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26.11.2025

Eintauchen in eine faszinierende Welt: Die Neumarkter Krippenausstellung

Figuren der Neumarkter Münsterkrippe

Von stattlicher Größe sind die Figuren der Neumarkter Münsterkrippe, die vorübergehend in den Reitstadel ziehen. Foto: Klaus Eifler

Neumarkt –  Von den 42 Krippenausstellungen, die es im Neumarkter Reitstadel schon gab, hat Klaus Schubert viele besucht, von Jugend an. Heute repräsentiert er als Leiter der katholischen Erwachsenenbildung die Veranstalterseite. Aber jedes Mal, wenn er den Raum betritt, ziehe ihn die Atmosphäre aufs Neue in den Bann, erzählt er. „Der Geruch, das Licht, diese ganz eigene Stimmung, deren Wirkung über all die Jahre nicht nachgelassen hat“. Gerade laufen wieder die letzten Vorbereitungen für die Schau, bei der vom ersten bis dritten Advent mehr als 100 Krippen zu sehen sind und die innerhalb von zwei Wochen auf 6.000 Besucher kommt. Eine Zahl, die manch kleines Heimatmuseum das ganze Jahr über nicht erreicht.

Einer, der schon die Anfänge der Krippenausstellung erlebt hat und bis heute aktiv beteiligt ist, ist der Neumarkter Kreisheimatpfleger Rudi Bayerl. Anfang der 1980er-Jahre, so blickt er zurück, wurde der im Krieg zerstörte historische Reitstadel nach Wiederaufbau als kulturelles Zentrum mit Konzertsaal im ersten Stock eröffnet. Im Zuge der Überlegungen, wie man das Foyer nutzen könnte, sei der damalige Kreisbildungswerk-Vorsitzende Hans Kiefl mit der Idee einer Krippenausstellung auf ihn zugekommen, erinnert sich Bayerl, „so etwas war damals völlig neu“. Anfangs war gedacht, die Ausstellung über Weihnachten laufen zu lassen. Doch weil es sich bei den ersten Exponaten um Kirchenkrippen handelte, wollten die Mesner diese rechtzeitig vor Weihnachten wieder abbauen. „So entstand dieser feste, frühe Termin ab dem ersten Adventswochenende“, erläutert Bayerl, der etwa 30 Jahre lang im Begleitprogramm eine Sitzweil anbot. „Aber irgendwann sind mir die Themen ausgegangen“, lacht er. Was er immer noch anbietet, sind Führungen durch die Ausstellung, bei denen der Heimatpfleger auch gern auf die heilige Birgitta verweist, die 1372 bei einer Pilgerreise ins Heilige Land eine Vision von der Geburt Christi hatte. Die lateinische Niederschrift, die die Vorstellung der Gläubigen vom Bild der Krippe nachhaltig prägen sollte, wurde auch ins Deutsche übersetzt. Erstmals geschah dies ganz in der Nähe von Neumarkt, im damaligen Birgittenkloster Gnadenberg. So sehr sich die Welt seither verändert hat, so sei die von der Krippe ausgehende Heilsbotschaft „auch heute bitter nötig“, meint der Kreisheimatpfleger.

Alles andere als heile Welt

Gott wird Mensch inmitten von Krieg, Terror und Elend – das zeigen auch Szenerien in der Neumarkter Ausstellung. Einer, der mit seinen Krippen bewusst aufrütteln möchte, ist zum Beispiel Werner Bierschneider aus Neumarkt-Pölling, der schon seit gut 20 Jahren im Reitstadel ausstellt. Deutlich zu machen, dass eine heile Welt keine Selbstverständlichkeit ist, auch nicht an Weihnachten, das ist dem 74-Jährigen ein Anliegen. Heuer hat er die Herbergssuche nach Gaza verlagert, vor drei Jahren suchte die Heilige Familie Unterschlupf in einem zerbombten ukrainischen Hochhaus, vor zwei Jahren durchquerte sie in einem Flüchtlingsboot das Mittelmeer. Fast 30 selbstgebaute Krippen besitzt Bierschneider mittlerweile, darunter auch klassische Stallkrippen, Wurzelkrippen und Krippen im orientalischen oder neapolitanischen Stil.

Krippen als Lebensthema

Während Bierschneider seine Sammlung gerade noch im Einfamilienhaus unterbringt, musste Peter Reus irgendwann nach einer größeren Bleibe Ausschau halten. Der gebürtige Bamberger, der heuer noch 80 wird, sammelt schon seit 50 Jahren Krippen und besitzt etwa 100 Exemplare. Selbstgebaute, gekaufte, geschenkte, aus ganz Europa, aus Südafrika und Südamerika. Schon sein Schwiegervater war Vorsitzender der Bamberger Krippenfreunde, er selbst war viele Jahre Vorsitzender des Krippenvereins Nürnberg-Fürth. Aus dem Fürther Raum zog er 2003 nach Altdorf, wo er ein Anwesen mit Scheune erworben und saniert hatte, das endlich genug Platz für seine Krippensammlung bot. In Altdorf lädt das Ehepaar Reus seither jedes Jahr zu einer eigenen Krippenausstellung ein. Im Neumarkter Reitstadel stellt Reus, der auch Ehrenpräsident des Bayerischen Krippenverbands ist, seit 2014 aus. Heuer baut er unter anderem eine Krippe auf, die die Heilige Familie in einem Hopfenstadel zeigt. Das Originalgebäude steht im Freilandmuseum Bad Windsheim.   

Stattliche Gäste aus dem Münster

Eine bewegte Geschichte haben die hölzernen Figuren, die Josef Wittmann im Reitstadel arrangiert. Sie sind Teil der barocken Ganzjahreskrippe im Münster St. Johannes, in der Wittmann seit Jahren mit Hingabe und Liebe zum Detail biblische Szenen entlang des Kirchenjahrs nachstellt. Die Anfänge der Münsterkrippe reichen bis ins Jahr 1622 zurück, als Jesuiten in Neumarkt wirkten. Typisch an den Figuren ist ihre außergewöhnliche Größe von bis zu einem Meter, das sogenannte "Jesuiten-Maß".  Nach einem Brand Ende des Zweiten Weltkriegs wähnte man die gesamte Krippe als verbrannt, doch 2006 tauchten in einer Kommode Reste der Jesuiten-Krippe auf. Es folgte eine aufwendige Restaurierung der Figuren, von denen Wittmann jedes Jahr auch einige bei der Krippenausstellung im Reitstadel präsentiert. Heuer kommen gleich mehr als ein Dutzend Figuren zum Einsatz und lenken in der Mitte des Raumes die Blicke auf sich. Wittmann bekommt dazu ein dreimal eineinhalb Meter großes Podest zur Verfügung gestellt, auf dem Heilige Familie, Könige und Hirten, Hund und Esel Platz finden. Für Johannes den Täufer, der einstweilen im Münster die Stellung hält, wird es dann vorübergehend recht einsam werden, meint Wittmann und fügt pragmatisch hinzu: „Er bekommt dann so lange ein Plakat der Krippenausstellung in die Hand.“

Diese beschäftigt die Verantwortlichen schon lange vor der Eröffnung. „Eigentlich sammeln wir das ganze Jahr über Ideen“, berichtet Schubert. Unterstützung bekommt er von den KEB-Verwaltungsmitarbeiterinnen. Michaela Walter-Nutz zum Beispiel übernimmt seit 15 Jahren viele Aufgaben, holt Zweige für die Deko aus dem Wald, fährt zu den Missionsbenediktinern nach Münsterschwarzach, um Krippen als Leihgabe abzuholen, hilft beim Aufstellen von Bänken und Tischen. Zwei Tage lang haben die Ausstellerinnen und Aussteller dann Gelegenheit, aufzubauen. Während die Krippenbauten überwiegend von Männerhand geschaffen sind, „kümmern sich Frauen oft um Details und Kleidung für die Figuren“, beobachtet Walter-Nutz.

Adventliche Atempause

Wer darf überhaupt im Reitstadel ausstellen? Gibt es so etwas wie Qualitätskriterien? „Nein“, versichert Schubert, „ganz bewusst Nein. Das ist ja das Schöne, dass die Krippenausstellung unheimlich bunt ist. Hier der Vollprofi, dort der Opa, der mit dem Enkel gebaut hat.“ Lauter individuelle Geschichten, das mache den Reiz aus. Viele nutzen das Angebot, ein paar persönliche Gedanken zu ihrer Krippe aufzuschreiben und mit den Betrachtenden zu teilen. 

Wenn dann die Ausstellung öffnet, übernehmen Ehrenamtliche die Aufsicht. „Die Zeit wird nicht langweilig“, versichert Martin Winter, der seit vielen Jahren dabei ist. Viele Kindergartengruppen und Schulklassen brächten Leben herein, berichtet er. Im Rahmenprogramm gibt es heuer Klangschalenmeditation, ein kleines Konzert und auch wieder die Reihe „Neumarkter Persönlichkeiten an der Krippe“, bei der es darum geht, sich in die Gefühlswelt der Haupt-, aber auch Nebendarsteller im Stall von Betlehem zu versetzen. Solche Momente des Innehaltens zu ermöglichen, findet Schubert wichtig und zitiert Karl Valentin: „S´werd scho wieda ruhiga werd´n, wenn de staade Zeit vorbei is´!“. Die Krippenausstellung, überlegt er, „wär‘ so ein Moment, zu erleben, wie Advent eigentlich sein soll.“

Die 43. Krippenausstellung im Neumarkter Reitstadel (Residenzplatz 3) dauert vom 29. November bis 14. Dezember. Die genauen Öffnungszeiten und das komplette Programm gibt es unter www.keb-nrs.de

Gabi Gess für [inne]halten – Die Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt

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