Gitega/Eichstätt. (pde) – Fünf Jahrzehnte Solidarität und gemeinsame Spiritualität: Seit 50 Jahren sind das Erzbistum Gitega in Burundi und das Bistum Eichstätt partnerschaftlich miteinander verbunden. Den Grundstein für die Partnerschaft legten der damalige Finanzdirektor des Bistums Eichstätt, Prälat Willi Reitzer, Regens Georg Härteis und Jugendpfarrer Johann Limbacher mit einer Reise nach Burundi zum Jahreswechsel 1975/76.
Burundi liegt in Ostafrika und ist nach dem Bruttoinlandprodukt pro Kopf das zweitärmste Land der Welt. Dreiviertel der Bevölkerung gelten offiziell als arm. Dr. Gerhard Rott, Leiter der Stabsstelle Weltkirche im Bistum Eichstätt, ist schon in die verschiedensten Länder auf dem afrikanischen Kontinent gereist. In Burundi selbst war er in den vergangenen 20 Jahren zehn Mal. Im Vergleich zu den umliegenden Ländern sei die Armut dort viel stärker wahrnehmbar: „Burundi ist noch einmal deutlich weniger industrialisiert, die Menschen sind viel auf den Feldern, um den Lebensunterhalt zu sichern.“ Das Land nah am Äquator habe eine wunderbare Landschaft: „Die Flora und Fauna, das ist einzigartig schön. Es gibt viele kleine Parzellen auf den 1000 Hügeln und in den engen Tälern. Aber die Landschaft erschwert auch die Entwicklung: Es ist schwierig, Straßen zu bauen und Brücken, es gibt kleine Flüsse in den Tälern, sehr viel Erosion.“
Eine sehr große Herausforderung in Burundi ist die mangelhafte Geburtenkontrolle. Die Bevölkerung des Landes ist extrem jung. Durch das Prinzip der Erbteilung werden die Parzellen, von deren Ertrag sich die Familien ernähren müssen, kleiner und kleiner. Dazu kommen jahrzehntelange ethnopolitische Konflikte – verbunden mit viel Gewalt.
Ethnopolitische Konflikte in Burundi: Die Tutsi und die Hutu sind Bevölkerungsgruppen, die eine gemeinsame Geschichte, Sprache und Religion teilen. Vor der Kolonialisierung bedeuten die Worte lediglich, dass jemand Pflanzen anbaut (Hutu) oder Vieh besitzt (Tutsi). Die Kolonialmächte konstruieren angebliche Unterschiede aufgrund rassistischer Zuschreibungen zu den Gruppen und sehen die Tutsi als ihnen ähnlich an. Das ist verbunden mit politischer Teilhabe und Bildungsmöglichkeiten, was die Unterschiede zwischen den Gruppen verstärkt. Die Mehrheit im Land sind Hutu, Tutsi und die kleinste Gruppe der Twa die Minderheit. In Burundi begann die Herrschaft der Tutsi mit den Wahlen 1965. Die Hutu versuchten gewaltsam, die Macht der Minderheit Tutsi zu beenden. Diese wiederum reagierten mit Vergeltungsmaßnahmen. Brutale Auseinandersetzungen mit hunderttausenden von Toten auf beiden Seiten und ein Bürgerkrieg von 1993 bis 2000 waren die Folge. Allein in dieser Zeit wurden knapp 300.000 Menschen getötet.
Was ist die Folge? Bis heute leben Täter und Opfer der Konflikte nah beieinander. Die Aufarbeitung im Land blieb bislang lückenhaft – eine herausfordernde Situation, die Entwicklung zusätzlich erschwert.