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Das Jahr der Barmherzigkeit und der Ablass

In der Verkündigungsbulle des außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit weist Papst Franziskus auf den Ablass und dessen besondere Bedeutung in diesem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit hin. Wörtlich heißt es dort: "Ein Jubiläum bringt es mit sich, dass wir auch auf den Ablass Bezug nehmen. Dieser gewinnt besondere Bedeutung im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit." (MV 22).

Was aber meint Ablass eigentlich? Ist das nicht etwas, was längst im Dunkeln der Geschichte liegt? Gab es da nicht einmal den Ablassstreit? Wie sieht es denn heute mit der Ökumene aus? Schnell wird bei diesen und anderen Fragen vergessen, dass es nie Differenzen gab, wenn es um den Missbrauch des Ablasses ging. Da war man sich einig. Dazu Generalvikar Isidor Vollnhals:

"Vergebung der Sünden geschieht durch das Sakrament der Versöhnung mit Gott, durch die Beichte, nicht durch den Ablass. Auch nicht durch gute Werke und Almosen, die als 'Bußgelder' gegeben werden. Vor Gott gibt es keinen billigen Loskauf von der Schuld.

Ablass setzt ein nach der Beichte. Es geht um die Konsequenzen aus meiner Umkehr, um die oft schmerzhaften, langwierigen Folgen meines schuldhaften Handelns. Das Ausheilen, ja das Ausleiden alter Fehler braucht oft sehr lange Zeit, auch wenn die Schuld vor Gott schon vergeben ist. 'Zeitliche Sündenstrafen' sagte man früher. Karl Rahner spricht von 'leidschaffenden Sündenfolgen'. Darum geht es beim Ablass.

Die Einladung der Kirche lautet: Lass ab vom Alten, werde ein neuer Mensch! Lass ab vom mühseligen Dasein des Einzelgängers; schließ dich der geistlichen Gemeinschaft der großen Kirche an! Zur Kirche gehört auch eine solidarische Mithaftung im Unheil, ein Bekenntnis zu den 'Altlasten'. Ablass ist kein billiger Sonderrabatt; vielmehr ein geistlicher Lastenausgleich im Leib Christi.

Neben der Ursachenkette des Unheils in der Welt gibt es auch eine Kette des Guten: das, was Christus und seine Heiligen an Güte und Segen eingebracht haben. Diese himmlische 'Währungsreserve' kommt allen Getauften zugute. Alles, was wir an Umkehr zum Guten tun, das hilft nicht nur uns selbst, sondern der ganzen Kirche. Weil auch die Verstorbenen zum Leib Christi gehören, kommt der Ablass auch ihnen zugute, in der Weise der Fürbitte.

Ablass heißt demnach: Die kirchliche Gemeinschaft hilft dir, die leidschaffenden Folgen der Sünde zu bewältigen. Wir glauben, dass unser Gebet anderen hilft und vertrauen uns selbst dem Gebet anderer an.“ (Isidor Vollnhals)

Bischof Gregor Maria Hanke: "Geistlichen Umweltschaden beheben"

".... Liebe Schwestern und Brüder, im Bußsakrament werden mir zwar meine Sünden vergeben, doch bleiben die Sündenfolgen. Wir erleben Ähnliches in der Umwelt, etwa wenn ganze Landstriche durch Chemieunfälle Schaden nehmen. Mag dann die Ursache des Übels, der Verschmutzung abgestellt sein, die Folgen des Übels bleiben: verseuchter Boden, vergiftetes Grundwasser. So zeitigen auch meine Sünden Folgen. Sie vergiften die geistliche Atmosphäre in mir und in der Gemeinschaft der Kirche. Zwar werden meine Sünden in der Beichte durch Reue und Lossprechung in Christi Wunden gelegt und geheilt, es bleiben die Sündenfolgen. Für diese Sündenstrafen bietet die Kirche im Heiligen Jahr den besonderen Ablass an. Die Kirche gewährt uns angesichts unserer Sündenstrafen, angesichts des geistlichen Umweltschadens, den unsere Sünden verursacht haben, ihr heilendes Beten und Opfern in Stellvertretung. Voraussetzung ist der Empfang des Sakramentes der Buße und die Haltung der Reue und Gebet beim Durchschreiten der Hl. Pforte. Ablass meint also nicht Vergebung der Sünden. Ablass ist die Nachsorge der betenden Kirche im Blick auf die Folgen unserer Sünden, Ablass ist so etwas wie geistlicher Umwelteinsatz der Kirche an mir...." (Bischof Gregor Maria Hanke bei der Eröffnung der Heiligen Pforte in der Heilig-Kreuz-Kirche in Eichstätt am 13. Dezember 2015)