Pilgern und Wallfahren gehören zu den ältesten religiösen Glaubensvollzügen. Die ersten und wichtigsten Pilgerziele der europäischen Christen waren die Gräber der Apostel, vor allem in Rom und Santiago de Compostela. Aber auch nach Jerusalem wagten sie sich bereits in der Antike. Dabei ist das Pilgern keine Erfindung des Christentums, sondern in allen Weltreligionen verbreitet.
Unterwegs sein zu sich selbst und zu Gott, darum geht es beim Pilgern als auch bei der Teilnahme an Wallfahrten. Letztere haben meist lange Tradition und finden in Gemeinschaft statt: Gläubige machen sich auf den Weg zu einer Kirche, einem Heiligtum, um dort Dank zu sagen oder ein Gelübde zu erfüllen, das ihre Pfarrei einst in schweren Zeiten geleistet hat. Beim individuellen Pilgern dagegen hat der Weg als solcher schon große Bedeutung. Er ist eine Zeit der inneren Einkehr, der Suche nach sich selbst, des Abstands vom Alltag.
Bekannte Ziele im Bistum Eichstätt, zu denen es Gläubige, Hoffnungsvolle und Suchende zieht, sind die Basilika Maria Brünnlein in Wemding oder auch die Wallfahrt Maria Heil der Kranken am Habsberg bei Velburg. Darüber hinaus gibt es Dutzende kleinerer, bisweilen vergessener Wallfahrtsorte, deren Wiederentdeckung sich lohnt. Spirituelle Orte vor der Haustür zu entdecken, dazu lädt auch die Plattform Ortskundig ein. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Diözesen Augsburg und Eichstätt.
Im Jahr 2024 feierten die Wolfgangorte den 1.100sten Geburtstag ihres Patrons. Zahlreiche Feierlichkeiten, Veranstaltungen und Gedenktreffen werden vorbereitet, um diese große Persönlichkeit in würdiger Erinnerung zu halten. Auch ein WolfgangWeg ist eingeweiht worden. Der führt auch durch das Bistum Eichstätt. Wir haben eine Pilgergruppe in Ingolstadt getroffen. Weitere Informationen unter: wolfgangweg.eu.
Sommerzeit ist für viele gleich Reisezeit. Einmal aus dem gewohnten Alltag ausbrechen und sich Zeit nehmen: für sich selbst, für Begegnungen aller Art, für eine Reise – nicht nur – in bisher unbekannte Gegenden. Dabei geht es nicht nur um die Besichtigung von Kunstschätzen, sondern auch um das neue und bewusste Entdecken der Schönheit und Einmaligkeit der Schöpfung. Dazu ist es hilfreich, in dieser Zeit auf den Computer und das Handy zu verzichten um einfach nur „da zu sein“.
Damit ein solches Reisen gelingen kann, sollte man sich vor dem Beginn der Reise Zeit für einen Reisesegen nehmen – egal, ob mit persönlich formulierten Gedanken oder auch mit einem bereits bekannten Gebet.
Die Anregungen für das Gebet am Anfang einer Reise gehen zurück auf eine jüdische Tradition. Hier knüpfen die sogenannten „Gesetze des Reisens“ an die Joseferzählungen an. Der mit dem Reisegebet verbundene Ritus wird dem Propheten Elija zugeschrieben, der – so sagt es der Talmud – zu einem Gelehrten gesagt haben soll, dass jeder, der auf eine Reise geht, zu deren Beginn den Rat des Schöpfers einholen und erst dann weiter gehen soll.
Und so heißt es in einem heute genutzten Gebet vor einer Reise: „Das Vertrauen zu dir, möge mich stärken, wenn ich mich nun auf den Weg mache. Dein Geist sei mit mir auf dem Weg. Lass mich am Ende wohlbehalten wieder nach Hause kommen.“ (J. Magoneth, u. W. Homalka [Hrsg.]: Das jüdische Gebetbuch, Gütersloh 1997, 568).
Weitere Informationen
Rabbi Aryeh Citron erläutert die „Gesetze des Reisens“ und das Reisegebet in der jüdischen Tradition
Rabbi Zalman Posner (+ 2014) verbindet das Reisen mit der Geschichte des Volkes Israel
Madeleine Spendier gibt „fünf Tipps für ein wenig Spiritualität im Urlaub“
Text: Barbara Bagorski
Wen es dagegen an die großen Wallfahrtsorte der Christenheit zieht, der findet bei der Pilgerstelle des Bistums Eichstätt, die ihre Reisen in enger Kooperation mit dem Bayerischen Pilgerbüro organisiert, ein breites Angebot. Die Pilgerstelle bietet darüber hinaus regelmäßig das besinnliche Samstagspilgern durch die Fluren der Diözese an. Fahrrad-Pilgertouren stehen ebenso auf dem Programm, es gibt im Bistum sogar eine Fahrradkirche.