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04.03.2017

Buxheim, Pfarrkirche St. Michael

Die Pfarrkirche St. Michael in Buxheim wurde in ihrer heutigen Form 1910 im neobarocken Stil von Grund auf neu errichtet. Vom Vorgängerbau im Wesentlichen unverändert erhalten hat sich lediglich der Turm. Die Kirche verfügt mit vier Glocken über ein angemessenes Glockenensemble, in dem sich deutlich die Glockengeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederspiegelt.

Buxheim, Pfarrkirche St. Michael, neuer Glockenstuhl aus Eichenholz. Bild: Thomas Winkelbauer

Schon in der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" werden für Buxheim vier Glocken aufgeführt: ein 1573 gegossenes Instrument des Gießers Dietrich, eine 1683 gefertigte Glocke von Ursus Laubscher aus Ingolstadt, eine Schelchshorn-Glocke aus dem Jahr 1676, sowie ein nicht näher beschriebenes, vermutlich recht kleines Exemplar, das eventuell sogar in der offenen Turmlaterne aufgehängt gewesen sein könnte. Mit insgesamt vier Glocken war dies in dieser Zeit ein beachtliches Ensemble, wenn man bedenkt, dass über dreiviertel der Türme auf Eichstätter Diözesangebiet mit zwei, maximal drei Glocken bestückt waren.

In den Meldebögen des Jahres 1941 sind ebenfalls vier Glocken beschrieben: Ein 1885 durch den Ingolstädter Gießer Eduard Becker gefertigtes Exemplar mit ungefähr 1.200 mm Schärfendurchmesser, ca. 1.014 kg Gewicht, und vermutlich dem Schlagton e', zwei 1921 gegossene Instrumente des Ingolstädter Glockengießers Wendelin Vielwerth mit den Schlagtönen g' und h', etwa 1.020 mm, bzw. 820 mm Schärfendurchmesser und einem vermutlichen Gewicht von 570 kg, bzw. 320 kg, sowie eine 1819 gegossenes Glöckchen des Eichstätter Gießers Joseph Stapf.

Diese Angaben lassen darauf schließen, dass während des ersten Weltkriegs zwei der 1875 aufgeführten Glocken abgeliefert werden mussten; welche dies gewesen sind, bleibt aber reine Spekulation. 1941 wurden die beiden großen und die kleinste der Buxheimer Glocken beschlagnahmt. Sie sind mit ziemlicher Sicherheit zerschlagen und eingeschmolzen worden.

Bereits 1948, also in einer Zeit großer Not und Bedürftigkeit, kaufte die Kirchenstiftung Buxheim drei neue Bronzeglocken der Lauinger Gießerei Kuhn und Wolfart. Zusammen mit der noch vorhandenen Vielwerth-Glocke bilden die Buxheimer Glocken seither das sogenannte Salve-Regina-Motiv.

In der Zeit von 1946 bis 1948 sind für Kirchen in der Diözese Eichstätt ungefähr 70 Glocken beschafft worden, die allermeisten davon aus Gußstahl oder Eisenhartguß. Die Buxheimer Wolfart-Glocken zählen damit zu den 12 ersten Bronzeglocken, die in den unmittelbaren Nachkriegsjahren für Türme in der Diözese Eichstätt erworben worden sind.

Sanierung der Glockenanlage

Im Oktober 2015 inspizierte Thomas Winkelbauer, der Glockensachverständige der Diözese Eichstätt, auf einem Hinweis einer Glockenwartungsfirma hin die Buxheimer Glockenanlage. Er bestätigt die ihm gemeldeten technischen Mängel und rät der Kirchenverwaltung mit sehr großem Nachdruck zu einer deutlichen Reduzierung der Läuteeinsätze, sowie zu einer baldigen und grundlegenden Sanierung der Glockenanlage.
Winkelbauer bemängelt in seinem Gutachten unter anderem massiven Blattrost an wichtigen Knotenpunkten des Glockenstuhls, vor allem aber die vorhandenen Stahljoche, bei denen eindeutige Hinweise auf ein baldiges Versagen hinweisen. Darüber hinaus kommt es zu einem augenscheinlich übermäßig hohen Verschleiß der Glocken selbst durch ungünstig proportionierte Klöppel in Verbindung mit sehr hohen Läutewinkeln.

Im Juni 2016 beschloss daraufhin die Kirchenverwaltung die Glockenanlage von Grund auf zu sanieren.

Der Eichstätter Zimmerermeister Max Buchner plante und fertigte in ihrem Auftrag einen neuen Glockenstuhl aus langjährig abgelagertem, bestem Eichenholz. Dieser kommt trotz ungünstiger Platzverhältnisse mit äußerst wenigen nachspannbaren Stahlverbindungen aus, die überwiegende Anzahl der Knotenpunkte ist vielmehr mit ausreichend dimensionierten Holznägeln ausgestattet. Dieser auf größtmögliche Nachhaltigkeit ausgelegte Konstruktionsansatz reduziert die künftige Wartung an diesem Glockenstuhl auf im Wesentlichen das gelegentliche Nachziehen von wenigen Schraubmuttern.
Die Glockenfachfirma Hörz stattete die vier Glocken mit neuen Eichenholzjochen, sowie mit optimal dimensionierten Klöppeln aus. Letztere sind bedeutend leichter als deren Vorgänger. Dennoch gelingt ihnen bei deutlich niedrigeren Läutewinkeln eine angemessene Klangerregung der Glocken.
Großen Anteil an der gelungenen Sanierung dieser Glockenanlage hatten auch tüchtige Kräfte aus den Reihen der Pfarrei, die in fachkundiger Eigenleistung beispielsweise die Demontage des Glockenstuhls, die Montage des neuen Holzfußbodens, oder die Sanierung der Treppenanlage übernommen hatten.

Pünktlich zum Weihnachtsfest 2016 konnte die Buxheimer Glockenanlage wieder in Betrieb genommen werden. Lediglich ein paar kleine Restarbeiten mussten in das I. Quartal 2017 verschoben werden.

Erzengel-Michael-Glocke

Die Erzengel-Michael-Glocke bildet das Fundament dieses Glockenensembles.
Sie wurde zusammen mit zwei ihrer Schwestern im Jahr 1948, also bereits drei Jahre nach Kriegsende, beschafft.
Die Buxheimer Glocken bilden mit ihren Tönen e'-gis'-h'-cis'' das sogenannte Salve-Regina-Motiv.

Schlagton: e'
Material: Bronze

Gießer:Kuhn und Wolfart, Lauingen
Gußjahr:
1948

Durchmesser: 1.205 mm
Gewicht: 977 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
UNTER PFR. J. MOHR - PFLGR. K. STERNER - L. HIRSCHBECK - J. GÖBL - L. URBAN - M. FUNK WARD ICH 1942 EIN KRIEGSOPFER. 1948 EIN FRIEDENSOPFER
S. MICHAEL DEFENDE NOS!
auf der Rückseite der Schulter:
KUHN WOLFART LAUINGEN

Marienglocke

Diese Glocke ist - wie ihre beiden Schwestern - mit einem einfachen Relief verziert. Außerdem trägt sie eine Inschrift, die eindeutig Stellung bezieht zum Wahnsinn des 2. Weltkriegs und dem menschenverachtenden Herrschaftssystem der Nationalsozialisten.

Schlagton: gis'
Material: Bronze

Gießer:Kuhn und Wolfart, Lauingen
Gußjahr:
1948

Durchmesser: 950 mm
Gewicht: 463 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
UNGLAUBE ZERSTÖRTE MICH 1942 - FRIEDENS - GLAUBE BAUTE MICH 1948
S. MARIA. REGINA PACIS ORA PRO NOBIS!
auf der Rückseite der Schulter:
KUHN WOLFART LAUINGEN

Sebastianglocke

Die Sebastianglocke ist die einzige Buxheimer Glocke, die den 2. Weltkrieg überstanden hat. Sie selbst war zusammen mit einer zweiten Vielwerth-Glocke der Ersatz für die Buxheimer Glockenverluste während des 1. Weltkrieges.

Schlagton: h'
Material: Bronze

Gießer:Wendelin Vielwerth, Ingolstadt
Gußjahr:
1921

Durchmesser: 822 mm
Gewicht: 314 kg

Inschrift:
auf der Rückseite der Schulter:
GEGOSSEN
VON
WENDELIN VIELWERTH
INGOLSTADT
1921

Schutzengelglocke

Die Schutzengelglocke bildet seit 1948 die Klangkrone des Buxheimer Glockenensembles.

Schlagton: cis''
Material: Bronze

Gießer:Kuhn und Wolfart, Lauingen
Gußjahr:
1948

Durchmesser: 706 mm
Gewicht: 178 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
KÖLBL A. M. HAT MICH VERMACHT 1938 - KUHN WOLFART LAUINGEN GEMACHT 1948
BENEDICTE ANGELI DOMINI. DOMINO