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26.08.2004

„Wallfahren hat eine therapeutische Wirkung“ - Vor allem Pilgerreisen mit spirituellem Charakter liegen im Trend

Eichstätt. (pde) - Wallfahren liegt im Trend: Wenn das Pilgerbüro der Diözese Reisen nach Lourdes, Rom oder Fatima anbietet, dann ist die Nachfrage ungebrochen. Vor allem Reisen mit spirituellem Charakter sind zur Zeit gefragt. Dazu gehören das Wandern auf dem Jakobsweg oder der Aufenthalt in einem Kloster in Assisi. Zur Ruhe kommen, sich Gedanken machen - auf solchen Reisen gelingt das besonders gut. „Wallfahrtsorte sind Orte, an denen sich die Seele öffnet“, diese Erfahrung macht Reinhard Kürzinger, Domvikar und Leiter des Eichstätter Pilgerbüros, oft auf seinen Reisen. Für ihn steht fest: „Wallfahren hat auch eine therapeutische Wirkung.“

Kürzinger hat schon hunderte von Pilgern begleitet und ist als geistlicher Ansprechpartner fast Tag und Nacht an der Seite der Reisenden. Er kennt die Bedürfnisse der Teilnehmer. Für viele ist es die wichtigste Urlaubsreise seit langem. Oft steht sie vor dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Pilgerreisen werden zum Beispiel gebucht, wenn die Kinder aus dem Haus sind oder die Pension bevorsteht. Dann ist es Zeit, sich neu zu orientieren und Rückschau zu halten. Kein Wunder, dass da vieles hoch kommt.

Oft erreichen die persönlichen Anliegen den geistlichen Reiseleiter ganz unvermittelt. Bei einem Ausflug an den Atlantik - ein touristisches Beiprogramm zur klassischen Fatima-Reise - wollte Kürzinger auf einer Bank mit Meerblick ausspannen, als ihn eine Frau ansprach und ihm eine tragische Geschichte erzählte. „Da flossen plötzlich die Tränen.“ Ähnliches passiert regelmäßig beim Wandern auf dem Jakobsweg. Das läuft meistens so ab: Der erste Tag steht im Zeichen des Kennenlernens, am zweiten und dritten Tag läuft jeder für sich allein, anschließend suchen nicht wenige Pilger das Gespräch mit dem Geistlichen. „Beim Pilgern will man sich so manches von der Seele reden.“ Gerade eine Reise nach Santiago habe viel mit Selbstfindung zu tun, meint Kürzinger: „Man setzt sich mit seinen eigenen Schattenseiten auseinander und hat die stille Hoffnung, man könnte den Schatten in Santiago hinter sich lassen.“

Verschiedene Rituale verstärken diesen Eindruck. Auf dem Weg nach Santiago gibt es einen Pass, an dem die Pilger unten einen Stein auflesen und oben an einem Wegkreuz niederlegen. „Manche Leute pfeffern den Stein mit viel Schwung weg“, beobachtete Kürzinger. Verbunden ist damit wohl die Hoffnung, sich gleichzeitig eines Problems zu entledigen - und manchmal gelingt dies auch.

Jeder Wallfahrtsort hat seine eigene Wirkung. Im französischen Lourdes etwa, dem bedeutendsten Marienwallfahrtsort der Welt, spielt sich viel in der Grotte ab. Die Wallfahrer berühren dort die Wand und suchen den Kontakt zu den himmlischen Mächten, erzählt Kürzinger. Sie signalisieren damit: „Hier bin ich - hilf mir doch.“ Als Geheimtipp unter Pilgern wird der Besuch der Grotte bei Nacht gehandelt. Nur ein Nebentor ist geöffnet. Kerzen brennen, es ist still. „Das ist ein starkes spirituelles Erlebnis“, betont Kürzinger. Beeindruckend sei auch die abendliche Lichterprozession, an dem alle Nationalitäten teilnehmen. „Das ist immer wieder überwältigend.“ Für Mai 2005 plant die Diözese Eichstätt gemeinsam mit der Diözese Bamberg einen Sonderzug nach Lourdes für Gesunde und Kranke.

In Fatima in Portugal dagegen sei besonders anrührend, wenn man Pilger beobachte, die die letzten Kilometer auf den Knien rutschen. Manche Männer bringen meterlange Kerzen aus ihren Dörfern mit. Gerade Marienwallfahrtsorte hätten eine große entlastende Funktion, meint der Leiter des Pilgerbüros. „Nach einer solchen Reise ist man mit seinem Los ein Stück zufriedener.“ Man erfahre Trost und habe wieder mehr Kraft, den Alltag zu bewältigen.

Bei jeder Reise mit dem Pilgerbüro sind zwei Reiseleiter dabei. Einer kümmert sich um die Organisation, der andere um das Seelenheil. Der geistliche Reiseleiter gestaltet Gottesdienste, formuliert Ansprachen, steht als Beichtvater zur Verfügung und muss Diskussionen bewältigen, bei denen es um Himmel und Hölle oder das Fegefeuer geht. Hier wird dann der Unterschied zu einer normalen Studienreise deutlich. Denn obwohl jede Reise inzwischen längst mit einem attraktiven touristischen Beiprogramm verbunden ist, steht der religiöse Charakter im Vordergrund. „Viele Teilnehmer empfinden eine solche Reise als Geschenk“, erzählt Kürzinger. „Sie fahren bereichert und erfüllt wieder heim.“

Bei den meisten Reisen arbeitet das Eichstätter Pilgerbüro eng mit dem bayerischen Pilgerbüro zusammen. Das ist die kirchliche Reiseagentur für die sieben bayerischen Diözesen mit Sitz in München. Dort allerdings hat man es - wie andere Reisebüros auch - mit einem ganz profanen Problem zu tun: Die Leute buchen immer kurzfristiger. „Wir spüren zunehmend ein Last-Minute-Verhalten“, sagt Kürzinger. „Die Leute rufen drei Tage vorher an, bevor der Flieger nach Irland geht.“ Dann wird es schwierig: Es ist kein Flugticket mehr zu bekommen und das Hotel ist auch schon ausgebucht. Und noch einen Trend beobachtete der Leiter des Eichstätter Pilgerbüros: Viele Leute wallfahren auf eigene Faust. Sie fahren mit dem Fahrrad nach Altötting oder pilgern - ausgestattet mit Landkarte und Reiseführer - auf dem Jakobsweg. Gleichzeitig ist die Verweildauer am Wallfahrtsort kürzer geworden. Das spüren vor allem die bayerischen Pilgerstätten. „Früher blieben die Leute mehrere Tage in Altötting, jetzt fährt man nach dem Kaffee wieder heim.“ Wer länger Zeit hat, reist heute lieber nach Italien oder Spanien. Dort bekommt er den nötigen Abstand zum Alltag - so dass sich die Seele öffnen kann.

Informationen über das Programm sind erhältlich beim Pilgerbüro für das Bistum Eichstätt, Marktplatz 4, 85072 Eichstätt, Tel. (08421) 9003900, Fax (08421) 9003699, E-Mail: pilgerbuero@bistum-eichstaett.de, im Internet unter „www.bistum-eichstaett.de/pilgerbuero/“

 



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