Was hat die Banane mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu tun? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Dieses Bild des deutschen Künstlers Max Gruber zeigt, was auf den Bildschirmen von „Clickworkern“, also Billiglohnarbeitenden erscheint, die Bildelemente mit Schlüsselwörtern versehen, um Datenbanken zu füllen. Zur Verfügung gestellt wird es von Better Images of AI, einem Forscherkollektiv, das sich für realistischere Darstellungen von KI und für die Sichtbarmachung der Menschen hinter der Technologie einsetzt. Ziel ist es, sich von science-fictionhaften oder gar religiös aufgeladenen Bildwelten zu distanzieren.
Das Bild einer Banane gehört sicher zu den harmloseren Motiven, die Datenarbeitende hinter der KI zu Gesicht bekommen. Nicht zufällig erinnert es jedoch an ein Phänomen, das 500 Jahre alt ist und im digitalen Zeitalter in neuem Gewand erscheint: den Kolonialismus. Darüber haben der Tech-Journalist Ingo Dachwitz von netzpolitik.org und der Digitalisierungsexperte Sven Hilbig von Brot für die Welt ein Buch geschrieben: „Digitaler Kolonialismus – Wie Tech-Konzerne und Großmächte die Welt unter sich aufteilen“.
Auf 350 Seiten entmythisieren sie die Heilsversprechen der „digitalen Revolution“ und blicken hinter die Hochglanzfassade der weltweit führenden Tech-Konzerne. Sie zeigen, wie der „digitale Neo-Kolonialismus“ durch seinen unersättlichen Hunger nach Daten, Rohstoffen und Energie Umweltschäden verursacht, alte Machstrukturen fortschreibt und billige Arbeitskräfte im Globalen Süden ausbeutet. Besonders bedrückend sind die Schilderungen von Menschen, die KI trainieren und Social Media moderieren.
„Die Digitalisierung kommt als immaterieller, körperloser Prozess daher, doch sie beruht oft auf materiellen Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnissen. Statt physisches Land einzunehmen, erobern die neuen Kolonialherren den digitalen Raum“, heißt es bereits in der Einleitung. Das Buch macht deutlich: Die digitale Welt basiert auf harter Arbeit. Eine unsichtbare Armee an Datenarbeiterinnen und -arbeitern – auch „Geisterarbeiterinnen und -arbeiter“ oder „Clickworker“ genannt – schuftet im Globalen Süden für das Funktionieren von KI. Sie sortieren Daten, trainieren Algorithmen und moderieren Inhalte. Um eine Größenordnung zu verdeutlichen: ChatGPT-4 wurde mit etwa 500 Millionen Seiten ausgedruckten Textes trainiert. Damit ein Sprachmodell weiß, was eine Katze ist, müssen Millionen Bilder entsprechend beschriftet werden. Den Maschinen wird nicht nur beigebracht, relevante Ergebnisse zu liefern, sondern auch, was sie nicht zeigen sollen, etwa Anstößiges, Verletzendes oder Gewalttätiges.