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Auf ein Wort: Gedanken zum Sonntagsevangelium

Stelle dich dem Leben!

Fest der heiligen Familie, 29. Dezember 2013

Zweimal erscheint in diesem Text dem Josef ein Engel im Traum und beide Male sagt er fast gleichlautende Sätze: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und ...“ hier kommt die Unterscheidung: Bei der ersten Erscheinung heißt es „... und flieh nach Ägypten“ und bei der zweiten Erscheinung heißt es: „... und zieh in das Land Israel.“

In einem Fall lautet der Auftrag: Flieh aus deinem Heimatland! Geh ins Ausland! Geh weg von hier! Und im zweiten Fall: Zieh in das Land Israel! Kehre heim! Zurück in die Heimat. Lassen Sie mich das auf uns beziehen und fragen: Schicke ich Jesus weg oder gebe ich ihm bei mir Heimat, lasse ich ihn in mein Leben?

Dem Jesuskind in meinem Leben Raum zu geben, es einzubeziehen in mein Verhalten, mit ihm zu rechnen, mit ihm zu leben, ist keine weihnachtliche Gefühlsduselei! Manche Theologen bezeichnen Jesus als ein Zeichen des Widerspruch. Wenn Menschen den Kopf in den Sand stecken, sagt er: Steh auf! Stelle dich dem Leben! Wenn einer den anderen ausbeutet und kaputt machen will, sagt er: Das ist dein Nächster! Du hast eine Mitverantwortung! Wenn Menschen blind sind für das Schöne im Leben, sagt er: Schau genauer hin! Traue dich zu genießen! Wenn Menschen von Angst gelähmt sind, sagt er: Fürchte dich nicht! Hab Vertrauen! Wenn sich Menschen auf die ersten Plätze drängen, sagt er: Die Ersten werden die Letzten sein.

Jesus widerspricht auch mir, wenn ich sage: Das schaffe ich nicht. Es hat alles keinen Sinn. Nichts verändert sich. Jesus verändert nicht die äußeren Umstände. Er verändert die Menschen. Er verändert mich.

Wenn dieses Kind ein göttliches Licht ausstrahlt, dann kann ich mich und mein Leben davon durchleuchten lassen. Das mag ich vielleicht gar nicht so gern, dass mich einer durchschaut, dass mich einer in meiner Hilflosigkeit und meiner Erbärmlichkeit sieht. Da baue ich Widerstände auf.

Um die Schwelle möglichst niedrig zu halten, ist Gott als Kind in unser Leben getreten. Gott ist ein Liebender. Dem Kind glaube ich das und ihm kann ich auch das anvertrauen, was niemand von mir wissen sollte. Darin kann Erlösung bestehen, dass ich mich immer wieder lösen kann von den Fragen, den Problemen und Ängsten, die in mir stecken. Es ist für mich ein schöner Gedanke, dass mein Gegenüber, dem ich alles anvertrauen kann, ein Kind ist, das göttliche Kind, so voll Liebe, dass meine Wunden heilen.                                                  

Domdekan Willibald Harrer, Kirchenzeitung vom 29. Dezember 2013

Lesungen zum Fest der heiligen Familie am 29. Dezember 2013