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Vergoldete Passionsszenen am Frauenberg

Geradezu ein Wahrzeichen Eichstätts sind die vierzehn Kreuzwegstationen auf dem Weg zum Frauenberg zu Eichstätt. Der Berg trägt seinen Namen nach dem hoch verehrten Marienbild in dem gleichnamigen, romantisch gelegenen Wallfahrtskirchlein – eine beliebte Hochzeitskapelle ebenso wie ein Ort des stillen Verweilens.

Die um 1855 errichteten steinernen Bildstöcke im neugotischen Stil umschlossen ursprünglich gemalte Darstellungen der Passion Christi. Erst 1875 wurden die witterungsanfälligen Gemälde durch gusseiserne Stationsreliefs ersetzt, die in einer Regensburger Kunstanstalt hergestellt wurden und in Bayern des Öfteren zu finden sind.

Die Szenen des Kreuzwegs konzentrieren sich auf wenige großformatige Figuren, scheinen schlaglichtartig das Geschehen zu beleuchten. Ursprünglich waren die bewegten Passionsszenen sogar durch farbige Bemalung akzentuiert. Erst in den 40er Jahren entstand die heutige Vergoldung, die mitsamt den steinernen Bildstöcken erst kürzlich restauriert wurde.

Meditativ begleiten die Stationen eine schattenspendende Allee aus alten Kastanienbäumen zu Kapelle, sind hier Wegzeichen und Haltepunkt für den Wanderer wie den Wallfahrer. Denn bis heute finden zahlreiche Gläubige den Weg auf den Frauenberg. Es sind nicht nur Einzelwanderer, sondern auch zahlreiche Wallfahrtsgruppen, darunter die Mai- und Fatima-Wallfahrten sowie die prächtige Trachtenwallfahrt, die ihren Weg entlang des Kreuzweges finden.

Claudia Grund

Video: Kreuzweg auf dem Frauenberg in Eichstätt| Version für Gehörlose in Gebärdensprache

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Eine Verdingung zum persönlichen Lebensweg

Mit dem Kreuzweg verbinde ich immer wieder auch den persönlichen Lebensweg, weil mich viele, ja eigentlich alle Stationen letztlich an persönliche Situationen im eigenen Leben erinnern, in denen es mir ähnlich erging und immer wieder ergeht, wie es Ihm ergangen ist. Wenn ich z.B. an die fünfte Station denke, „Simon von Cirene hilft Jesus das Kreuz tragen“. Auch in meinem, in unserem Leben gibt es immer wieder Situationen, in denen wir ein Kreuz zu tragen haben, dass wir dann auch bereit sind, es mittragen zu lassen, dass wir bereit sind, das der andere für uns so ein Simon von Cirene sein darf. Wir sind doch oft versucht zu sagen: „das mach ´ich schon alleine, da braucht mir keiner zu helfen,“ vielmehr wäre es wichtig, dass ich auch andere mittragen lassen, dass ich mir helfen lasse, so wie Jesus  sich auch hat helfen lassen. Erst recht gilt natürlich auch umgekehrt: wenn ich merke, dass da jemand ist, der ein Kreuz zu tragen hat, dass ich dann bereit bin, ihm das Kreuz mitzutragen, wie es damals ein Simon von Cirene tat.

Nehmen wir als anderes Beispiel die zehnte Station. Auch hier werde ich immer wieder an menschliche Situationen erinnert. Die zehnte Station heißt ja „Jesus wird seiner Kleider beraubt“, er wird ausgezogen, er wird entblößt. Auch in unserm Leben passiert es immer wieder, dass wir andere bloßstellen, dass wir andere fertigmachen, sie  „vor andern ausziehen“, d. h. dass wir manchmal Dinge sagen, die letztlich anderen nichts angehen. Das kann sowohl im kleinen, ganz persönlichen Bereich passieren, aber auch im großen, gesellschaftlichen und öffentlichen Bereich. Wir erleben es ja  auch immer wieder, dass Menschen in der Öffentlichkeit, in der Presse fertiggemacht werden, dass sie denunziert werden, eben bloßgestellt. Und umgekehrt – auch das kennen wir, wenn wir vor andern „ausgezogen“ werden, wenn Fehler und menschliches Versagen vor andern ausgebreitet oder gar lächerlich gemacht wird. Hier finden wir uns gleichsam mit Jesus zusammen in der zehnten Station wieder.

Dompfarrer Franz Mattes

Weitere Informationen: Frauenbergkapelle Eichstätt