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Stichwort

Die bischöflichen Insignien

Rationale

Das Rationale als bischöfliches Würdezeichen ist eine Besonderheit: Im ausgehenden Mittelalter ist es in zahlreichen Diözesen nachweisbar, heute tragen es nur noch die Erzbischöfe von Krakau und Paderborn sowie die Bischöfe von Toul-Nancy und Eichstätt. In Eichstätt ist das Rationale seit Bischof Udalrich (1075-1099) bezeugt. Das Recht, das Rationale zu tragen, wurde dem Bischof von Eichstätt im 18. Jahrhundert nochmals päpstlich bestätigt. Das Rationale entstand als liturgisches Gewandstück im 9./10 Jh. unter alttestamentlichem Einfluss. Als Vorbild dienten Efod und Choschen. Diese waren kostbare Teile des Gewandes des aaronitischen Hohenpriesters.

Das Rationale wird als Schulterschmuck über dem Messgewand getragen. Es besteht aus zwei, auf Brust und Rücken getragenen, u-förmigen Elementen, die an der Schulter durch zwei kreisförmige Textilstücke zusammengehalten werden. Stickereien verweisen auf die geistlichen und weltlichen Tugenden: fides, spes, caritas, prudentia, iustitia, fortitudo, temperantia, veritas, disciplina (Glaube, Hoffnung, Liebe, Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung, Wahrheit, Ordnung).

In der Diözese Eichstätt sind mehrere Versionen des Rationale in Verwendung. Besonders wertvoll ist das Rationale des Bischofs Johann III. von Eych (1445-1464), das sich im Domschatz- und Diözesanmuseum befindet. Das Rationale trägt reiche Stickereien in Form von Rankenwerk und Schriftzügen. Die Darstellungen der hll. Willibald und Bonifatius auf den Schulterstücken verweisen auf den Gründerbischof und die Zugehörigkeit Eichstätts zur Mainzer Kirchenprovinz.

Bei der Bischofsweihe am 2. Dezember 2006 trug Bischof Gregor Maria Hanke ein schlichtes Rationale aus dem Jahr 1984 von Sr. Animata Probst aus Dillingen.