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Diözesantag der Büchereiarbeit in Schloss Hirschberg

Zum diesjährigen Diözesantag der Büchereiarbeit, der auf Schloss Hirschberg stattfand, konnte Diözesandirektor Dr. Ludwig Brandl 80 Büchereimitarbeiterinnen und–mitarbeiter aus dem ganzen Bistum begrüßen. In seinen einleitenden Worten betonte er die Bedeutung der Büchereien als Ort der Begegnung und Bildungsinstitution, die Lesen als Schlüsselkompetenz vermittle. Einen Überblick über die wichtigsten Neuerscheinungen bei Kinderbüchern, Sachbüchern für Erwachsene und Belletristik gab Dipl. Bibl. Susanne Steufmehl von der Landesfachstelle des Sankt Michaelsbundes in München. Gerade Kindersachbücher mit derzeit aktuellen Themen wie Umweltschutz und Müllvermeidung stoßen derzeit bei Büchereien auf großes Interesse. Als Autor war Bernhard Setzwein eingeladen, der aus seinem jüngsten Roman „Der böhmische Samurai“ einige Schlüsselszenen auf lebendige Weise vortrug. Der Roman handelt von einer der erstaunlichsten Adelsfamilie, deren Stammsitz im heute etwas abgewohnten Schloss Ronsperg in den böhmischen Wäldern liegt. Graf Heinrich von Coudenhove – Kalergi kehrt 1900 mit seiner Frau Mitsuko aus Tokio, der ersten Japanerin in Europa, ins Schloss Ronsperg zurück. Sieben Geschwister wachsen dort auf, die unterschiedlicher nicht sein können, darunter Johann und Richard, der später als Gründer der Paneuropa-Bewegung Einfluss haben wird. Setzwein erzählt, wie Graf Johann („Hansi“) in Wien Lilliy Steinschneider kennenlernt, einer der ersten Frauen mit Pilotenschein in dieser Zeit überhaupt, in einer „Mischung von Weiblichkeit und Robustheit“, die „Schürfungen und Prelllungen von Abstürzen gewohnt war“ und schon die Vision einer Atlantiküberquerung mit einem Flugzeug hatte. Dipl. Bibl. Michael Sanetra, Leiter der Landesfachstelle des Sankt MIchaelsbundes in München, teilte freudig mit, dass diese Woche die Buchhandlung des Sankt Michaelsbundes, der „Lesetraum“, mit erweiterten und sanierten Räumen eröffnet wird. „Lobbyarbeit für Büchereien in den Gemeinden zu betreiben“, dies wusste er aus eigener Erfahrung, „ist kein leichtes Geschäft“. Statt nur bei kommunalen Vertretern herum zu jammern, sei es besser, bei Kinderveranstaltungen in den Büchereien die Kommunalpolitiker miteinzubeziehen – das komme an.

Nicht nur bei Sachbüchern für Erwachsene gehe die Zahl der Entleihungen bundesweit zurück, sondern auch bei den Kinderbüchern. Die Gründe dafür sind vielschichtig: Ganztagsschule, ein breites Freizeitangebot für Kinder und der Trend, dass immer mehr junge Mütter arbeiten, die aber früher ihre Kinder in die Bücherei begleitet haben und dafür mehr Zeit hatten. Um so wichtiger werde daher, so schlussfolgerte Sanetra, die Aufenthaltsdauer der Leser in einer Bücherei. Der Leser solle sich gerne in einer Bücherei aufhalten, was sicher auch mit einem Lesecafe gefördert werden könne.

Wie immer bei den Diözesantagen wurden 17 Büchereimitarbeiterinnen für ihre jahrelanges Engagement in ihrer Bücherei von Diözesandirektor Dr. Ludwig Brandl und Diözesanbibliothekar Wolfgang Reißner geehrt. Ausgezeichnet mit der Ehrenurkunde in Gold für 25 Jahre wurden:

Johanna Meyer und Gertraud Niebler, beide aus Ingolstadt–Etting. In Silber für 10 Jahre: Magdalena Wider, Mörnsheim, Roswitha Heiß und Michaela Trost, beide aus Titting, Anna Geyer und Theresa Wolfsteiner, beide aus Greding, Beate Strobel, Eichstätt, Alexandra Dauer, Barbara Niederauer und Bianca Wenninger, alle drei aus Herrieden. In Bronze für 5 Jahre erhielten Stefen Eckardt, Wettstetten, Bernadette Karch, Greding, Brigitte Niederauer, Herrieden und Birgit Thanheiser, Hofstetten.

Den letzten Teil des Diözesantages rundete das Kirchenkabarett mit dem „Heiligen Bimbam“ ab. Thomas Klumb, bis vor Kurzem Ordinariatsrat und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit im Bistum Mainz, zuweilen auch Büttenredner beim Mainzer Karneval, schlüpfte in die Rolle eines kirchlichen Hofnarren, um der Kirche und ihrem Bodenpersonal seinen Spiegel vorzuhalten, was beim Publikum für ununterbrochene Lachsalven und heitere Stimmung sorgte. So beklagt Klumb die ständige Quizomanie im Fernsehen: ja, ist unser Leben ein einziges Ratespiel? Übrigens gibt es einen unerhörten Plagiatsvorwurf gegenüber Papst em. Benedikt: er habe bei seinen Predigten während seiner Deutschlandreise reihenweise aus der Bibel abgeschrieben! Das Mann-Verhältnis gehört natürlich auch ins Repertoire von Thomas Klumb: Wenn Gott eine Frau gewesen wäre, so hätte es keine bloße Steintafel mit den 10 Geboten gegeben, sondern die Steintafeln wären wenigstens in eine Rüschendecke eingenäht worden. Was Sinnangebote der Kirche angeht, so sagt der Theologe Klumb nicht ohne Hintersinn: „Wenn wir in den Himmel wollen, so müssen wir in die Tiefe gehen, um zum Kern zu kommen“. Die Bibel ist nicht umsonst das Buch des Lebens. Es beginnt mit Mann und Frau im Garten und endet mit einer Offenbarung. Adam war zwar der Ersterschaffene, aber Eva ist schließlich das Update von Adam.

Text: Wolfgang Reißner

Diözesanstelle für Büchereiarbeit im Bistum Eichstätt
Luitpoldstr. 1
85072 Eichstätt
Tel. (08421) 50-765
Fax (08421) 50-649
buechereiarbeit(at)bistum-eichstaett(dot)de
www.st-michaelsbund-eichstaett.de

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Mo  8.00 – 11.00
Di    9.00 – 14.00
Mi   9.00 – 14.00
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