrin Ströhlein hält gern Ausschau nach neuen Teilen. „Aber man kann auch nachhaltig glücklich shoppen“ findet die 41-Jährige, die sich als eine von derzeit 17 Ehrenamtlichen im Second-Hand-Laden der Caritas in Herrieden engagiert. Seit eineinhalb Jahren kommt sie jeden Donnerstagvormittag vorbei, nimmt gebrauchte Ware entgegen, sichtet, sortiert, faltet zusammen, verkauft. „Wir haben tatsächlich viele Markenklamotten“, berichtet sie, „Kleider teurer Labels, hochwertige Jacken.“ Es gibt aber auch gut erhaltene Rollschuhe, Fahrradhelme, Spielsachen, Bettwäsche oder Handtücher. „Eine Dame versorgt uns sogar mit selbstgestrickten Socken“, erzählt Ströhlein, die sich besonders freut, wenn Bedürftige mit schmalem Geldbeutel fündig werden und über den Neuerwerb strahlen. Aber auch selbst ist sie gerne Kundin. FC-Bayern-Shirts für ihre beiden Söhne, sechs und zehn Jahre alt, hat sie vor kurzem ebenso entdeckt wie schicke schwarze Winterstiefel für sich selbst. 

Von unüberlegten Käufen erzählen manche Fast Fashion-Klamotten, die ungetragen und noch mit Etikett im Caritas-Laden landen. Wollen wir nicht viel mehr haben als wir brauchen? „Klares Ja“, antwortet Ströhlein selbstkritisch. Ihr selbst half nicht zuletzt die Mitarbeit im Caritas-Laden beim Umdenken: „Ich habe mittlerweile einen schönen geordneten Kleiderschrank“. Diesen Bewusstseinswandel stellt Elisabeth Olm von der Caritas-Kreisstelle Herrieden, die für den Second-Hand-Laden verantwortlich ist, generell bei ihrem ehrenamtlichen Team fest: „Die tun das schon aus Überzeugung!“

Naturwunder vor der Haustür

Wenn im Kirchenjahr die Fastenzeit beginnt und das Wintergrau kein Ende nimmt, dann nimmt für viele Leute auch die Urlaubsplanung Fahrt auf. Frühbucherrabatte nutzen, den Kalender checken, wie die Brückentage fallen und schauen, ob da neben dem Haupturlaub nicht noch ein zweiter Kurztrip mit dem Flieger drin wäre. Eine Studie zitierte unlängst den Präsidenten des Umweltbundesamtes, Dirk Messner: „Viele Menschen wünschen sich mehr Nachhaltigkeit beim Reisen, tatsächlich aber steigt der Anteil klimaschädlicher Flugreisen weiter an.“

Im Sinne des Klimafastens wäre aber wohl eher eine Wanderung auf dem Jurasteig oder dem Altmühltal-Panoramaweg. „Bei uns kann man noch Rückzugsorte finden“, meint Annemarie Gillessen, die in Zusammenarbeit mit der Pilgerstelle des Bistums Eichstätt regelmäßig zum „Samstagspilgern“ einlädt. 25 Jahre lebte sie südlich von München, unweit des Starnberger Sees, ehe sie in die Nähe von Berching zog. Die Ruhe dort empfindet sie als sehr wohltuend. 

 

Beim Pilgern führt sie ihre Weggefährtinnen und -gefährten an kleinen Flüsschen wie Anlauter, Schwarzach oder Schwarzer Laber entlang und weist sie nicht nur auf Gotteshäuser, sondern auch auf kleine Naturwunder wie Quellen oder Kalksinterterrassen hin. Sie möchte ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie lang dies alles schon besteht „und wie kurz wir da sind“. Im März bietet die 64-Jährige ausgebildete Pilgerführerin bereits die nächste Tour an, dann geht es von Beilngries nach Griesstetten bei Dietfurt. 

Spannendes im Inland entdecken

Auch für „große“, mehrtägige Pfarr-Exkursionen bieten sich Ziele im Inland an. So wirbt zum Beispiel der Pfarrverband Buxheim-Eitensheim gerade für seine fünftägige „Tour de Ruhr“ im September. Der Pfarrgemeinderat Buxheim knüpft damit an die alte örtliche Tradition der Pfarr- und Bildungswallfahrten an. Mit dem Bus geht es nach Nordrhein-Westfalen zu ehemaligen Zechen und Hüttenwerken ebenso wie zu malerischen Wasserburgen und natürlich auch zu Kirchen. 

Auch die Pfarrei Postbauer-Heng blickt im September über den Tellerrand. Wie Pfarrgemeinderat Christoph Härtl berichtet, geht es dann für Interessierte auf Pastoralfahrt nach Berlin. Wie katholische Gemeinden in dieser nicht mehr überwiegend christlichen Metropole ihren Glauben leben, möchte die Gruppe aus der Oberpfalz erkunden. Die Anreise erfolgt nachhaltig: Mit der S-Bahn geht es nach Nürnberg und dann weiter mit dem Zug nach Berlin. 

Gemeinsam kochen und essen

Auf Gemeinschaft setzt die Pfarrei Postbauer-Heng aber auch beim Essen. In Zeiten, in denen Lieferservices boomen und es das Normalste von der Welt scheint, dass man sich die Pizza kilometerweit per Fahrdienst nach Hause bringen lässt, bringt sie zum Beispiel einmal im Jahr die Generationen bei „meet & eat“ zusammen, mittlerweile im sechsten Jahr. Das Prinzip: Quer durch die Gemeinde werden Teams gebildet, die jeweils einen Baustein für ein mehrgängiges Menü zubereiten. Dann heißt es nur noch warten und sich überraschen lassen, wer an der Tür klingelt. In der Fastenzeit gibt es heuer auch ein gemeinsames Fischessen im Rahmen des Projekts Tragwerk 7. In der Pfarrkirche St. Elisabeth wird dafür ein Raum abgetrennt. Dazu, berichtet der langjährige Pfarrgemeinderat Christoph Härtl, haben sich auch eine ganze Reihe von Leuten angemeldet, „deren Namen ich noch gar nicht kenne“. 


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	Gabi Gess
Gabi Gess Redakteurin in der Stabsstelle Kommunikation