„Earth Day“: Erdaufgang oder Erduntergang?

Am 22. April finden weltweit mehr als 10.000 Veranstaltungen zum Earth Day, dem Tag der Erde statt. Dabei machen rund 150.000 Organisationen in 192 Ländern auf Schutzmaßnahmen für die Erde aufmerksam. Die Diözese Eichstätt unterstützt die Aktion.
Erduntergang, aufgenommen durch das Orion-Raumschiff am 6. April 2026 um 18:41 Uhr EDT (Sommerzeit an der nordamerikanischen Ostküste) während des Vorbeiflugs der Artemis-II-Besatzung am Mond.

Der Tag der Erde wird seit 1970 begangen und steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Mach mit. Geh voran. Lebe bewusst nachhaltig. Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft“. An diesem Aktionstag vereinen sich Schulen, Bildungseinrichtungen, Universitäten, Betriebe, Verbände und Kirchen in einem gemeinsamen Anliegen: die Zukunft unserer Erde zu sichern.

Das Umweltteam des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt ruft die Mitarbeitenden dazu auf, in ihrem Wirkungsbereich nachhaltig zu handeln und damit ein Signal in das Bistum zu senden. Diesem Anliegen schließt sich Diözesanadministrator Dompropst Alfred Rottler mit einer Einladung an alle Menschen im Bistum an: 

Es gilt, das gemeinsame Haus Erde für die gesamte Menschheit zu bewahren. Deshalb ist jede Person aufgerufen, ihr Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen und sich für einen nachhaltigen Lebensstil zu entscheiden.“

Das blau-weiße Juwel

Es gibt zwei Bilder der Erde, die kontrastreicher kaum sein könnten: eine Fernaufnahme von unbeschreiblicher Schönheit, vor wenigen Tagen aufgenommen von der Besatzung der Artemis-Mondmission, und eine Nahaufnahme der erschreckenden Zerstörung eben dieses Planeten, dargestellt im jüngsten Umweltausblick der Vereinten Nationen. Das Bild der Erde über dem Mondhorizont versetzt uns ins Staunen. Es zeigt den „Earthset“, den Erduntergang am 6. April 2026, erinnert jedoch stark an den „Earthrise“, den Erdaufgang, den der US-amerikanische Astronaut William Anders am 24. Dezember 1968 während der Apollo-8-Mission aufgenommen hat. Sein Kollege Edgar Mitchell (1930–2016), der am 5. Februar 1971 während der Apollo-14-Mission als sechster Mensch den Mond betrat und ebenfalls die aufgehende Erde erlebte, war von diesem Augenblick überwältigt. Er schrieb:

Plötzlich taucht hinter dem Mond in langen, zeitlupenartigen Augenblicken von unermesslicher Erhabenheit ein funkelndes blau-weißes Juwel auf, eine leichte, zarte, himmelblaue Kugel, durchzogen von langsam wirbelnden weißen Schleiern, die sich allmählich wie eine kleine Perle aus einem dichten Meer schwarzen Geheimnisses erhebt. Es dauert einen ganzen Moment, bis mir vollends bewusst wird, dass dies die Erde ist … meine Heimat. Mein Blick auf unseren Planeten war ein flüchtiger Einblick in das Göttliche.“

Diese unsere Heimat hat Franz von Assisi vor 800 Jahren in seinem Sonnengesang besungen: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“ Der Sonnengesang ist Leitmotiv und Titelgeber der Enzyklika „Laudato si' – Über die Sorge um das gemeinsame Haus“ (2015). Mit drastischen Worten prangert Papst Franziskus (1936–2025) darin die fortschreitende Zerstörung des Planeten an: 

Diese Schwester Erde schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr zufügen.“

„Selbstmörderische Lebensweise“

„Laudato si“ verbindet Umwelt- mit Sozialfragen, betont die Einheit der Schöpfung, kritisiert eine rücksichtslose Wegwerfkultur und fordert Gerechtigkeit für arme Länder. Alles ist miteinander verbunden, lautet eine der Kernbotschaften. Es gibt keine getrennten Krisen, sondern eine einzige, komplexe sozio-ökologische Krise.

Der Schrei der Erde ist für den inzwischen verstorbenen Papst auch ein Schrei der Armen: Die Umweltzerstörung trifft die Armen weltweit am härtesten. Umweltschutz ist daher untrennbar mit Armutsbekämpfung und sozialer Gerechtigkeit verbunden. Der Papst warnt vor einem ungezügelten Glauben an den technologischen Fortschritt und einer egoistischen Haltung, die den Menschen als absoluten Herrscher über die Natur sieht. Er kritisiert die aktuelle Lebensweise, geprägt von Konsumismus und Ressourcenverschwendung, als „selbstmörderisch“. Franziskus fordert eine ganzheitliche ökologische Umkehr, um den Klimawandel und die Zerstörung der Erde als „gemeinsames Haus“ zu stoppen.

Handbuch der Umweltarbeit

„Laudato si“ ist laut Nachhaltigkeitsreferentin Lisa Amon das „Handbuch für die Umweltarbeit im Bistum Eichstätt“. Bereits vor der Veröffentlichung der Enzyklika hatte die Diözese 2013 eine Klimaoffensive gestartet. Sie setzt Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz auf Basis von „Laudato si“ mit verschiedenen Maßnahmen um. Mit der Klimaoffensive 2035 will das Bistum seine Treibhausgasneutralität erreichen. Das Bischöfliche Ordinariat hat vor zehn Jahren ein Umweltmanagementsystem nach EMAS eingeführt. Im Oktober 2025 ist die katholische Kirche in Bayern mit ihren sieben (Erz-)Diözesen der Blühpakt-Allianz des Bayerischen Umweltministeriums beigetreten. Viele Pfarreien und kirchliche Einrichtungen setzen ebenfalls Klimaschutzmaßnahmen um. Es gibt noch viel zu tun – darin sind sich alle Beteiligten einig.

„Earthrise“, der Blick von außen auf die Erde, hat unser Denken verändert. Es war das erste Mal, dass sich Menschen weit genug von der Erde entfernt hatten, um den ganzen Planeten zu sehen. Das Bild machte die Verletzlichkeit und Einzigartigkeit des Planeten bewusst und gilt deshalb auch als der Moment der „spirituellen Entstehung der Umweltbewegung“. Es hat die Erforschung der Erde als Ganzes angeregt und ein Bewusstsein für notwendige Schutzmaßnahmen geschaffen. Denn dieses blau-weiße Juwel gerät zunehmend in Gefahr, weil das Verhältnis zwischen Mensch und Natur aus dem Gleichgewicht geraten ist.

„Eine Zukunft, die wir wählen“

Die Temperaturen steigen weiter, Arten verschwinden immer schneller, Müllberge wachsen. Das zeigt der jüngste Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Der „Global Environment Outlook, Seventh Edition: A Future We Choose“ (GEO-7) ist das Ergebnis der Arbeit von 287 multidisziplinären Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 82 Ländern. Auf 1240 Seiten fasst das Dokument die weltweiten Erkenntnisse zum Klimawandel zusammen und zeigt Wege auf, ihn zu stoppen.

Die Zahlen zeigen eine dramatische Lage. Die Treibhausgasemissionen sind seit 1990 jährlich um 1,5 Prozent gestiegen und erreichten 2024 einen neuen Höchststand – was zu einem Anstieg der globalen Temperaturen und einer Verschärfung der Klimaauswirkungen führte. Die Menschheit stößt jährlich über 36 Milliarden Tonnen CO₂ aus. Die Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre liegt so hoch wie seit mindestens 800.000 Jahren nicht mehr. 

Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln“, warnte Papst Franziskus. 

Diese Gefahr ist real: Die Müllmenge wird sich laut UN-Prognosen bis 2050 auf vier Milliarden Tonnen pro Jahr verdoppeln.

Weltweit verlieren Gletscher derzeit jährlich rund 250 bis 300 Milliarden Tonnen Eis. In den Alpen sind seit 1850 bereits etwa 60 Prozent der Gletschermasse verschwunden – mit dramatischen Folgen für Wasserhaushalt und Ökosysteme. Jedes Jahr verschwindet Ackerfläche in der Größe von Äthiopien oder Kolumbien. Bis zu eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht – viele davon innerhalb weniger Jahrzehnte. Luftverschmutzung und eine wachsende Müllflut sind für neun Millionen Todesfälle pro Jahr verantwortlich.

Der UNEP-Bericht kommt zu dem Schluss, dass Klimawandel, Verlust der biologischen Vielfalt, Landverödung, Wüstenbildung sowie Umweltverschmutzung und Abfall den Planeten, die Menschen und die Volkswirtschaften schwer belasten – und bereits jedes Jahr Billionen von Dollar kosten. Um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen und eine angemessene Finanzierung für den Erhalt und die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt sicherzustellen, sind bis 2050 jährliche Investitionen in Höhe von etwa acht Billionen US-Dollar erforderlich. Die Kosten der Untätigkeit sind jedoch weitaus höher.

Haben wir noch eine Wahl?

Bei der Vorstellung des Berichts rief die UNEP-Exekutivdirektorin Inger Andersen die Weltgemeinschaft zu einem entschiedenen Kurswechsel in der Umwelt- und Klimapolitik auf. Die Menschheit stehe vor einer einfachen Wahl: 

Entweder wir setzen den Weg in eine Zukunft fort, die von Klimawandel, schwindender Natur, verödeten Böden und verschmutzter Luft geprägt ist, oder wir ändern den Kurs, um einen gesunden Planeten, gesunde Menschen und gesunde Volkswirtschaften zu sichern. Das ist überhaupt keine Wahl“, sagt Andersen.

Angesichts der vielen Krisen rückt die Umweltpolitik in einigen Ländern in den Hintergrund. Appelle der Wissenschaft und die Stimmen von Umweltorganisationen verhallen wie ein Ruf in der Wüste. Eigentlich sollten doch die Bilder „Earthrise“ und „Earthset“ reichen, um uns davon abzuhalten, die Erde zu zerstören. Sie sollten Grund genug sein, unsere Erde zu lieben. Und was man liebt, zerstört man nicht. Das mag naiv klingen, ändert aber nichts daran, dass wir – wie die UNEP-Direktorin sagt – an einem Scheideweg stehen und entscheiden müssen: Wollen wir ein Weiter-so oder eine Richtungsänderung? In anderen Worten: einen Erdaufgang oder einen Erduntergang?

Der Earth Day, der Tag der Erde, sendet eine klare Botschaft: „Mach mit. Geh voran. Lebe bewusst nachhaltig. Veränderung beginnt nicht irgendwann. Sie beginnt jetzt. Und sie beginnt bei uns.“

Text: Geraldo Hoffmann

Wir alle sind Noah“: Autorin Tanja Kinkel über Verantwortung für die Erde

Geraldo Hoffmann Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit