Die Theologin Annette Jantzen setzt sich für eine geschlechterfaire Glaubenssprache ein. Sie schreibt Gebetstexte und Bibel-Auslegungen für Gottesdienste und veröffentlicht sie in ihrem Blog „Gotteswort, weiblich“. Demnächst erscheint ihr Buch „Die ignorierten Frauen der Bibel“. Jantzen schreibt zudem für die Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ und arbeitet in der Leitung des Projekts „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, das vom Hildegardis-Verein in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bischofskonferenz sowie den deutschen (Erz-)Diözesen durchgeführt wird.
Auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung Neumarkt-Roth-Schwabach hält sie einen Vortrag am Freitag, 20. Februar, um 19.30 Uhr im Kulturzentrum Bunker in Thalmässing. Dort wird sie über männliche Einflüsse auf Bibel und Liturgie sowie über die Bedeutung von Gottesbildern sprechen. Im Interview gibt sie Einblicke in das Thema.
Frau Dr. Jantzen, Sie schreiben den Blog „Gotteswort, weiblich“, aus dem bereits drei Bücher entstanden. Was treibt Sie dabei an?
Annette Jantzen: Ich habe den Blog gestartet, als ich Frauenseelsorgerin im Bistum Aachen war, und zwar zuerst für die Frauen, die Wort-Gottes-Feiern vorbereiten und leiten. Sie sollten für jeden Sonntag eine geschlechterfaire Perspektive auf die Texte finden. Mittlerweile betreibe ich den Blog als Freiberuflerin. Er ermöglicht mir jede Woche eine intensive Beschäftigung mit der Bibel und mit Theologie, das mache ich leidenschaftlich gern. Und ich merke auch den großen Hunger nach Theologie, wenn ich in Verbandsgruppen und Gemeinden unterwegs bin.
Welche Reaktionen erhalten Sie auf Ihre Blogbeiträge? Die Kommentarfunktion scheint inaktiv zu sein.
Ich betreibe diesen Blog allein. Kommentarmöglichkeiten ergeben nur Sinn, wenn man auch die Kapazitäten hat, mit den Kommentierenden ins Gespräch zu gehen. Die habe ich nicht. Auf den Plattformen Instagram und Facebook sind Kommentare möglich. Ich bekomme sehr überwiegend positive Reaktionen. Kritische Stimmen schätze ich auch, wenn sie denn ein tatsächliches Interesse erkennen lassen.
Es gibt seit 2006 eine „Bibel in gerechter Sprache“, die auf Kriterien wie soziale Gerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Gerechtigkeit im Hinblick auf den christlich-jüdischen Dialog basiert. Reicht das Ihnen nicht?
Eine Übersetzung ersetzt ja keine Auslegung. Das sind zwei verschiedene Dinge. Ich verwende die Bibel in gerechter Sprache sehr regelmäßig und schätze sie sehr.
Wie sprechen Sie Gott an, dessen Name im Judentum zum Beispiel unaussprechlich ist?
Es wäre gut, der Name Gottes wäre auch im Christentum unaussprechlich. Denn erstens transportiert die Chiffre JHWH eine lange Religionsgeschichte: In den Anfängen des Glaubens Israel war der Name Gottes noch ein Eigenname, der dann in der Entwicklung zum Monotheismus ins Schweigen entzogen worden ist. Und darum ist zweitens die Chiffre eine stete Erinnerung daran, dass jeder Name für Gott zu klein ist, auch jedes Bild übrigens, auch das Vater-Bild. Ich verwende häufig den Namen „Ewige/die Ewige“.
Und die Ewige, die dein Leben bewahrt, lasse dich aufatmen und gebe dir Frieden.“ (aus einem Segensgebet)