Bistum Eichstätt bedauert: Aufnahmestopp in der Mädchenrealschule Abenberg

Das Bistum Eichstätt wird den Schulbetrieb der Mädchenrealschule Abenberg nicht über das Schuljahr 2029/30 hinaus fortführen können und wird zum nächsten Schuljahresbeginn keine neuen Schülerinnen mehr aufnehmen. Markus Moder, Leiter der Abteilung Schule und Seelsorge, berichtet von den Verhandlungen und Perspektiven.
Zusammen für die Mädchenrealschule Abenberg: Amtschef Thomas Schäfers, Vorsitzender des Elternbeirats Maik Karlstedt, Schulleiterin Doris Hengster, Leiter der Abteilung Schule und Bildung des Bistums Markus Moder, 1. Bürgermeisterin von Abenberg Susanne König und 2. Bürgermeister von Abenberg Anton Friedrich.
Zusammen für die Mädchenrealschule Abenberg: Amtschef Thomas Schäfers, Vorsitzender des Elternbeirats Maik Karlstedt, Schulleiterin Doris Hengster, Leiter der Abteilung Schule und Bildung des Bistums Markus Moder, 1. Bürgermeisterin von Abenberg Susanne König und 2. Bürgermeister von Abenberg Anton Friedrich (v.l.n.r.). Foto: Pia Dyckmans/pde

Eichstätt/Abenberg. (pde) – Das Bistum Eichstätt wird den Schulbetrieb der Mädchenrealschule Abenberg nicht über das Schuljahr 2029/30 hinaus fortführen können. Trotz intensiver Bemühungen des Bistums auf allen Ebenen ist eine Verlängerung des bestehenden Mietvertrags über das Schulgebäude mit der Eigentümerin, der Schwesterngemeinschaft Kongregation der Schwestern von der Schmerzhaften Mutter, bis heute nicht gelungen. Nachdem die Schwestern den Mietvertrag bereits vergangenes Jahr gekündigt haben, wurde eine Verlängerung des Mietvertrags in Aussicht gestellt. „Auf diese Option haben wir gesetzt“, versichert Markus Moder, Leiter der Abteilung Schule und Bildung des Bistums. „Doch Anfang März teilte uns die Immobilienverwertungsgesellschaft, die von den Schwestern beauftragt wurde, final mit, dass der Mietvertrag nicht verlängert wird – egal zu welchen Konditionen. Damit fehlt eine zentrale Grundlage für den dauerhaften Fortbestand der Schule“, berichtet Moder. „In der Konsequenz können wir zum neuen Schuljahr keine neuen Schülerinnen mehr aufnehmen. Unser oberstes Ziel bleibt nun, allen derzeitigen Schülerinnen einen erfolgreichen Schulabschluss in Abenberg zu ermöglichen. Wir stehen aber weiter für Gespräche zur Verfügung, um die Zukunft der Schule zu sichern“.

Aktuell besuchen 120 Schülerinnen die Realschule, die von 14 Lehrkräften, sieben Mitarbeitenden im Ganztagsbereich, einer Verwaltungsangestellten sowie vier weiteren Mitarbeitenden in Hausmeister- und Reinigungsdiensten betreut wird. Die Diözese Eichstätt hatte bis zuletzt an den Fortbestand der Schule geglaubt und investiert: Im Herbst 2024 wurden alle Klassenräume im Rahmen des Digitalpakts mit neuen Tafelsystemen ausgestattet, im Dezember eine neue Homepage beauftragt und im Februar 2025 ein neues Schullogo durch einen Wettbewerb unter den Schülerinnen entwickelt. „Wir haben immer an den Standort geglaubt und entsprechend gehandelt“, so Markus Moder. „Dass wir nun vor diesem Ergebnis stehen, schmerzt uns zutiefst“.

Intensive Verhandlungen ohne Ergebnis

Die Schwesterngemeinschaft sucht bereits seit längerer Zeit nach einer Lösung für das gesamte Areal. Die Stadt Abenberg, die Kirchengemeinde und das Bistum haben sich in dem Zusammenhang wiederholt für den Erhalt der Schule eingesetzt – mit dem Ziel, den Standort durch ein zukunftsweisendes Konzept weiterzuentwickeln. Thomas Schäfers hat als Amtschef des Bistums die Verhandlungen für einen neuen Mietvertrag begleitet. „Wir haben alles versucht, um eine Lösung zu finden“, betont er. „Leider blieben die Gespräche mit den Schwestern bisher ergebnislos. Wir bedauern das sehr. Ich habe aber auch Verständnis für die schwierige Situation, in der sich die Schwesterngemeinschaft mit der Sorge um das große Klostergelände befindet“. Auch Bischof Gregor Maria Hanke hatte sich persönlich in die Gespräche eingeschaltet.

Stimmen aus der Region

Der Elternbeirat der Mädchenrealschule Abenberg bedauert die Situation, zeigt sich aber dankbar für das Engagement des Bistums, wie Vorsitzender Maik Karlstedt versichert: „Die Schule war für unsere Kinder ein großartiger Lernort. Wir danken den Lehrkräften, der Schule und dem Träger ausdrücklich für ihre Arbeit, den Einsatz und die Ausdauer in den Verhandlungen. Wir können nicht nachvollziehen, warum die Schwesterngemeinschaft sich gegen sämtliche Angebote verweigert, um diesen Ort des Lernens und Wachsens für unsere Mädchen zu erhalten“.

Auch Abenbergs Bürgermeisterin Susanne König äußert ihr Unverständnis: „Im Sommer 2024 konnte im Stadtratsgremium der Beschluss erwirkt werden, dass die Stadt Abenberg ein Kaufinteresse bekundet, da wir uns für eine gute Entwicklung des gesamten Areals und für den Fortbestand der Mädchenrealschule einsetzen wollen. Trotz mehrfacher Nachfrage liegt bis heute kein Kaufangebot vor. Des Weiteren habe ich bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass der Weiterbetrieb der Schule aus meiner Sicht ein Schlüssel ist für die Tragfähigkeit der Zukunftskonzepte für das gesamte Areal. Es wäre für die Klosterschwestern meines Erachtens möglich den Mietvertrag (ggf. in angepasster Form) mit der Diözese Eichstätt einige Zeit zu verlängern, so dass der Schulbetrieb weitergeführt werden kann. Die Zeit können wir gemeinsam mit Kooperationspartnern nutzen, um für alle Beteiligten ein tragfähiges Zukunftskonzept zu erarbeiten, in welchem selbstverständlich auch die Bedürfnisse der Schwestern abgebildet werden. Gute Ideen hierzu liegen vor. Ich werde mich auch weiterhin für diese gute Sache einsetzen und die Schwestern, sowie deren Vertretung in Form der Immobilienverwertungsgesellschaft weiterhin bitten in Gespräche einzusteigen. Die Mädchenrealschule und das gesamte Areal verdienen eine gute Zukunft, sowie die Schwestern einen guten Lebensabend auf dem Gelände. Dafür kämpfe ich auch weiterhin“.

Keine Neuaufnahme zum Schuljahr 2025/26 – Perspektiven für alle Beteiligten

Aufgrund der fehlenden langfristigen Perspektive wird die Diözese zum Schuljahr 2025/26 keine neuen Schülerinnen mehr aufnehmen. Für das letzte Halbjahr des Schuljahres 2029/30, in dem kein Mietvertrag mehr besteht, hat die Stadt Abenberg zugesichert, die Nutzung eines Klassenzimmers und der Fachräume in der örtlichen Mittelschule zu ermöglichen.

Für die Mitarbeitenden strebt die Diözese tragfähige Lösungen an, kündigt Moder an: „Wir arbeiten intensiv daran, unseren Mitarbeitenden sowohl aus dem pädagogischen als auch Verwaltungsbereich eine Perspektive zu ermöglichen. Lehrkräfte sollen an anderen diözesanen Schulen eingesetzt werden, zudem laufen Gespräche mit benachbarten Bistümern über Übernahmen. Für pädagogische Fachkräfte und Verwaltungsangestellte werden wir intern kirchliche Stellenangebote prüfen“.