„Wie sind die Welt und das Leben entstanden?“ – das ist die große Frage, über die Andreas Burkert, Professor für theoretische und numerische Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), forscht. Er ist bekannt für seine interdisziplinären Ansätze, die Wissenschaft, Religion und Musik vereinen. In seinen Vorträgen und Veranstaltungen schafft er eine Plattform, auf der Naturwissenschaft und Glaube in einen tiefgründigen Dialog treten. Die Internationale Astronomische Union benannte nach ihm einen Kleinplaneten: (267003) Burkert.
Bei einer Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung und des Evangelischen Forums am Dienstag, 28. Oktober, um 19 Uhr an der Volkshochschule Ingolstadt (Hallstr. 5) spricht Burkert über „Die Entstehung von Leben im Universum aus der Kraft der Emergenz“.
Herr Professor Burkert, in der Bibel heißt es: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.“ (Joh 1,1–3). Kann die Astrophysik, die ja vom „Urknall“ als Anfang von allem ausgeht, mit diesen Bibelversen etwas anfangen?
Prof. Andreas Burkert: Unser Universum entstand im Urknall. Am Anfang war es noch so klein wie ein Punkt, heiß und dicht, gefüllt mit Energie in Form von Strahlung. Nichts von dem, was wir heute über das Universum wissen, einschließlich des Lebens, gab es. Das Wort Gottes in der Bibel gibt den Impuls für die Entstehung der Welt. Astrophysikalisch interpretiert entspricht dem der Urknall, aus dem heraus sich alles jetzt entwickelt. Das Universum entsteht gerade jetzt, während wir darüber nachdenken.
Sehen Sie Parallelen zwischen dem Ablauf der biblischen Schöpfungsgeschichte, die im ersten Jahrhundert geschrieben wurde, und den heutigen Erkenntnissen der Physik zur Entstehung des Universums bis hin zur „Erschaffung“ des Menschen?
Die Parallele ist, dass sich Menschen schon immer Gedanken über den Anfang gemacht haben. Denn damit verbunden ist die spannende Frage nach dem „Warum?”. Wir wissen heute, dass das Universum einen Anfang hatte, den wir genau kennen und heute noch nachweisen können. Er fand vor 13,82 Milliarden Jahren statt. Damals gab es einen ersten Tag und es war ein besonderer. Denn es war ein Tag ohne ein Gestern. Das Universum hätte auch ewig existieren können, ohne Anfang. Dem ist aber nicht so. Und damit stellt sich die Frage nach dem Davor und warum überhaupt etwas entstand. Was ist der Sinn? Es ist eine spannende Frage, die man nur im Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie beantworten kann.