Männer- und Frauengruppen pilgern aus verschiedenen Richtungen zum Dom, feiern dort gemeinsam Gottesdienst und teilen sich danach wieder auf zwei Orte auf, um an einem Sommerabend kulinarische und kulturelle Schmankerl zu genießen. Dieses Konzept war heuer eine Premiere bei der Willibaldswoche, und es hat sich auf Anhieb bewährt. „Eine echte Win-win-Situation“, lautete etwa das Fazit von Diakon Anselm Blumberg. „Männer und Frauen zusammen haben das Volk Gottes schön abgebildet und den Dom gefüllt.“ Blumberg ist nicht nur Geistlicher Beirat des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) im Bistum Eichstätt, sondern engagiert sich auch in der Marianischen Männerkongregation (MMC) Eichstätt. Sowohl KDFB als auch MMC hatten an der Vorbereitung des Frauen- und Männerabends mitgewirkt. Inhaltlich stand dabei das biblische Stammelternpaar Abraham und Sara im Mittelpunkt.
“Da geh ich nächstes Jahr wieder hin”
Für die Männer, deren eigener Tag seit Jahren eine feste Institution bei der Willibaldswoche ist, beginnt der Abend am Eichstätter Volksfestplatz. Dort erwartet sie Domkapitular Michael Wohner, der nicht nur Regens des Eichstätter Priesterseminars ist, sondern auch Präses der MMC. Eine Reihe von Filialkongregationen ist mit ihren Fahnen erschienen. Die meisten kommen aus dem Eichstätter Umland, aber auch aus Herrieden ist eine Gruppe mit ihrem Präses, Pfarrer Peter Hauf, gekommen. Eine kleine Delegation des diözesanen Mesnerverbands ist ebenfalls mit ihrer Standarte vertreten. „Manche werden daheim Abendmesse haben“, meint Ehrenmitglied Josef Tratz aus Möckenlohe mit Blick auf die recht überschaubare Gruppe. Tratz hat dafür aber seinen Nachbarn Hans Meyer mitgebracht, der sich im vergangenen Jahr erstmals beteiligt hat und dabei auch den Diözesanadministrator kennenlernte. „Der Hans wusste gar nicht, was das ist“, lacht Tratz. Aber dann, erzählt Meyer, habe er mit Dompropst Rottler so eine nette Unterhaltung gehabt, „dass ich gesagt hab’: Da geh ich nächstes Jahr wieder hin.“ Sein Namensvetter, MMC-ler Konrad Meyer aus Linden bei Greding, ist schon lange dabei, „weil mir das einfach was bringt und weil es für mich dazugehört, ab und zu einmal in die Domstadt zu kommen“. Insgesamt sind es geschätzt 50 Männer, die gemeinsam den Psalm 122 beten, „Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern“, und dann an der Altmühl entlang über den Leonrodplatz zum Domplatz ziehen. Dort warten bereits die Frauen, die sich auf einem großen Parkplatz im Westen der Stadt getroffen hatten und dort von ihrem geistlichen Beirat sowie von Markus Wittmann vom Vorbereitungsteam der Willibaldswoche begrüßt worden waren.
Mut zum Aufbruch und zur Umkehr
Unter den festlichen Klängen einer Bläserabordnung der Stadtkapelle Eichstätt versammeln sich die Pilgerinnen und Pilger, zu denen noch zahlreiche weitere Frauen und Männer gestoßen sind, im Dom. Dort werden sie von Diözesanadministrator Rottler willkommen geheißen – „zur Begegnung mit Jesus und nachher zur Begegnung untereinander“. Als Prediger tritt ein Gast aus der Eichstätter Partnerdiözese Gitega in Burundi an den Ambo: Giscard Hakizimana, Regens des dortigen Priesterseminars. Er spricht fließend Deutsch, weil er einst an der Katholischen Universität Eichstätt promoviert hat und Kaplan im Bistum war. Hakizimana lädt ein, „auf Abraham und Sara zu schauen. Einen Mann und eine Frau, die mutig in die Zukunft aufbrechen, mit Höhen und auch Tiefen“. In ihrem Leben sei nicht alles rund gelaufen, meint er etwa mit Blick auf das Kind, auf das Sara so lange vergeblich hoffte. Auch heute begegneten Frauen und Männer in Familie und Beruf vielen Herausforderungen. Krankheit, Enttäuschungen und Schicksalsschläge könnten ermüden. „Aber Gott ist immer da und lädt uns zu einem neuen Aufbruch ein.“ Er sei wie das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels. Neben „Mut“ ist „Umkehr“ der zweite Begriff, den Hakizimana anhand der Tageslesung aus dem Buch Hosea aufgreift: „So spricht der Herr: Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott!“ Zur Umkehr, stellt Hakizimana fest, brauche es den Heiligen Geist. Er sei „wie die Stimme im Navi, die ‚bitte wenden‘ sagt, wenn wir in eine Sackgasse fahren“. Zuletzt betont Hakizimana die Bedeutung wertschätzender Kommunikation in beruflichen und privaten Beziehungen und nicht zuletzt in der Glaubensgemeinschaft. Das Beachten anderer, auch gegenteiliger Meinungen sei ein Zeichen von Nächstenliebe.
Hatte der Gottesdienst mit dem Willibaldslied begonnen, so erklingt am Ende ein Lied, das in der laufenden Willibaldswoche ebenfalls zum Hit geworden ist: „Wer glaubt, ist nie allein“. Nach der Reliquienauflegung streben die Männer in den Garten des Priesterseminars, wo ihnen bereits der Duft von Gegrilltem in die Nase steigt. Die Musikerinnen und Musiker der Stadtkapelle greifen wieder zu ihren Instrumenten, am Getränkestand bildet sich eine Schlange, in die sich auch der mit Abstand jüngste Mann des Abends einreiht: der 17-jährige Florian Brunnacker aus Mitteleschenbach, der mit 14 in die MMC eingetreten ist. Für Heiterkeit beim Warten sorgt Pfarrer Hauf: Er zeigt ein Handyfoto, das auf einen baldigen Tauf-Boom in seiner Gemeinde schließen lässt: Mitten vor der Tür des Pfarrbüros wartet ein Storch.
Heiteres ist auch im lauschigen, leicht verwitterten Barockgarten hinter den Räumen des Bischöflichen Ordinariats geboten. Dort präsentieren vier Frauen aus Franken, die „Avantgardinen“, ihr musikalisches Kabarettprogramm und lassen kaum ein Thema aus – von „künstlicher Intelligenz versus natürlicher Dummheit“ übers Gendern bis hin zu Erziehungsproblemen und dem vergeblichen Kampf ums Wunschgewicht. Die Zuhörerinnen, gut bewirtet von Mitarbeiterinnen des Bischöflichen Ordinariats, amüsieren sich prächtig. Das Kabarettprogramm habe für sie den Ausschlag gegeben, nach Eichstätt zu fahren, gibt Regina Hausner Auskunft. Aus Plankstetten ist sie mit drei Vereinskameradinnen vom KDFB gekommen. „Und am Sonntag bin ich schon wieder hier und singe mit dem Kirchenchor Berching beim Tag der Ehejubilare.“ Den Frauen-Männertag „kann man echt weiterempfehlen“, lobt eine ihrer Begleiterinnen. Auch Beate Leis aus Herrieden, stellvertretende Kolping-Diözesanvorsitzende, meint: „Ich fand es sehr schön.“ Ein rundum gelungener Abend.