Zum Inhalt springen
06.08.2016

Abenberg, Klosterkirche Marienburg

Die Abenberger Klosterkirche Marienburg kann mit einem spannenden kleinen Glockenensemble aufwarten. Die mittlere der drei Glocken dürfte auf Eichstätter Diözesangebiet eventuell die einzig erhaltene Glocke des Nürnberger Gießeres Justus Christian Braun sein.

Abenberg, Klosterkirche Marienburg.  Bild: Thomas Winkelbauer

Die Klosteranlage Abenberg kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken:
Im Jahr 1136 lässt die Gräfin Stilla, eine Schwester des Heilsbronner Stifters Adalbert, eine kleine Kirche errichten. Nach ihren Tod (um 1140) wird sie dort bestattet.

1142 kommt es zur Stiftung eines Benediktinerinnenklosters, das aber kurze Zeit später im Jahre 1150 wieder aufgehoben wird. Schon bald nach dem Tode Stillas setzt ihre Verehrung ein. Spätestens seit 1480 sind Wallfahrten zu ihrem Grab bekannt, 1927 erfolgte ihre Seligsprechung.

1482 lässt Bischof Wilhelm von Reichenau das Kloster Marienburg errichten. 1675 brennt die Klosterkirche ab; 1677 wird durch den Eichstätter Baumeister Engel ein Neubau errichtet.
Im Zuge der Säkularisation wird das Kloster der Augustinerchorfrauen 1805 aufgelöst; die Gebäude werden verkauft und größtenteils abgerissen. Die Klosterkirche selbst wird von der Stadtgemeinde Abenberg erworben und der Kirchenstiftung geschenkt. 1920 lassen sich auf dem ehemaligen Klosterareal die Barmherzigen Schwestern von der Schmerzhaften Mutter nieder; sie errichten dort ihr deutsches Mutterhaus und führen das Klosterareal damit zu neuer Blüte.

Zur Geschichte der Glocken der Klosterkirche Marienburg

In der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" werden für die Klosterkirche Marienburg 2 Glocken aufgeführt, leider ohne nähere Angaben zu den Gießern oder Gussjahren. Relativ detailliert sind dagegen die Angaben in den Meldebögen des Jahres 1941. Demnach waren zu diesem Zeitpunkt folgende Instrumente vorhanden:

Glocke 1): gegossen 1862 von Justus Braun, Nürnberg, Schlagton e'', Ø ca. 590 mm, ca. 120 kg
Glocke 2): gegossen 1923 von Wendelin Vielwerth in Ingolstadt, Schlagton gis'', Ø ca. 460 mm, ca. 59 kg

Beide Glocken müssen um 1942 abgegeben werden. Die Vielwerth-Glocke ist danach sicher eingeschmolzen worden, die Braun-Glocke kommt dagegen 1948 weitgehend unbeschadet wieder zurück nach Abenberg. Zusammen mit einer 1943 als "Signalglocke" beschafften Zink-Glocke der Briloner Gießerei Junker hängt damit wieder ein zweistimmiges Geläute auf dem Türmchen.

Der damalige Stadtpfarrer Pälat J. Sperber war Abenberg und speziell dem Kloster scheinbar wohl gesonnen gewesen, so dass er 1953 zu seinem Abschied dieses Ensemble durch die Stiftung einer dritten Glocke zu vergrößern gedachte. Geplant war zuerst eine zusätzliche des''-Glocke (Für die vorhandenen Instrumente finden sich in den Akten die Töne es'' und ges''); die Braun-Glocke (es'') sollte dazu durch den Lauinger Gießer Kuhn-Wolfart im Ton etwas korrigiert werden.

Nach längerem hin und her mit dem damaligen Glockensachverständigen der Diözese Eichstätt Johannes Schlick wird schließlich vereinbart, die Korrektur der Braun-Glocke durch den Heidelberger Gießer Schilling ausführen zu lassen, was im Oktober 1953 dann auch geschah.

Nach weiterem regem Briefwechsel - Schlick bemängelte darin unter anderem massiv die Qualität der vorhandenen Zink-Glocke, eigentlich wollte er aber scheinbar beide Glocken ersetzt wissen - werden schließlich im März 1954 durch Kuhn-Wolfart zwei neue Glocken zur vorhandenen Braun-Glocke gegossen.

Marienglocke

Die Marienglocke bildet das Fundament des Abenberger Glockenensembles. Sie zeichnet sich durch ein nahezu fehlerfreie Oberfläche, sowie eine schlichte, ansprechende Zier aus.

Schlagton: c''

Material: Bronze

Gießer:Glockengießerei Kuhn-Wolfart, Lauingen
Gußjahr: 1954

Durchmesser: 734 mm
Gewicht: 206 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
AVE MATER DOLOROSA
auf der Rückseite der Schulter:
MARIENBURG 1954
darunter im Gießerwappen:
WILH. KUHN-WOLFART LAUINGEN

Allerheiligenglocke

Die Allerheiligenglocke stammt aus dem 19. Jahrhundert. Sie hat beide Weltkriege des 20. Jahrhunderts überstanden - obwohl sie 1942 bereits vom Turm genommen und abgeliefert worden ist.
1954 wurde dieses historisch wertvolle Instrument - evtl. handelt es sich hier um die einzig erhaltene Glocke dieses Gießers auf Diözesangebiet - auf Drängen des damaligen Glockensachverständigen Johannes Schlick durch Friedrich Wilhelm Schilling mittels Ausdrehen im Tonbild massiv verändert. Ob ihr geringes Klangvolumen auf diesen Eingriff zurückzuführen, oder ob evtl. schlechtes Gußmaterial dafür verantwortlich ist, lässt sich im nachhinein nur schwer beurteilen.
Die Auswahl der auf dieser Glocke dargestellten Heiligen nimmt deutlich Bezug auf den Ort: Die heiligen Peter und Paul sind Patrone der Klosterkirche, der hl. Jakobus der Ältere ist der Pfarrpatron, und die Maria ist Namensgeberin für das komplette Klosterareal.

Schlagton: es''
Material: Bronze

Gießer:Justus Christian Braun, Nürnberg
Gußjahr: 1862

Durchmesser: 566 mm
Gewicht: ca. 90 kg

Inschrift:
auf der Schulter:
GEGOSSEN VON JUSTUS CHRISTIAN BRAUN IN NÜRNBERG 1862.

Stillaglocke

Die Stillaglocke ist die Klangkrone des Abenberger Glockenensembles. Wie ihre zeitgleich gegossene Schwester, die Marienglocke, zeichnet auch sie sich durch ein nahezu fehlerfreie Oberfläche, sowie eine schlichte, ansprechende Zier aus.
Eventuell handelt es sich bei dieser Glocke auch um die einzige Glocke auf Diözesangebiet, die unter dem Patronat der seligen Stilla steht.

Schlagton: f''
Material: Bronze

Gießer:Glockengießerei Kuhn-Wolfart, Lauingen
Gußjahr: 1954

Durchmesser: 541 mm
Gewicht: 79 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
OBVIAM SPONSO
auf der Rückseite der Schulter:
MARIENBURG 1954
darunter im Gießerwappen:
WILH. KUHN-WOLFART LAUINGEN