Pfarrei Meckenhausen

Dass sich in der Pfarrei Meckenhausen so viele Leute an der Kirchortsratswahl beteiligten, war kein Zufall

Trommeln, werben, informieren: So konnte in Meckenhausen mit Rekordbeteiligung ein neuer Kirchortsrat gewählt werden. Die letzte Wahl vor vier Jahren war noch ins Wasser gefallen.
Die Meckenhausener Wahlausschuss-Mitglieder mit Richard Ulrich, Stephanie Bernreuther und Viola Funk von der Stabsstelle Räte und Gremien.
Beim Besuch in der diözesanen Stabsstelle Räte und Gremien am Eichstätter Walburgiberg bedankten sich die Meckenhausener Wahlausschuss-Mitglieder Herbert Waffler (l.), Rainer Baur (2. v. r.) und Sonya Wurm (r.) bei Viola Funk (2. v. l.), Richard Ulrich und Stephanie Bernreuther für deren Unterstützung.

Meckenhausen/Eichstätt. (pde) – Bei jedem Kommunalwahlkampf findet man sie im Briefkasten, die bunten Kugelschreiber, die mit den Namen der Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten bedruckt sind. Auf einem Kugelschreiber, den zahlreiche katholische Haushalte in der Pfarrei Meckenhausen fast zur gleichen Zeit anlässlich der Pfarrgemeinderatswahl erhielten, steht dagegen die aufmunternde Parole: „Zammhalten - Gemeinsam gestalten“. Dank dieser Einstellung und mithilfe eines überaus rührigen Wahlausschusses gelang es nicht nur, nach vierjähriger Unterbrechung überhaupt wieder einen Kirchortsrat zu bilden, sondern auch, diesen mit einer satten Wahlbeteiligung von fast 56 Prozent zu legitimieren. Zum Vergleich: Bei 23,5 Prozent lag die durchschnittliche Beteiligung im Bistum Eichstätt, das mit dieser Zahl Spitzenreiter in Bayern war. Noch bis Ende April haben die neugewählten Gremien Zeit, ihre konstituierende Sitzung zu halten.

Von Fristen und Stichtagen kann Rainer Baur aus Meckenhausen ein Lied singen: Mitte November vergangenen Jahres klingelte es an der Haustür des pensionierten Polizeibeamten. Draußen stand sein ihm gut bekannter Berufskollege Michael Waldmüller, diesmal allerdings in seiner Funktion als Kirchenpfleger. Er suchte händeringend Mitglieder für den Wahlausschuss zur Pfarrgemeinde- oder Kirchortsratswahl, der bis Ende November zu bilden sei. Bei Baur, der zwar kein kirchliches Ehrenamt innehatte, sich aber von Berufs wegen mit Einsatzplanung auskannte, stieß er auf offene Ohren. Und er fand mit Sonya Wurm, Herbert Waffler und Otto Hamperl noch drei weitere Mitglieder für den Wahlausschuss, der umgehend auf Kandidatensuche ging. In den Kirchen, aber auch in Bäckerei, Metzgerei oder Kindergarten wurden Boxen aufgestellt, in die man Zettel mit Namensvorschlägen werfen konnte. Zugleich informierte der Wahlausschuss ab Anfang Dezember systematisch online über die bevorstehende Wahl. Er nutzte dafür eine lokale Meckenhausener Homepage, auf der auch alle weltlichen Vereine ihre Aktivitäten kundtun. So rückten zwischen Baumschnittkurs-Ankündigungen und Faschingsgarden-Fotos auch fortlaufend Neuigkeiten in Sachen Kirchortsratswahl in den Blick.

„Geht zur Wahl, gebt Rückhalt“

Dass sich 2022 keine Kandidaten motivieren ließen und die Wahl schließlich ausgesetzt werden musste, das ist für den jetzigen Wahlausschuss-Leiter Baur Schnee von gestern. Es habe halt „gemenschelt“, deutet er vorsichtig an. Mangels Kirchortsrat habe dessen Aufgaben dann die Kirchenverwaltung mit übernehmen müssen. Aber „die Kirchenverwaltung Meckenhausen vermag dies alleine nicht zu stemmen und braucht hier Ihre/Eure Unterstützung“, lautete vor den jüngsten Wahlen die klare Botschaft im Internet. Die Vier vom Wahlausschuss holten sich als bekennende Neulinge von Anfang an Unterstützung bei der Stabsstelle Räte und Gremien in Eichstätt. Sie sprachen die mehr als 70 Leute, die auf den Vorschlagslisten standen, allesamt persönlich an und fanden schließlich acht Kandidatinnen und Kandidaten, die damit auch schon ihren Platz im künftigen, laut Satzung achtköpfigen Meckenhausener Kirchortsrat sicher hatten. Das war auch so beabsichtigt. „Wir wollten, dass alle, die sich aufstellen lassen, sich auch im Gremium wiederfinden“, macht Baur deutlich. „Was wir nicht wollten, war ein Kampf um ein Ehrenamt, bei dem drei hinten runterfallen“. Das Argument, dass man dann ja gar nicht mehr wählen brauche, ließ Baur nicht gelten. „Stellt euch vor, es sind Wahlen und keiner geht hin“, appellierte er an die Gemeinde, zu der er mit Zustimmung von Pfarrer Franz-Josef Gerner bei insgesamt fünf Gottesdiensten im Pfarrort und in den Filialen sprach. „Wie sollen sich unsere Kandidatinnen und Kandidaten fühlen, wenn niemand für sie stimmt? Wir wollen ihnen unseren Rückhalt geben, ihnen den Rücken stärken“, rief er etwa beim Familiensonntag in Meckenhausen zur Vorstellung der Kommunionkinder. Er machte dabei auch gleich auf die Möglichkeit der Online-Wahl aufmerksam und bot bei technischen Problemen Hilfestellung an. Kurz bevor dann die Diözese die Wahlunterlagen versandte, ging nochmals ein Schreiben des Meckenhausener Wahlausschusses per Wurfsendung an alle katholischen Haushalte im Einzugsgebiet: „Bitte nehmt teil! Wir zählen auf Euch!“

„Viele sind dankbar und erleichtert“

Und der Appell trug Früchte: Als am Wahlsonntag um 9 Uhr das Wahllokal im Pfarrheim öffnete, hatten bereits stolze 50 Prozent der wahlberechtigten Katholiken abgestimmt, die meisten davon online, einige in Präsenz nach der Vorabendmesse. Trotzdem konnte man am Sonntag noch bis 16 Uhr wählen und den Urnengang mit einem Besuch in der Pfarrbücherei oder im ebenfalls extra geöffneten „Meck-Café“ verbinden. Als abends dann feststand, dass 508 Pfarreimitglieder an der Wahl teilgenommen hatten, wurden aus Dankbarkeit ebenso viele Sekunden lang die Glocken geläutet. Und eben Kugelschreiber verteilt.

„Viele sind dankbar und erleichtert, dass wir wieder einen Kirchortsrat haben“, sagt Baur im Nachhinein. „Er dient dem gedeihlichen Miteinander in der Gemeinde, fördert das Zusammenleben und die Zusammenarbeit der Vereine.“ Für die nächste Wahl in vier Jahren schreibt er gerade seinen Erfahrungsbericht: „Immer wieder die Leute ansprechen, sich Rückmeldungen geben lassen, das ist entscheidend“. Viel hänge aber auch an den Informationswegen: „Aushänge zu machen, ist Oldschool. Junge Leute nutzen andere Quellen“. Baurs Lob gilt dem Hauptamtlichen-Team in Eichstätt: „Wenn die nicht so viel Geduld mit uns gehabt hätten, wären wir nicht so erfolgreich gewesen“. Richard Ulrich, Leiter der Stabsstelle, gibt das Kompliment gern zurück: „Du kannst von außen nicht wirklich viel initiieren, wenn sich vor Ort nichts tut. Und in Meckenhausen ist es wirklich vorbildlich gelaufen“.