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28.09.2003

Vollversammlung des Eichstätter Diözesanrats: In Sorge um die Zukunft des ländlichen Raums - Sparmaßnahmen der Diözese Eichstätt erläutert – Keine Mitgliedschaft von „Wir sind Kirche“

Beilngries. (pde) – Die Situation des ländlichen Raums, die Sparmaßnahmen in der Diözese Eichstätt und die Frage der Mitgliedschaft von „Wir sind Kirche“ standen im Mittelpunkt der Herbstvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Eichstätt.

Auf die Notwendigkeit, angesichts knapper Kassen Verzicht und Solidarität zu üben, verwies der Vorsitzende des Diözesanrates, Dieter Salomon, in seiner Ansprache zu Beginn der zweitägigen Konferenz in Schloss Hirschberg bei Beilngries. Sparmaßnahmen müssten jedoch gerecht und einsichtig sein. Gerade das treffe auf jüngste Vorstöße, christliche Feiertage abzuschaffen, nicht zu. „Die Feiertagskultur, die bei uns gewachsen ist, sollten wir uns nicht nehmen lassen.“ Allerdings sei es auch ein Auftrag an die Christen, darauf zu achten, dass diese Feiertage nicht ihren Sinn verlieren. Sparmaßnahmen sinnvoll erklären und die Lasten gerecht verteilen, das mahnte Salomon auch angesichts einbrechender Einnahmen der Kirche an. Gerade die Kirche habe jedoch einige Chancen, bisherige hauptamtliche Arbeiten auch ehrenamtlich durchführen zu lassen. Die Bereitwilligkeit vieler Christen dazu sei da.

Schwierige finanzielle Situation der Diözese Eichstätt

Um Verständnis für die anstehenden Sparmaßnahmen in der Diözese Eichstätt warb Generalvikar Dompropst Johann Limbacher in seinem Bericht. Die derzeit schwierige wirtschaftliche Situation in Deutschland und die Einkommensteuerreform hätten deutliche Auswirkungen auf die Finanzen der Diözese. Bereits in den Haushalten 2002 und 2003 musste ein Defizit von insgesamt 8 Millionen Euro ausgeglichen werden, und das, obwohl der Haushalt 2003 mit 81,5 Millionen Euro um 4 Millionen niedriger als im Vorjahr angesetzt wurde. Durch die zum 1. Januar 2004 beschlossene zweite Stufe der Einkommensteuerreform sei mit einer weiteren Reduzierung der Einnahmen um fünf Prozent bzw. 3,8 Millionen Euro zu rechnen. Der Gesamtausfall durch die zweite und dritte Stufe der Steuerreform werde etwa 7,7 Millionen Euro betragen. Sollte die dritte Stufe der Steuerreform vom 1.1.2005 bereits auf 1.1.2004 vorgezogen werden, müsse man bereits für das kommende Haushaltsjahr komplett diesen zusätzlichen Einnahmeausfall berücksichtigen. Für die kommenden Jahre sei ein konsequenter Sparkurs unumgänglich, so Generalvikar Limbacher. Das bedeute auch, dass der Personalstand verringert werden müsse; Auswirkungen auf die Seelsorge seien dabei nicht zu vermeiden.

Zwei Drittel gegen Mitgliedschaft von „Wir sind Kirche“

Mit mehr als zwei Drittel der abgegebenen Stimmen lehnte die Vollversammlung des Eichstätter Diözesanrats eine Mitgliedschaft der Diözesangruppe von „Wir sind Kirche“ ab. Nachdem sich die Gruppierung der Versammlung vorgestellt und ihre Ziele und Aktivitäten dargestellt hatte, gab es in der anschließenden Diskussion kaum Zustimmung für den Antrag der Diözesangruppe, als „katholische Organisation auf Bistumsebene“ in den Diözesanrat aufgenommen zu werden. Dabei wurde unter anderem auf ein kirchenrechtliches Gutachten verwiesen, wonach „Wir sind Kirche“ formal und inhaltlich nicht die Kriterien einer anerkannten katholischen Organisation erfülle. Die Gruppierung gehöre keinem einzigen bayerischen Diözesanrat an. Durch die Mitorganisation der beiden Gottesdienste in der Berliner Gethsemanekirche mit Einladung zum gegenseitigen Empfang des Abendmahls bzw. der Eucharistie habe „Wir sind Kirche“ das evangelische Abendmahl und die Eucharistie der katholischen Kirche zur Provokation und Konfrontation missbraucht und damit eine Grenzlinie überschritten. Zudem wurde in der Diskussion festgestellt, dass die Bewegung durchaus die Möglichkeit habe, durch einzelne Diözesanratsmitglieder im Diözesanrat ihre Anliegen einzubringen. In der anschließenden geheimen Abstimmung votierten 39 Diözesanratsmitglieder gegen die Mitgliedschaft von „Wir sind Kirche“, 19 sprachen sich dafür aus. Bischof Walter Mixa betonte im Anschluss an dieses Votum seine Bereitschaft, mit der Gruppierung im Gespräch zu bleiben.

„Leben und Glauben im ländlichen Raum“

In einem Positionspapier ruft der Diözesanrat der Katholiken die Pfarrgemeinden und kirchlichen Einrichtungen dazu auf, „im Sinne einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung des ländlichen Raums eine Vorbildfunktion auszuüben“. Das Papier „Leben und Glauben im ländlichen Raum – Optionen für eine zukunftsfähige Entwicklung“ wurde als Ergebnis des Studienteils bei der diesjährigen Herbstvollversammlung auf Schloss Hirschberg nach eingehender Beratung verabschiedet. Kirchliche Einrichtungen sollten nach Auffassung des Diözesanrats Vorreiter bei der Nachfrage nach regionalen Produkten und Dienstleistungen sein. Darüber hinaus sollten bei der Verpachtung landwirtschaftlicher Flächen durch kirchliche Körperschaften die Kriterien einer naturschonenden Bewirtschaftung als Auflagen berücksichtigt werden.

Im Blick auf die Errichtung von Seelsorgeeinheiten appelliert der Diözesanrat an die Diözese Eichstätt, „die Kirche im Dorf zu lassen“. Tragfähige Strukturen vor Ort seien wesentlich für den Erhalt einer lebendigen Kirche im ländlichen Raum. Neben der wichtigen Sorge um eine gute hauptamtliche Präsenz in den Pfarreien sei nach kreativen Lösungen zu suchen, wie engagierte Laien sowie Verbände und Vereine in der Kirche vor Ort Verantwortung übernehmen können.

Die politisch Verantwortlichen werden in der Resolution aufgerufen, intensive Bürgerbeteiligung bei kommunalen Projekten zu ermöglichen, um so das Gemeinschaftsgefühl sowie die Eigenverantwortung zu stärken. Um den ländlichen Raum als Lebensraum zu bewahren sei besonders wichtig, die Infrastruktur zu erhalten oder auszubauen: Unterstützende Maßnahmen seien gefordert, damit es auch auf dem Land Läden, Post, Schulen und Betriebe gebe sowie bedarfsgerecht Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen bereit gestellt werden könnten. Der ländliche Raum brauche zudem neue Verkehrskonzepte sowie den Erhalt oder Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. An die Landwirtschaft appelliert der Diözesanrat, der Verantwortung für Schutz und Pflege der Schöpfung und der Bewahrung einer vielfältigen Kulturlandschaft gerecht zu werden. Die Verbraucher könnten ihren Beitrag zur Zukunft des Landes leisten durch die Bevorzugung regionaler Produkte und eine bewusste Auseinandersetzung mit den angebotenen Produkten, ihrem Herstellungsverfahren, ihren Inhaltsstoffen, der Herkunft und den Transportwegen.

Dank an den scheidenden Geschäftsführer Toni Hein

Bei einem Gottesdienst im Rahmen der Vollversammlung forderte Bischof Mixa dazu auf, offensiv und engagiert Zeugnis zu geben von dem christlichen Glauben, dass bei Gott kein Mensch ein Nobody, ein Niemand sei, sondern jeder als Kind Gottes angenommen sei. In seiner Predigt dankte der Bischof dem nach mehr als vierzig Jahren in den Ruhestand scheidenden Geschäftsführer des Diözesanrates, Toni Hein, für seinen Einsatz und sein christliches Glaubenszeugnis. Hein habe in seinem Dienst für die Kirche eine Vielzahl von Überstunden geleistet, in beispielhafter Solidarität und Verbundenheit mit den Ehrenamtlichen in den Gemeinden. Er habe mit Leidenschaft und Begeisterung für die Kirche gewirkt. Ebenso dankte der Bischof der Ehefrau des scheidenden Geschäftsführers, die ihren Mann in seinem Dienst unterstützt und „ihm den Rücken frei gehalten“ habe. Dem neuen Geschäftsführer des Diözesanrates, Richard Ulrich, wünschte der Bischof, dass es auch ihm gelinge, in seiner Aufgabe Zeuge des Glaubens zu sein.

 



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