Roth – „Thank God it’s friday“, so hieß in den 1970er-Jahren ein Musicalfilm mit Donna Summer. „Thank God it’s friday“ lautet auch der Titel einer Veranstaltungsreihe im mittelfränkischen Roth. Nur geht es dabei nicht in die Disco, sondern in die katholische Pfarrkirche, wo an jedem letzten Freitagabend im Monat besinnliche Musik, Inspirationen aus der Bibel und anschließende Begegnung im Pfarrhof bei Tee und Knabbereien warten. Der Abend versteht sich als offenes, generationenübergreifendes Angebot für alle, die sich zwischen den Monaten eine Atempause im Alltag gönnen wollen.
„Es läuft jetzt seit einem Jahr und ist echt schön“, freut sich Alessandra Beck (29) vom Vorbereitungsteam, in dem mit Sophia Dittmann, Magdalena Cavallero und Rafael Haufen drei weitere junge Erwachsene mitwirken. Alle vier waren schon früh in der Kirche engagiert, Cavallero damals noch in ihrem Heimatbistum Bamberg, die anderen in Roth. „Wir waren jahrelang Ministranten, sind in der Jugendarbeit groß geworden“ erzählt Beck, „wir haben eigentlich nie aufgehört“. Sie selbst war schon Pfarrgemeinderätin, bevor es sie berufsbedingt eine Zeitlang nach Oberbayern verschlug. Zurück in der Heimatpfarrei suchte die junge Lehrerin mit den Gleichgesinnten aus alten Zeiten neue Betätigungsfelder. Dazu gehört auch der Einsatz bei „on:beat“. Das Chor- und Band-Ensemble gestaltet Feste, Kommunionfeiern oder Hochzeiten musikalisch. Aber, so beschreibt Beck die Überlegungen, die zu „Thank God it’s friday“ führten, „wir haben gemerkt, dass wir immer anlassbezogen spielten. Und dachten uns: vielleicht braucht es ja noch etwas anderes“. Für Minis und Jugend gebe es bereits gute Angebote in Roth, „wir wollten auch etwas für höhere Altersstufen anbieten“.
„Ein bisschen runterfahren“
Neue niederschwellige spirituelle Angebote für Menschen zu schaffen, „die die Kirche außerhalb der Gottesdienstzeiten besuchen möchten, und möglicherweise auch für solche Menschen, die der Kirche und der Gemeinde fernstehen“, so lautet auch eines der Ziele im aktuellen Pastoralkonzept des Pfarrverbands Roth-Eckersmühlen-Büchenbach. Dieses hat der leitende Pfarrer Klaus Meyer, der sein Amt erst vergangenen Herbst antrat, ebenso „geerbt“ wie die Freitagabende am Monatsende, die ganz in seinem Sinne sind: „Eine tolle Idee, um Menschen zu erreichen, die zur klassischen Liturgie nicht so den Zugang haben, aber auch auf der Suche nach „mehr“ sind“. Die Stimmung helfe dabei „ein bisschen runterzufahren und die eigenen Gedanken im Raum Gottes verschweben zu lassen“, überlegt Meyer: „Wenn da jemand von Gott angerührt wird, wird er mehr suchen. Wenn nicht, freuen wir uns, dass er da ist“.
Meyer war selbst schon wiederholt als Teilnehmer bei „Thank God it’s friday“. Dass sich hier ein Angebot etabliert, das auch ohne Geistlichen machbar ist, das beunruhigt ihn als Pfarrer kein bisschen. Die Verantwortlichen, die sich schon von Jugend an engagieren, „die kennen Kirche von innen her“, zeigt er sich überzeugt. Umgekehrt freut sich Alessandra Beck über den Gast: „Ich glaube, er genießt es, dass er, salopp gesagt, auch mal nur konsumieren darf“.
„Wir versuchen, mit Lichtern und Kerzen eine schöne Atmosphäre zu gestalten“, beschreibt sie das monatliche Treffen, „einer ist immer hauptverantwortlich für Ablauf und Thema“. Ausgangspunkt der Treffen, zu denen in der Regel etwa 20 bis 30 Leute kommen, ist stets eine ausgewählte Stelle aus der Bibel, die dazu einlädt, sich Gedanken zu machen über das eigene Leben im Hier und Jetzt. Ein Format für Leute, die, so Beck „etwas suchen. Auch, wenn sie vielleicht noch nicht wissen, was …“.