In der Fastenzeit, der 40 Tage dauernden Vorbereitung auf Ostern, sind die Gläubigen aufgerufen, als äußeres Zeichen von Buße und Besinnung auf Dinge zu verzichten, die ihnen angenehm und lieb sind. An allen Freitagen gilt das Gebot der Abstinenz, also des Verzichts auf Fleisch, weil der Freitag an den Tod Jesu Christi erinnert.
Doch die Fastenzeit ist mehr als das Einhalten von Vorschriften. Sie ist vor allem eine Einladung an alle Menschen, sich innerlich wie äußerlich zu fragen: Was trägt mein Leben wirklich? Wovon lebe ich – und wofür? Wo bin ich vielleicht satt geworden an Gewohnheiten, die mein Herz nicht erfüllen? Und wo ruft Gott mich zu mehr Freiheit, zu mehr Liebe, zu mehr Vertrauen?
Fasten will nicht klein machen, sondern öffnen. Wer bewusst verzichtet, schafft Raum – Raum für Stille, für das Gebet, für das Wort Gottes, für den Mitmenschen. Es geht nicht nur um den Verzicht auf Fleisch oder Süßigkeiten, sondern um den Verzicht auf Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit und Unversöhnlichkeit. Die 40 Tage sind eine Schule der Achtsamkeit: gegenüber sich selbst, gegenüber den Bedürftigen und gegenüber Gott.
So wird die Fastenzeit zu einer Zeit der Umkehr – nicht im Sinne eines moralischen Drucks, sondern als Einladung zur Neuausrichtung. Sie bereitet auf das Osterfest vor, auf die Feier der Auferstehung Jesu Christi, die Hoffnung schenkt über Schuld, Leid und Tod hinaus. Wer sich auf diesen Weg einlässt, kann erfahren, dass im Loslassen neues Leben wächst.
Auf dieser Seite haben wir einige Anregungen gesammelt, wie sich diese Zeit bewusst gestalten lässt. Sie werden regelmäßig erweitert.
Mit einer Vorlage für den Hausgottesdienst in der Fastenzeit, die von Aschermittwoch bis Ostern dauert, möchte die Diözese Eichstätt Mut in schwierigen Zeiten schenken. Unter dem Motto „Sei mutig und stark“ sind die Gläubigen eingeladen, ihr Leben mit Vertrauen auf Gott zu gestalten.
Diözesanadministrator Alfred Rottler betont, dass die Fastenzeit eine jährliche Gelegenheit sei, das eigene Leben zu reflektieren und sich neu auf Jesus auszurichten. Das Beispiel Josuas, der nach 40 Jahren Wüstenwanderung das Volk Israel in das verheißene Land führt, soll Mut und Vertrauen schenken. Die Gläubigen sind eingeladen, die 40 Tage Fastenzeit mit Zuversicht, Ausdauer und Orientierung am Willen Gottes zu gestalten, auf sein Wort zu hören und die Sakramente zu empfangen.
Vertrauen wir darauf, dass der Herr uns begleitet – auf unserem Weg auf Ostern hin und in unserem ganzen Leben.
Diözesanadministrator Alfred Rottler
In diesem Jahr dauert die Fastenzeit vom 18. Februar bis zum 4. April. Eine gedruckte Fassung der Gebetsvorlage liegt in den Kirchen des Bistums aus. Sie kann auch als PDF-Datei von der Website www.bistum-eichstaett.de/feiern/gottesdienste/hausgottesdienst heruntergeladen werden.
Insgesamt 25 Organisationen aus der katholischen und evangelischen Kirche sowie Verbände und Initiativen aus ganz Deutschland laden zum ökumenischen „Klimafasten“ ein. Auch das Bistum Eichstätt ist an dieser Aktion beteiligt.
Beim Klimafasten stehen von Aschermittwoch bis Ostersonntag Klimaschutz und Gerechtigkeit im Zentrum einer Zeit der inneren Einkehr, des bewussten Lebens und des gemeinsamen Engagements. Unter dem Motto „So viel du brauchst“ gibt das Aktionsbündnis Anregungen, wie ein Alltag so gestaltet werden kann, dass er sowohl dem Klima als auch einer gerechten Welt zugutekommt.
„Klimafasten lädt dazu ein, bewusst wahrzunehmen, was im Leben wesentlich ist – und wie wir gemeinsam eine lebenswerte Zukunft gestalten können: Wie ein Leben gelingen kann, das unsere natürlichen Ressourcen nicht überstrapaziert und die Erderhitzung nicht weiter beschleunigt“, erklärt Lisa Amon, Nachhaltigkeitsreferentin der Diözese Eichstätt.
Jeweils ein Thema steht in den sieben Fastenwochen im Fokus:
Genug. Beschenkt. Wovon habe ich genug? Was macht mich heute reich?
Gerecht. Lebenswert. Wie sieht Gerechtigkeit aus? Ich habe genug – und andere?
Gut. Versorgt. Vom Gesundsein und Sich-versorgt-Wissen
Gemeinsam. Leben. Wie leben wir Gemeinschaft mit allem Lebendigen?
Geschenkt. Zeit. Zeit erfüllend nutzen – für mich, für andere(s)
Glückselig. Liebevoll. Mit allen Sinnen wahrnehmen. Offen, sinnlich, empfänglich.
Gesegnet. Bereichert. Vom Segen und von der Verantwortung
Für jede Woche stehen auf der Website www.klimafasten.de thematische Impulse, praktische Anregungen, ein begleitender Bibelvers und Ideen zum Ausprobieren zur Verfügung. Zu den kostenlosen Materialien gehören außerdem eine Broschüre, Wochenplakate, Postkarten sowie Anregungen für Kindertagesstätten und Schulen.
Jede und jeder kann mitmachen, unabhängig von Alter oder Glaubenszugehörigkeit: als Einzelne, in Fastengruppen vor Ort, als Familie, im Freundeskreis oder in der Gemeinde. Viele Gemeinden, Arbeitsgruppen und Initiativen organisieren zusätzliche Veranstaltungen, Gottesdienste und Aktionen.
Die gedruckte Broschüre kann bestellt werden bei der Stabsstelle Schöpfung, Klima- und Umweltschutz der Diözese Eichstätt, Tel.: (08421) 50-662, E-Mail: umwelt@bistum-eichstaett.de.
"So viel du brauchst...": Die Aktion Klimafasten von 2024
In beinahe jeder Kirche hängt er: der Kreuzweg. Jetzt in der Fastenzeit rückt die Leidensgeschichte Jesu in den meist 14 oder 15 Stationen wieder mehr in den Blick. Im Bistum Eichstätt gibt es zahlreiche Exemplare der unterschiedlichsten Ausführungen. Einige Beispiele hat die Videoredaktion des Bistums vorgestellt.
Wer den Kreuzweg in Langlau finden will, muss sich zuerst auf die Suche nach der Kirche machen: Die liegt versteckt inmitten von Bäumen. Ihre Geschichte ist eine Geschichte des Nachkriegsdeutschlands.
Auf den Kalvarienberg in Greding führen Kreuzwegsstationen von Steinmetz und Bildhauer Rupert Fieger - ein schöner Ausflugstipp, nicht nur in der Fastenzeit. Anika Taiber-Groh war mit dem Künstler vor Ort und hat sich die Hintergründe erzählen lassen.
In der Fastenzeit kann es gut tun, bewusst eine Kirche aufzusuchen und den Kreuzweg zu betrachten. Der Kreuzweg führt uns Schritt für Schritt an das Leiden Jesu heran – nicht als fernes Ereignis der Vergangenheit, sondern als Weg, der auch unsere eigenen Erfahrungen von Schmerz, Schuld, Ohnmacht und Hoffnung berührt. In der stillen Betrachtung der einzelnen Stationen wird deutlich: Gott ist kein Zuschauer unseres Lebens, sondern geht jeden schweren Weg mit.
Gerade in der Atmosphäre einer Kirche – in der Stille, im Kerzenlicht, im Gebet – kann der Blick auf die Bilder oder Figuren des Kreuzwegs zu einem persönlichen Gespräch mit Christus werden. Der Kreuzweg hilft, innezuhalten, das eigene Leben im Licht des Glaubens zu betrachten und neue Kraft zu schöpfen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt vielleicht: Am Ende des Leidens steht nicht das Dunkel, sondern die Hoffnung auf Ostern.
In seiner Botschaft zur Fastenzeit 2026 lädt Papst Leo XIV. dazu ein, die 40 Tage als Zeit der Umkehr bewusst zu gestalten – unter dem Leitwort „Zuhören und fasten“. Im Mittelpunkt steht das Hören auf das Wort Gottes und auf den Schrei der Armen und Leidenden. Wer wirklich zuhört, öffnet sein Herz für Gott und für die Nöte der Welt.
Das Fasten versteht der Papst nicht nur als äußeren Verzicht, sondern als geistliche Übung, die unsere Sehnsucht nach Gerechtigkeit wachhält und reinigt. Besonders hebt er den Verzicht auf verletzende Worte hervor: Weniger Hass, vorschnelle Urteile und Verleumdung – mehr Freundlichkeit, Dialog und Frieden.
Schließlich betont er die gemeinschaftliche Dimension der Fastenzeit: Pfarreien, Familien und kirchliche Gruppen sollen gemeinsam hören, beten und verzichten. So kann die Fastenzeit zu einem Weg werden, auf dem persönliche und gemeinschaftliche Umkehr gelingt – hin zu mehr Gerechtigkeit, Versöhnung und einer „Zivilisation der Liebe“.
Die Fastenaktion von Misereor 2026 steht unter dem Motto „Hier fängt Zukunft an“ und rückt ein zentrales Thema unserer Welt in den Blick: Berufliche Bildung und Perspektiven für junge Menschen, besonders im west- und zentralafrikanischen Kamerun.
Viele Jugendliche in Kamerun haben trotz Schulabschluss kaum Chancen auf eine Ausbildung oder einen Beruf – und damit nur geringe Aussichten auf eine selbstbestimmte Zukunft. Die Fastenaktion macht auf diese Herausforderungen aufmerksam, unterstützt gemeinsam mit lokalen Partnern Projekte zur Ausbildungsförderung und Berufsorientierung und lädt uns ein, Solidarität mit jungen Menschen weltweit zu zeigen.
Fastenaktion heißt hier: nicht nur verzichten, sondern sich mit den Lebenswirklichkeiten anderer verbinden, hinschauen, was Zukunft möglich macht, und durch Spenden, Gebet und Engagement Hoffnung schenken. Sie ruft Gemeinden, Gruppen und Einzelne dazu auf, sich aktiv für Gerechtigkeit, Bildung und eine faire Zukunft einzusetzen.