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30.05.2006

„Wenn man es von der Mama hört, ist es immer ein bisschen peinlich“ - Referat „Ehe und Familie“ bietet Workshops für Mädchen und Buben in der Pubertät an

Eichstätt. (pde) – Die Samenzelle heißt Michael und ist ein kleiner Luftballon. Die Eizelle ist ein silberner Ball. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg durch den weiblichen Körper. Und was kommt am Schluss? „Das große Finale“, so nennt es die Workshop-Leiterin Angelika Netter: Ein Baby wird geboren. Und wenn kein Baby entsteht, dann ist das das „kleine Finale“ - die Menstruationsblutung. Der Zyklus beginnt von vorne.

„Dem Geheimcode meines Körpers auf der Spur“ so heißt das Mädchen-Projekt des Referats „Ehe und Familie“ der Diözese Eichstätt. Es richtet sich an 10- bis 13-Jährige und behandelt einen Vormittag lang alle Fragen, die in der Pubertät so unheimlich wichtig werden: Wie fühlt es sich an, wenn ich meine Tage habe? Was passiert in meinem Körper? Wie genau ist das mit der Schwangerschaft? Schulen können den Workshop über das Referat „Ehe und Familie“ buchen. „Insgesamt bieten wir pro Jahr rund hundert Workshops an“, berichtet Angelika Netter, Referentin für Natürliche Familienplanung und das MFM-Projekt. Die Abkürzung steht für „Mädchen, Frauen, Meine Tage“. Die Bilanz der Projektleiterin: „Im vergangenen Jahr haben wir 950 Mädchen und 450 Jungen erreicht.“

Der Workshop für Jungs trägt den Namen „Agenten auf dem Weg“. Wie bei James Bond erhalten die Jugendlichen einen Geheimauftrag: „Du bist Spezialagent. Dein Auftrag lautet, das Überleben der Menschen sicherzustellen.“ Auch hier macht sich eine Samenzelle auf den Weg: Sie muss ins Ausbildungscamp, bekommt eine Schatzkarte, erreicht über Autobahn (Samenleiter) und Wildwasserkanal (Prostata) das „Land des Lebens“, den Körper der Frau. „Nur was ich schätze, kann ich schützen“, so lautet das Motto. Ziel ist es, den eigenen Körper, aber auch den der Frau, besser kennen zu lernen.

Dass so ein Projekt besser ist als der normale Schulalltag, erfährt man, wenn man in diesen Tagen im Pfarrheim St. Marien in Eichstätt vorbei schaut. Dort finden seit Montag die Workshops für die fünften Klassen der Mädchenrealschule Maria Ward statt. Noch bis Mittwoch (31.5.) spielen sie, aufgeteilt in Gruppen von 15 bis 16 Mädchen, die „Zyklus-Show“. „Voll schön“, finden die Fünftklässlerinnen den Vormittag. „Es macht total Spaß.“ Ein Mädchen sagt: „Wenn man es von der Mama hört, dann ist es immer ein bisschen peinlich.“ Und natürlich finden es alle gut, dass keine Jungs dabei sind. „Die würden bestimmt nur lachen.“

Wie wichtig es ist, dass die Mädchen über ihren Körper Bescheid wissen und den Veränderungen während der Pubertät aufgeschlossen und neugierig gegenüberstehen, erläutert Angelika Netter. „Noch immer wird das Thema tabuisiert“, erzählt sie. Noch immer gebe es Wissenslücken, in jedem Workshop stellen die Jugendlichen Fragen über Fragen. „Ganz wichtig ist das Projekt auch für Mädchen, die aus anderen Kulturkreisen kommen.“ Junge Türkinnen etwa oder Mädchen, die in Russland geboren sind. Sie hätten oft keinerlei Ansprechpartner. „Für sie sind wir das einzige Forum.“ Zwar wird das Thema auch an den Schulen im Biologieunterricht behandelt. Doch da ist das viel zu theoretisch und im Unterricht trauen sich viele nicht, Fragen zu stellen. „Dort habe ich es nicht so richtig kapiert“, gibt ein Mädchen zu, das jetzt mit großer Begeisterung am Workshop in Eichstätt teilnimmt.

Entwickelt wurde das Projekt in der Erzdiözese München-Freising. „Sich als Frau zu bejahen und die körperlichen Veränderungen in der Pubertät in positiver Weise zu erleben, ist eine der entscheidenden Entwicklungsaufgaben“, heißt es in der offiziellen Projektbeschreibung. „Wie ein Mädchen den eigenen Körper erlebt und bewertet, hat großen Einfluss auf ihr Selbstwertgefühl.“ Wenn die positive Geschlechtsidentifikation misslingt, könnten daraus eine Vielzahl von Störungen resultieren: Essstörungen, sexuelle Ausbeutung aufgrund von mangelndem Selbstbewusstsein, die Gefahr von ungeplanten Schwangerschaften. Seit 2000 werden die Workshops in der Diözese Eichstätt angeboten. Förderschule, Hauptschule, Gymnasium – alle Schultypen sind vertreten. Allerdings gibt es Engpässe beim „Agenten-Workshop“ für Jungs. Denn bei allen Angeboten gilt das Prinzip: Frauen leiten den Mädchen-Workshop, Männer den für Buben. Weil es zu wenige männliche Referenten gibt, können längst nicht alle Nachfragen erfüllt werden. Die Knabenrealschule Rebdorf zum Beispiel ging bisher leer aus. Das Referat „Ehe und Familie“ sucht daher noch immer Männer, die sich für das Projekt begeistern können und bereit sind, eine entsprechende Ausbildung zu machen.

Weitere Informationen zu den Projekten gibt es bei Angelika Netter, Referentin für Natürliche Familienplanung und MFM-Projekt, Marktplatz 4, 85072 Eichstätt, Tel. (08421) 900163. Auch im Internet wird man fündig, und zwar unter „www.bistum-eichstaett.de/mfm/“.

 



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