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Was wirklich einen Star ausmacht

Im Kloster St. Josef in Neumarkt trafen sich zum Jahreswechsel Jugendliche aus ganz Europa

So viel Action ist nicht alltäglich im Kloster Sankt Josef in Neumarkt. Musik tönt durch die Säle, Jugendgruppen laufen durch die Gänge und verschiedenste Sprachen und Gelächter mischen sich zu einem Klangbild, dass die letzten Tage von 2014 und die ersten Tage von 2015 prägte. Mittendrin steht Schwester Sara Thiel von den Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern), die gemeinsam mit einem internationalen Organisationsteam als Koordinatorin hinter diesem Europäischen Jugendtreffen steckt.

Aus sechs Nationen

„Die Ziele unserer Europäischen Jugendbegegnung sind es, völkerverbindend zu wirken, an die Lebenswelt der Jugendlichen angepasste Glaubensthemen zu erläutern, den Jahreswechsel in besonderer Atmosphäre zu feiern und den Segen Gottes ins neue Jahr mitzunehmen“, erklärt Schwester Sara. Die Ursprünge dieses Jugendtreffens reichen bei den Niederbronner Schwestern rund 30 Jahre zurück, und es war ursprünglich nur ein deutsch-französischer Austausch. Doch durch den Fall des Eisernen Vorhangs auf der einen und die wachsenden Beziehungen zwischen den Schwesternkongregationen, die sich auf die gleiche Gründerin Mutter Alfons Maria berufen, auf der anderen Seite wuchs das Jugendtreffen immer weiter.

In Neumarkt waren nun rund 120 Jugendliche aus sechs Nationen (Deutschland, Frankreich, Österreich, Slowakei, Ukraine und Ungarn) und rund 30 Schwestern und Begleitpersonen mit von der Partie. Neben den Niederbronner Schwestern sind auch die Kongregationen der Schwestern des Erlösers und der Schwestern vom allerheiligsten Heiland beim Jugendtreffen mit dabei. Die Jugendlichen stehen alle – teils in Jugendgruppen, teils schulisch oder über Pfarreien – mit den jeweiligen Schwestern in Verbindung. Schwester Sara zeigt sich im Gespräch sehr zufrieden mit dem Verlauf des Treffens, dessen Thema „Stars XXL“ den roten Faden bildet. Angefangen beim eher oberflächlichen Glanz der Popstars, die bei Jugendlichen oft als Idole gelten, befassen sich die Teilnehmer in Gesprächen und Aktionen mit der Frage, ob nicht auch Andere zu „Stars“ für einen selbst werden können – Heilige zum Beispiel oder auch Leute aus der eigenen Familie.

Beim Stationenlauf können die jungen Leute in unterschiedliche Lebenswelten eintauchen. Die 19-jährige Theresa Glavanich aus Großhöflein in Österreich bemüht sich zum Beispiel gerade, mit der Laubsäge einen Stern herzustellen. Allerdings mit der Einschränkung, dabei nur eine Hand zu benutzen. Das bedeutet: Teamarbeit. Während die eine sägt, muss die andere halten, nach jedem Zacken wird gewechselt. „Ich bin zum zweiten Mal dabei und habe viel Spaß“, erklärt Theresa, während sie sägt. „Es sind viele nette Menschen dabei und die Stadt Neumarkt ist auch sehr schön.“

Mit netten Leuten

Eine ganz andere Aufgabe übernimmt währenddessen eine kleine Gruppe Jugendlicher aus Deutschland: Sie nehmen an einem Beschäftigungsangebot für ältere Schwestern des Alten- und Pflegeheims Sankt Alfons teil. Mit rhythmischen Spielen, Liedern und Übungen für die Koordination vertreiben sich die jungen Teilnehmer und die Schwestern die Zeit. Einer der Jugendlichen ist Niklas Kirchner. Der 17-Jährige aus Haßfurt ist zum ersten Mal dabei und ebenfalls sehr zufrieden: „Es ist super hier, das ganze Treffen ist gut gemacht und man lernt neue Leute kennen“. Andere Teilnehmer des Jugendtreffens lernen in Gesprächen die Situation von Menschen mit Handicap kennen und bekommen einen Eindruck, welche Herausforderungen diese Leute im täglichen Leben meistern. So erzählt etwa Angelika Feisthammel, Pfarrgemeinderätin in Post-bauer-Heng und Behindertenbeauftragte im Landkreis Neumarkt, von ihrer Arbeit und ihrem Leben im Rollstuhl.

Mit einem feierlichen Jahresschlussgottesdienst und einem darauf folgenden „bunten Morgen“ wird das Treffen in Neumarkt zum Silvester-Höhepunkt für die Jugendlichen. Schon jetzt sind sie gespannt darauf, an welchen Ort es sie beim nächsten Treffen in zwei Jahren verschlägt.

Florian Lange, Kirchenzeitung Nr. 2 vom 11. Januar 2015