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03.12.2016

Eutenhofen, Pfarrkirche Mariä Aufnahme in den Himmel

Der Glockenturm der Pfarrkirche Mariä Aufnahme in den Himmel in Eutenhofen ist seit 1948 mit einem dreistimmigen Geläute des Bochumer Vereins bestückt. Im II. Quartal 2016 wurde diese Glockenanlage unter Beibehaltung der Gußstahlglocken aufwendig saniert.

Eutenhofen, Pfarrkirche Mariä Aufnahme in den Himmel. Bild: Thomas Winkelbauer

In der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" sind für Eutenhofen 3 Glocken aufgeführt: Ein 1873 von Eduard Becker in Ingolstadt gegossenes, ein 1713 von dem Regensburger Glockengießer Johann Straßer gefertigtes, und ein 1853 von Joseph Anton Spannagl in Regensburg gegossenes Instrument. Die Straßer-Glocke wird im 1908 erschienenen Band XIII (Bezirksamt Beilngries - II. Amtsgericht Riedenburg) der Kunstdenkmäler Bayerns bestätigt; die beiden jüngeren Glocken finden dort keine Erwähnung.

Während des ersten Weltkriegs mussten scheinbar zwei dieser Glocken abgegeben werden, jedenfalls kam es 1919 zum Kauf eines neuen, dreistimmigen Geläutes der Regensburger Gießerei Karl Hamm. Die neuen Glocken hatten die Töne fis', a', und h', Durchmesser von etwa 1.090 mm, 880 mm, und 790 mm, und brachten ungefähr 600 kg, 350 kg, bzw. 250 kg auf die Waage.

1941 mussten erneuet Glocken abgeliefert werden: die fis'- und die a'-Glocke kamen 1941 vom Turm; sie sind wahrscheinlich zerschlagen und eingeschmolzen worden.

Bereits am 17. März 1947 fasste die Eutenhofener Kirchenverwaltung den Beschluss 3 Gußstahlglocken des Bochumer Vereins zu erwerben. Nach der Lieferung dieser Glocken im Jahr 1948 fand die noch verbliebene Hamm-Glocke Verwendung in der Filialkirche Erggertshofen.

Sanierung der Glockenanlage

Im November 2014 wurde die Glockenanlage der Pfarrkirche Eutenhofen durch Thomas Winkelbauer, den Glockensachverständigen der Diözese Eichstätt inspiziert. Dieser stellte am technischen Umfeld der Glocken, die an stark gekröpften Stahljochen hingen, massive Schäden und grundlegende konstruktive Mängel fest. Bei einigen hochbeanspruchten Baugruppen war beispielsweise ein baldiges Versagen durch Materialermüdung nicht auszuschließen. Da auch der Glockenstuhl, der zudem ungünstig aufgelagert war, deutlichen Korrosionsbefall aufwies, empfahl Winkelbauer der Kirchenverwaltung mit großem Nachdruck den Betrieb der Glockenanlage mit sofortiger Wirkung sehr stark einzuschränken, sowie die Anlage von Grund auf zu sanieren.

Die Kirchenverwaltung erarbeitete daraufhin zusammen mit dem Glockensachverständigen ein auf Nachhaltigkeit angelegtes Sanierungskonzept, das im ersten Halbjahr 2016 - nicht zuletzt auch Dank der äußerst engagierten und tatkräftigen Mitarbeit der Dorfbewohner unter fachkundiger Anleitung ihres Kirchenpflegers - erfolgreich in die Tat umgesetzt werden konnte.

Die Mannheimer Niederlassung der Ingenieurgruppe Bauen plante einen neuen Glockenstuhl aus Eichenholz; dieser kommt ohne nachspannbare Stahlverbindungen aus, alle Knotenpunkte sind vielmehr mit rein zimmermannsmäßigen Verbindungen ausgestattet.

Die Regensburger Firma Rauscher lieferte neue, vom Glockensachverständigen entworfene und originalen Holzjochen des Bochumer Vereins nachempfundene Holzjoche, passte den Uhrschlag an die neuen Gegebenheiten an, und stattete alle drei Glocken mit neuen, optimal dimensionierten Klöppeln aus.

Seit August 2016 läuten die Glocken nun an geraden Holzjochen. Ihr Klang kann sich seither in voller Pracht voll entfalten.
Die Sanierung zeigt eindrücklich, dass bei günstigen äußeren Rahmenbedingungen die im Allgemeinen von Glockenfachleuten als kritisch bewerteten Bochumer Gußstahlglocken der unmittelbaren Nachkriegszeit mit einem vertretbaren finanziellen Aufwand zu einem ordentlichen Klangergebnis gebracht werden können. Die Sanierung zeigt außerdem, dass auch im 21. Jahrhundert voll funktionsfähige und nachhaltig konzipierte Glockenstühle in althergebrachten Handwerkstechniken gefertigt werden können.

Marienglocke

Die Eutenhofener Marienglocke ist - wie ihre beiden Schwestern - vermutlich in der sogenannten " mittleren Sekundrippe" des Bochumer Vereins gegossen. Diese Rippenform war in Bochum um 1946 entwickelt, später dann weiterentwickelt worden.
Problematisch an dieser Rippenform ist der häufig recht dominant auftretende Nebenschlagton in Höhe einer großen Sekunde. Gebildet wird er wahrscheinlich durch die Teiltöne "None" und "Doppeloktave". Durch eine geschickte Dimensionierung des Klöppels kann die Bildung des Nebenschlagtons allerdings etwas minimiert werden.

Schlagton: dis'
Material:
Gußstahl

Gießer: Bochumer Verein
Gußjahr: 1948

Durchmesser: 1.495 mm
Gewicht: 1.100 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
B. V. G. 1948
auf der Rückseite der Schulter:
759
auf der Vorderseite der Flanke:
REGINA PACIS,
ORA PRO NOBIS.

Josephglocke

Die Josephglocke ist vermutlich ebenfalls in der "mittleren Sekundrippe", bzw. einer weiter entwickelten Rippenform gegossen worden.
Wie bei den meisten Bochumer Gußstahlglocken beschränkt sich hier die Zier auf kurze Inschriften und wenige Zierringe, die den Glockenkorpus strukturieren.

Schlagton: fis'
Material: Gußstahl

Gießer: Bochumer Verein
Gußjahr: 1948

Durchmesser: 1.265 mm
Gewicht: 695 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
B. V. G. 1948
auf der Rückseite der Schulter:
807
auf der Vorderseite der Flanke:
ST. JOSEPH,
PROTEKTOR ECCLESIAE.

Theresienglocke

Auch die Theresienglocke ist wohl in der "mittleren Sekundrippe", bzw. einer weiter entwickelten Rippenform gegossen worden.
Die Seriennummern der drei Eutenhofener Glocken (759; 807; 760) belegen schön, in welch großer Stückzahl in dieser Zeit in Bochum Glocken - quasi wie am Fließband - produziert worden sind.

Schlagton: gis'
Material: Gußstahl

Gießer: Bochumer Verein
Gußjahr: 1948

Durchmesser: 1.115 mm
Gewicht: 493 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
B. V. G. 1948
auf der Rückseite der Schulter:
760
auf der Vorderseite der Flanke:
ST. THERESIAE,
A. JESU INFANTE.