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24.07.2007

Wallfahrt als verbindendes Element - „Schneckenhaus Gottes“ im Schambachtal zieht evangelische und katholische Christen an

Foto: Gabi Geß (Kirchenzeitung)

Foto: Gabi Geß (Kirchenzeitung)

Eichstätt/Suffersheim. (pde) – Hierher kommen Wanderer, Touristen und Pilger. Hier treffen sich katholische und evangelische Christen zu Gottesdiensten und zum gemeinsamen Gebet: Die Gunthildis-Kapelle im Schambachtal (Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen) ist ein gelungenes Beispiel für gelebte Ökumene.

Strahlend weiß leuchtet das weiße Gebäude mit dem kleinen Kirchturm aus den grünen Wiesen des Schambachtals hervor. Die Kapelle wird wegen ihrer gewundenen Form auch „Schneckenhaus Gottes“ genannt. Das Bauwerk entstand auf Privatinitiative katholischer und evangelischer Christen und wird von einem Förderverein auf ökumenischer Basis getragen. Weil die jetzige Kapelle winzig klein ist, finden Gottesdienste oft im Freien statt. „Da kommt die Seele zur Ruhe“, findet Reinhard Kürzinger, Domvikar und Leiter des Eichstätter Pilgerbüros. „Wallfahrt wird an diesem Ort zu etwas, das die beiden Konfessionen stark verbindet.“

Freiwillige Helfer aus Suffersheim und Weißenburg hatten 1993 mit dem Bau der Kapelle begonnen, zwei Jahre später wurde sie von Gregor Maria Hanke, damals Abt vom Kloster Plankstetten und heute Bischof der Diözese Eichstätt, und dem evangelischen Dekan von Pappenheim, Klaus Zillich, eingeweiht. Damit war eine alte Wallfahrtstradition wiederbelebt: Archäologische Grabungen zeigen nämlich, dass an gleicher Stelle bis zum 16. Jahrhundert ein Wallfahrtskirchlein stand, das der heiligen Gunthildis gewidmet war. Die Mauerreste des früheren Ensembles sind bis heute zu sehen.

Über das Leben und Wirken der heiligen Gunthildis aus Suffersheim gibt es wenige historische Daten. Die Grablege mit ihren Gebeinen in Suffersheim lässt sich jedoch noch 1651 durch eine Niederschrift des Abtes Dominikus von Plankstetten nachweisen. Wallfahrten nach Suffersheim waren im Mittelalter sehr beliebt. In Legenden wird Gunthildis als mildtätige Frau, als fromme Dienstmagd und als Nothelferin für krankes Vieh beschrieben. Pilger verwendeten das nahe der Kapelle vorbei fließende Wasser zur Heilung der Tiere. Darstellungen aus dem 15. Jahrhundert zeigen sie mit einem Milchkrug, Käselaib und mit einer Kuh. Nach der Reformation schlief die Wallfahrt ein, die Heilige geriet in Vergessenheit.

Inzwischen ist die Kapelle längst wieder zu einem reizvollen Ausflugsziel geworden, der Verkehrsverbund Nürnberg ermöglicht eine problemlose Anreise. Wanderer haben verschiedene Routen zur Auswahl. Von Weißenburg führen über die Ludwigshöhe mehrere Wanderwege nach Suffersheim. Auch von Treuchtlingen oder Pappenheim lässt sich die Kapelle gut erreichen, die Strecken sind sieben bis acht Kilometer lang. Wer direkt am Kirchlein loswandern will, kann den St. Gunthildis-Rundwanderweg nehmen. Auch die Quelle wurde neu gestaltet: Der Bildhauer Reinhard Fuchs hat dafür 2005 eine Brunnenstele geschaffen.

Regelmäßig kommen evangelische und katholische Christen zur ökumenischen Wallfahrt zusammen. „Pilgern ist etwas, wo wir uns aufeinander zu bewegen und wo die evangelische Kirche etwas aus der katholischen Tradition neu entdeckt“, erläutert Domvikar Kürzinger. Die Kraft des Pilgerns macht vor niemanden Halt. „Eine Auszeit zu nehmen, den Alltag hinter sich zu lassen: Das ist die große Sehnsucht unserer Zeit.“

 



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