„Amahoro“ begrüßen fünf Gäste aus dem Eichstätter Partnerbistum Gitega in Burundi die Leiterin des Caritas-Kinderdorfes Marienstein, Brigitte Radeljic-Jakic. Das ist in der Sprache Kirundi ein freundliches „Grüß Gott“. Erzbischof Bonaventure Nahimana, sein Vorgänger Erzbischof em. Simon Ntamwana und Caritasdirektor Abbé Longin Bivugire sind heute zu Gast in der heilpädagogischen Einrichtung für Kinder und Jugendliche sowie später im Caritas-Seniorenheim St. Elisabeth Eichstätt. Dabei sind auch der Schulleiter der Gymnasien St. Willibald und St. Walburga in der Diözese Gitega, Abbé Privat Nduhirubusa, und die Ordensschwester Josephine Toyi. Begleitet werden sie vom Leiter des Referates Weltkirche, Dr. Gerhard Rott, dem Eichstätter Caritasdirektor Alfred Frank sowie seinem Stellvertreter Andreas Steppberger.
„Wir geben den Kindern hier ein Stück Heimat“
„Wir haben 113 Kinder und 160 Mitarbeitende einschließlich solchen in der Küche und Verwaltung, davon viele in Teilzeit“, informiert Brigitte Radeljic-Jakic ihre Gäste. Diese zeigen sich beeindruckt von dem differenzierten Angebot von heilpädagogischen Wohngruppen sowie aber auch intensivpädagogischen Wohngruppen und einer speziellen therapeutischen Gruppe für autistische Kinder, die besonders viel Betreuung benötigen. „Hier kommen auf sechs Kinder fast sechs Fachkräfte“, so die Kinderdorfleiterin. Zu ihrem Erstaunen erfahren die burundischen Gäste, dass es sich bei den Kindern und Jugendlichen nicht wie in Kindereinrichtungen in Burundi um Waisenkinder – teilweise mit Behinderung – handelt, sondern um Kinder, „die oft psychische und physische Gewalt erlebt haben“, so Brigitte Radljic-Jakic, und deren Eltern mit der Erziehung häufig überfordert gewesen seien. „Wir geben den Kindern hier ein Stück Heimat“, wenngleich es Ziel des Kinderdorfes sei, die betreuten Kinder in ihre Herkunftsfamilien zurückzuführen, „doch oft ist das nicht möglich“.
Gerhard Rott erklärt den Besuchern aus Burundi, dass in Deutschland die öffentliche Hand zum Großteil die Arbeit der Einrichtungen finanziere, diese nach dem Subsidiaritätsprinzip aber von freien Trägern im Auftrag des Staates durchgeführt werde, zum Beispiel von der Caritas. Die Einrichtungen in Burundi seien hingegen zum Großteil auf Spenden von Organisationen sowie Privatleuten angewiesen. Ferner werde deren Arbeit noch zum Großteil von Ordensleuten geleistet und nicht wie etwa im Kinderdorf von ausgebildeten Laien.
Eine Initiative im Kinderdorf, welche die Gäste besonders beeindruckt, ist das Bootsbauprojekt – das auch hier aus Spenden finanziert wird. „Das Entscheidende daran ist, dass wir mit den Kindern nicht defizit-, sondern ressourcenorientiert arbeiten“, erklärt Brigitte Radeljic-Jakic. Sie sollen bei Aktivitäten wie dem Bootsbau oder auch dem Bogenschießen neues Selbstbewusstsein tanken nach dem Motto „Hallo, ich kann was“. Anschließend spaziert sie mit den Gästen über den Schulhof, auf dem diese in der Pause direkt in Kontakt mit einigen Kindern der Einrichtung kommen, bis ins Haus der Wohngemeinschaft für autistische Kinder. „Das sind ganz liebenswerte Kinder, aber sie haben wenig Empathie für andere Menschen und brauchen ganz klare Strukturen“, informiert die Kinderdorfleiterin. Sie zeigt auf Symbole an Schränken für zum Beispiel Saftkannen oder Puderzucker. „Wenn ein Kind das Gezeigte dann dort nicht findet, kann es zu einer Eskalation kommen.“ Dass die Kinder Einzelzimmer haben, wirkt auf die Besucherinnen und Besucher wie Luxus. „In einem Heim in Burundi schlafen im Durchschnitt 60 Kinder, getrennt nach dem Geschlecht, in einem Saal in Stockbetten“, so Gerhard Rott. „Es ist sehr beeindruckend, wie hier auf jedes Kind individuell eingegangen wird“, meint denn auch der Caritasdirektor aus Burundi.