Braucht Demokratie Religion? Fragt man Politikerinnen und Politiker im Bistum Eichstätt, fällt die Antwort parteiübergreifend einhellig aus: Ja. Die Gaimersheimer Bürgermeisterin Andrea Mickel (SPD) meint, dass Religionen wesentlich zur Wertebildung beitragen und diese Werte den Umgang in der Gesellschaft ordnen und prägen. „Ja, Religionen sind mit einigen anderen Rahmenbedingungen wichtig für unsere Demokratie“, so Mickel.
Für Maria Lechner, Stadträtin der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) in Eichstätt, ist „eine gesunde Religiosität die beste Grundlage für eine Haltung der Wertschätzung für andere Menschen und deren Leben“. Die christliche Botschaft nehme den Einzelnen ernst, weise aber zugleich über das Ego hinaus auf ein größeres „Du“ und relativiere so Egoismen und Verabsolutierungen. „Religion soll und kann für diese Haltung Räume bieten – durch Bildung, Rituale und Stille, aber auch für echte Auseinandersetzung und Diskussionen“, so Lechner.
Für den Bundestagsabgeordneten Reinhard Brandl (CSU) braucht Demokratie vor allem ein festes Wertefundament und einen inneren Kompass. Grundlage ist für ihn die christliche Soziallehre. „Für uns steht immer der Mensch als einzelne Person im Mittelpunkt. Nicht der Mensch als Mitglied einer Klasse oder gar einer Rasse“, sagt er. Jede Person habe eigene Fähigkeiten, Stärken und Schwächen, was sich auch in Gesetzen widerspiegeln solle. „Hier bewegen wir uns immer im Spannungsfeld zwischen Subsidiarität und Solidarität, also der Frage: Wie viel Eigenverantwortung braucht es, und wo muss die Gesellschaft helfen. In dieser Abwägung ist der Glaube für mich eine wertvolle Richtschnur“, so Brandl.
„Demokratie bietet der Religion Raum“, sagt Harald Lemke (Die Linke), Kreistagsmitglied im Landkreis Roth. Die Toleranz gegenüber Religionen, wie sie bereits 1555 im Augsburger Religionsfrieden angelegt sei, hält er für wichtig.
Alle christlichen Werte, zuvorderst die Nächstenliebe, sind für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft unerlässlich“, betont er.
Eine strikte Trennung von Staat und Religion sei jedoch von größter Bedeutung. „Wir sehen momentan, wie gefährlich es ist, wenn Religion missbraucht wird, um Verbrechen an Menschen zu begründen.“