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30.11.2016

Biberg, Filialkirche St. Andreas

Der Glockenturm der Filialkirche St. Andreas in Biberg (Pfarrei Schelldorf) ist mit einem kleinen zweistimmigen Glockenensemble bestückt. Es handelt sich hier um Glocken aus der ersten Hälfte des 20. Jarhunderts, darunter eines der wenigen erhaltenen Instrumente des Ingolstädter Glockengießers Wendelin Vielwerth.

Biberg, Filialkirche St. Andreas. Bild: Thomas Winkelbauer

In der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" sind für Biberg zwei 1875 gegossene Glocken aufgeführt, leider ohne nähere Angaben zum Gießer.

Während des ersten Weltkriegs musste vermutlich eine dieser Glocken abgegeben werden. 1925 konnte die entstandene Lücke durch den Kauf von zwei neuen Glocken des Ingolstädter Glockengießers Wendelin Vielwerth wieder geschlossen werden; die zu diesem Zeitpunkt wohl noch vorhandene Glocke von 1875 ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich veräußert und eingeschmolzen worden.

1941/1942 musste erneut die große der beiden Glocken vom Turm genommen und abgeliefert werden; sie ist vermutlich zerschlagen und eingeschmolzen werden.

Bereits 1950 gab die Kirchenstiftung als Ersatz dafür beim Erdinger Glockengießer Karl Czudnochowsky eine neue Euphon-Glocke in Auftrag.

Sanierung der Glockenanlage

Im April 2015 wurde die Glockenanlage der Biberger Filialkirche St. Andreas durch Thomas Winkelbauer, den Glockensachverständigen der Diözese Eichstätt inspiziert. Dieser prognostizierte den vorhandenen Stahljochen wegen derer knapp dimensionierten Jochzapfen keine lange Lebensdauer mehr. Da auch am Glockenstuhl grundlegende Mängel zu finden waren und die Glocken durch relativ schwere und ungünstig dimensionierte Klöppel arg strapaziert wurden, empfahl er der Kirchenverwaltung die Glockenanlage im Zuge der anstehenden Turmsanierung ebenfalls von Grund auf zu sanieren.

Die Kirchenverwaltung arbeitete daraufhin zusammen Thomas Winkelbauer ein nachhaltig angelegtes Sanierungskonzept aus, das im zweiten Halbjahr 2016 erfolgreich in die Tat umgesetzt werden konnte.
Die Petersbucher Zimmerei Lang plante und baute in enger Abstimmung mit dem Glockensachverständigen einen neuen Glockenstuhl aus Eichenholz; dieser kommt ohne nachspannbare Stahlverbindungen aus, alle Knotenpunkte sind vielmehr mit rein zimmermannsmäßigen Verbindungen ausgeführt.
Die Firma Bayreuther Turmuhren stattete die beiden Glocken mit neuen Holzjochen, sowie mit optimal dimensionierten Klöppeln aus.
Einen großen Anteil am Gelingen der Sanierung hatten schließlich ehrenamtlich tätige Kräfte aus dem Dorf, die einen erklecklichen Anteil der erforderlichen Arbeiten in engagierter und fachkundiger Eigenleistung erbrachten, um auf diese Weise die Kosten senken zu können.

Seit dem Patrozinium der Kirche am 27. November 2016 läuten nun die Glocken wieder in ihrer vollen Pracht und rufen die Gläubigen zu den Gottesdiensten, laden ein zum Gebet. Das Fazit des Glockensachverständigen: "Eine vorbildlich gelungene Sanierung! Der Glockenstuhl ist in seiner Form, Gestaltung und Fertigung ein Vorzeigeobjekt geworden. Die Glocken werden beim Läuten augenscheinlich deutlich weniger beansprucht, als vor der Sanierung. Großer Dank und Respekt ist zudem den ehrenamtlichen Kräften auszusprechen, die in sehr engagierter Art und Weise zum Gelingen des Projektes beigetragen haben!"

Erzengel-Michael-Glocke

Die größere der beiden Biberger Glocken ist eine typische Nachkriegsglocke: Aus Kostengründen wurde sie lediglich mit einer sehr einfachen Zier versehen, zudem aus Euphon - einem im Vergleich zur Glockenbronze billigeren, weil Zinn-losen Ersatzwerkstoff - gegossen.

Schlagton: c''
Material: Euphon

Gießer: Karl Czudnochowsky, Erding
Gußjahr: 1950

Durchmesser: 725 mm
Gewicht: 193 kg

Inschrift:
auf der Rückseite der Flanke:
GEGOSSEN VON
KARL CZUDNOCHOWSKY, ERDING
1950

Andreasglocke

Die Biberger Andreasglocke ist eine der wenigen erhaltenen Glocken des letzten Ingolstädter Glockengießers Wendelin Vielwerth.

Schlagton: es''
Material: Bronze

Gießer:Wendelin Vielwerth, Ingolstadt
Gußjahr: 1925

Durchmesser: 725 mm
Gewicht: ca. 120 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
MICH GOSS WENDELIN VIELWERTH IN INGOLSTADT 1925
auf der Vorderseite der Flanke:
GEST. V. D GDE. BIBERG
ZUM GEDÄCHTNISSE IHRER GEFALLENEN
IM WELTKRIEGE 1914 - 18