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07.05.2016

Pyrbaum, Pfarrkirche "Mater dolorosa"

Nach zwei Jahren der akkustischen Abstinenz konnte am 20. September 2015 die Glockenanlage der Pyrbaumer Pfarrkirche "Mater dolorosa" rechtzeitig zum Patrozinium des Gotteshauses wieder in Betrieb genommen werden: Technische Mängel und sehr beengte Platzverhältnisse hatten eine intensive und zeitraubende Planung einer grundlegenden Geläutesanierung notwendig gemacht.

Pyrbaum, Pfarrkirche "Mater dolorosa". Foto: Thomas Winkelbauer

Nach einem Brand des Vorgängerbaus wurde diese Kirche 1900/1901 im neugotischen Stil errichtet. Viele Details und Einrichtungsgegenstände - teilweise dem "normalen" Besucher leider verborgen, wie beispielsweise eine wunderbar gestaltete gußeiserne Treppe im Turm - haben sich aus dieser Zeit noch erhalten.

Der Turm war zuerst lediglich mit zwei, vermutlich auch recht kleinen Glocken ausgestattet. In der Zeit des ersten Weltkriegs musste eine dieser beiden Glocken abgeliefert werden. Um diese Lücke zu schließen kam es 1928 zum Kauf von drei Glocken der Regensburger Gießerei Karl Hamm.

In den Meldebögen des Jahres 1940 finden sich über diese Instrumente folgende Angaben:

Gießer: Karl Hamm, Regensburg
Gußjahr: 1928
Schlagton:
fis' / a' / h'
Durchmesser:
ca. 1.060 / 900 / 800 mm
Gewicht: ca. 700 / 400 / 300 kg

Die beiden großen Glocken mussten am 19. Februar 1942 abgegeben werden; sie sind sicher zerschlagen und eingeschmolzen worden.

1954 kam es zum Kauf von drei neuen Bronzeglocken der Heidelberger Gießerei Friedrich Wilhelm Schilling. Die noch vorhandene Hamm-Glocke konnte in diesem Zusammenhang nach Allersberg verkauft werden.

1968 wurde das Geläute mit elektrischen Glockenantrieben ausgestattet. Aus Platzgründen tauschte man gleichzeitig den bis dahin vorhandene Holzglockenstuhl gegen ein neues Konstrukt aus verzinktem Stahl aus.

Sanierung der Glockenanlage

2013 fiel in Pyrbaum einer der elektrischen Glockenantriebe aus. Bei einer Begehung der Pyrbaumer Glockenanlage stellte der daraufhin eingeschaltete Glockensachverständige der Diözese Eichstätt teils gravierende technische Schwachpunkte fest. Gemeinsam mit der Kirchenverwaltung erarbeitete er daraufhin ein Sanierungskonzept, um die Anlage fit für die Zukunft machen zu können.

Angesichts der äußerst beengten Platzverhältnisse gestaltete sich die Dimensionierung der neuen Klöppel als äußerst proplematisch: Einerseits sollte auf eine Kröpfung der Joche möglichst verzichtet werden, andererseits war ein Ausschwingen der Glocken und deren Klöppel aufgrund der Platzverhältnisse nur bedingt möglich, schließlich sollten die Belastung des Turms möglichst verringert. sowie die Glocken möglichst gut zum Klingen gebracht werden.
Der Schlüssel zum Erfolg war letztendlich die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Europäischen Kompetenzzentrum für Glocken ProBell der Hochschule Kempten: Herr Dr. Michael Plitzner konnte die neuen Klöppel so auslegen, dass die gewünschten Läutewinkel nicht überschritten werden, die Glocken aber dennoch ihren Klang voll zur Entfaltung bringen können.
Fa. Rauscher aus Regensburg stattete die Glockenanlage zudem mit neuen Eichenholzjochen und neuen Läutemaschinen aus. Außerdem sind alle Schraubverbindungen des Glockenstuhls durch hochfeste Schrauben aus nichtrostendem Stahl ausgetauscht worden.
Das Fazit der abgeschlossenen Sanierung: Mit einem überschaubaren finanziellen Aufwand ist es gelungen, eine bestehende Glockenanlage technisch und klanglich wesentlich zu verbessern und deren Bestand für die Zukunft zu sichern.

Christusglocke

Die Christusglocke bildet das Fundament dieses Glockenensembles. Ihr Patronat weist darauf hin, das Christus das Fundament des christlichen Glaubens ist.

Schlagton: g'
Material: Bronze

Gießer:Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg
Gußjahr: 1954

Durchmesser: 1.025 mm
Gewicht: 734 kg

Inschrift:
+ O REX GLORIAE / CHRISTE / VENI CVM PACE
+ PYRBAUM / ANNO MARIANO 1954 +

Glockenzier: Helmut Waldherr, Heidelberg

Marienglocke

Die Marienglocke ruft als Einzelglocke die Gläubigen zum Angelus-Gebet.
Die Zier dieses Instrumentes besticht durch ihren starken Ausdruck. Für eine Glocke des Gießers Friedrich Wilhelm Schilling ist die Zier außerdem ungewöhnlich massiv geraten.

Schlagton: a'
Material: Bronze

Gießer:Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg
Gußjahr: 1954

Durchmesser: 913 mm
Gewicht: 506 kg

Inschrift:
+ SANCTA MARIA / MATER NOSTRA DOLOROSA / PROTEGE NOS
+ PYRBAUM / ANNO MARIANO 1954 +;

Glockenzier: Helmut Waldherr, Heidelberg

Josephglocke

Der grimmige Ausdruck im Antlitz dieser Josephdarstellung täuscht und ist der Aufnahme geschuldet.

Schlagton: c''
Material: Bronze

Gießer:Friedrich Wilhelm Schilling, Heidelberg
Gußjahr: 1954

Durchmesser: 760 mm
Gewicht: 291 kg

Inschrift:
+ IPSE SALVVM FACIET POPVLVM SVVM A PECCATIS EORVM
+ PYRBAUM / ANNO MARIANO 1954 +

Glockenzier: Helmut Waldherr, Heidelberg