Der Tag der Erde wird seit 1970 begangen und steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Mach mit. Geh voran. Lebe bewusst nachhaltig. Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft“. An diesem Aktionstag vereinen sich Schulen, Bildungseinrichtungen, Universitäten, Betriebe, Verbände und Kirchen in einem gemeinsamen Anliegen: die Zukunft unserer Erde zu sichern.
Das Umweltteam des Bischöflichen Ordinariats Eichstätt ruft die Mitarbeitenden dazu auf, in ihrem Wirkungsbereich nachhaltig zu handeln und damit ein Signal in das Bistum zu senden. Diesem Anliegen schließt sich Diözesanadministrator Dompropst Alfred Rottler mit einer Einladung an alle Menschen im Bistum an:
Es gilt, das gemeinsame Haus Erde für die gesamte Menschheit zu bewahren. Deshalb ist jede Person aufgerufen, ihr Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen und sich für einen nachhaltigen Lebensstil zu entscheiden.“
Das blau-weiße Juwel
Es gibt zwei Bilder der Erde, die kontrastreicher kaum sein könnten: eine Fernaufnahme von unbeschreiblicher Schönheit, vor wenigen Tagen aufgenommen von der Besatzung der Artemis-Mondmission, und eine Nahaufnahme der erschreckenden Zerstörung eben dieses Planeten, dargestellt im jüngsten Umweltausblick der Vereinten Nationen. Das Bild der Erde über dem Mondhorizont versetzt uns ins Staunen. Es zeigt den „Earthset“, den Erduntergang am 6. April 2026, erinnert jedoch stark an den „Earthrise“, den Erdaufgang, den der US-amerikanische Astronaut William Anders am 24. Dezember 1968 während der Apollo-8-Mission aufgenommen hat. Sein Kollege Edgar Mitchell (1930–2016), der am 5. Februar 1971 während der Apollo-14-Mission als sechster Mensch den Mond betrat und ebenfalls die aufgehende Erde erlebte, war von diesem Augenblick überwältigt. Er schrieb:
Plötzlich taucht hinter dem Mond in langen, zeitlupenartigen Augenblicken von unermesslicher Erhabenheit ein funkelndes blau-weißes Juwel auf, eine leichte, zarte, himmelblaue Kugel, durchzogen von langsam wirbelnden weißen Schleiern, die sich allmählich wie eine kleine Perle aus einem dichten Meer schwarzen Geheimnisses erhebt. Es dauert einen ganzen Moment, bis mir vollends bewusst wird, dass dies die Erde ist … meine Heimat. Mein Blick auf unseren Planeten war ein flüchtiger Einblick in das Göttliche.“
Diese unsere Heimat hat Franz von Assisi vor 800 Jahren in seinem Sonnengesang besungen: „Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.“ Der Sonnengesang ist Leitmotiv und Titelgeber der Enzyklika „Laudato si' – Über die Sorge um das gemeinsame Haus“ (2015). Mit drastischen Worten prangert Papst Franziskus (1936–2025) darin die fortschreitende Zerstörung des Planeten an:
Diese Schwester Erde schreit auf wegen des Schadens, den wir ihr zufügen.“
„Selbstmörderische Lebensweise“
„Laudato si“ verbindet Umwelt- mit Sozialfragen, betont die Einheit der Schöpfung, kritisiert eine rücksichtslose Wegwerfkultur und fordert Gerechtigkeit für arme Länder. Alles ist miteinander verbunden, lautet eine der Kernbotschaften. Es gibt keine getrennten Krisen, sondern eine einzige, komplexe sozio-ökologische Krise.
Der Schrei der Erde ist für den inzwischen verstorbenen Papst auch ein Schrei der Armen: Die Umweltzerstörung trifft die Armen weltweit am härtesten. Umweltschutz ist daher untrennbar mit Armutsbekämpfung und sozialer Gerechtigkeit verbunden. Der Papst warnt vor einem ungezügelten Glauben an den technologischen Fortschritt und einer egoistischen Haltung, die den Menschen als absoluten Herrscher über die Natur sieht. Er kritisiert die aktuelle Lebensweise, geprägt von Konsumismus und Ressourcenverschwendung, als „selbstmörderisch“. Franziskus fordert eine ganzheitliche ökologische Umkehr, um den Klimawandel und die Zerstörung der Erde als „gemeinsames Haus“ zu stoppen.
Handbuch der Umweltarbeit
„Laudato si“ ist laut Nachhaltigkeitsreferentin Lisa Amon das „Handbuch für die Umweltarbeit im Bistum Eichstätt“. Bereits vor der Veröffentlichung der Enzyklika hatte die Diözese 2013 eine Klimaoffensive gestartet. Sie setzt Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz auf Basis von „Laudato si“ mit verschiedenen Maßnahmen um. Mit der Klimaoffensive 2035 will das Bistum seine Treibhausgasneutralität erreichen. Das Bischöfliche Ordinariat hat vor zehn Jahren ein Umweltmanagementsystem nach EMAS eingeführt. Im Oktober 2025 ist die katholische Kirche in Bayern mit ihren sieben (Erz-)Diözesen der Blühpakt-Allianz des Bayerischen Umweltministeriums beigetreten. Viele Pfarreien und kirchliche Einrichtungen setzen ebenfalls Klimaschutzmaßnahmen um. Es gibt noch viel zu tun – darin sind sich alle Beteiligten einig.