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30.12.2003

Silvesterpredigt von Bischof Walter Mixa: Grenzen der Machbarkeit bei den Friedensbemühungen - Nicht Kritiksucht sondern die frohe Botschaft das Markenzeichen der Kirche

Eichstätt, 31.12.2003. (pde) – Das Jahr 2003 hat nach Worten des Katholischen Militärbischofs und Bischofs von Eichstätt Walter Mixa gerade bei den Bemühungen um den Frieden erneut die Grenzen der Machbarkeit aufgezeigt. In seiner Silvesterpredigt im Eichstätter Dom verwies der Bischof auf die fehlgeschlagenen Versuche, den Irakkrieg zu verhindern, und die Erkenntnis, dass für den Irak eine Befriedung noch für lange Zeit unmöglich erscheine. Beängstigend seien die erschütternden und sich mehr und mehr zuspitzenden Feindseligkeiten zwischen Israel und Palästina: Die ungelösten Konflikte im Nahen Osten stellen nach Auffassung des Bischofs eine ernste Bedrohung für den Weltfrieden dar. Ebenso bestätigten die Lage auf dem Balkan und die in den Medien kaum noch erwähnten blutigen Stammeskriege in Afrika: „Wir Menschen sind nicht die großen Macher, wie das oft in falscher Weise vorgespielt wird“. Bleibende Hilfe komme vielmehr von Gott, der seinen Sohn gesandt habe, damit die Welt durch ihn gerettet wird. Diese Aussage des Evangeliums sei kein leeres Versprechen, werde allerdings von vielen Christen nicht mehr überzeugend genug vertreten.

Obwohl Werbung im eigentlichen Sinn des Wortes ureigenster Auftrag der Gläubigen sei, betrieben viele Christen oft sogar „Antiwerbung“, die sich in Miesmacherei äußere, stellte Bischof Mixa fest. Während Fachleute aus der modernen Werbewirtschaft der Kirche bescheinigten, sie habe hervorragende Möglichkeiten, sich in der heutigen Öffentlichkeit überzeugend und werbewirksam zu präsentieren, dominiere in den eigenen Reihen oft das sogenannte „Leiden an der Kirche“. Gerade im Blick auf Papst Johannes Paul II. sei zu beobachten: Dieser kranke und alte Mann werde in anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften mehr geachtet, ja bewundert, als in der eigenen katholischen Kirche in Deutschland. Die ganze Welt sei voller Respekt für diesen ungewöhnlichen Mann, allerdings mit einer Ausnahme: die ewigen Kirchenkritiker in den eigenen Reihen, unterstützt von so manchen Redakteuren vor allem in deutschen Medien. Für die meisten Menschen auf der Welt dagegen, ob Junge oder Alte, ob Christen oder Nichtchristen, sei dieser Papst ein „Symbol der Menschenwürde“, wie sie durch Geburt, Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi begründet ist. Mit seinem überzeugend gelebten Einsatz für den Wert des menschlichen Lebens sei Papst Johannes Paul II. glaubwürdig und aktuell wie kaum zuvor.

Markenzeichen der Kirche dürfe nicht Kritiksucht sein, die sich vor allem am Papst und der sogenannten „Amtskirche“ entzünde, betonte der Bischof. Christen hätten vielmehr den Auftrag, die „frohe Botschaft“ als besonderen „Markenartikel“ zu verkünden. Mittelpunkt des christlichen Glaubens sei die „Eucharistie“ und das heiße nichts anderes als „Danksagung“. Der Bischof bat die Gläubigen, sich wieder mehr auf den Wert der sonntäglichen Eucharistiefeier zu besinnen, die eine innerste Verbindung mit Jesus Christus und untereinander schaffe. Die Mitfeier der heiligen Messe am Sonntag könne auch immer wieder neu dazu helfen, nicht in materialistischer Diesseitigkeit unterzugehen, die letztlich keinen Frieden, keine Freiheit und kein Glück geben könne.

Gerade angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage dürfe man die sozial Schwachen und die Familien nicht aus den Augen verlieren, unterstrich Mixa in seiner Ansprache. Die Familie spiele eine gesellschaftstragende und unverzichtbare Rolle. Viele junge Menschen seien heute bereit zu einer Partnerschaft auf der Grundlage von Zuverlässigkeit und Liebe und seien auch bereit, eine Familie zu gründen. Sie bräuchten aber die Unterstützung durch den Staat, durch steuerliche Entlastungen.

Bischof Mixa sprach seinen besonderen Dank den Kindergärten, Beratungsdiensten und Sozialstationen bis hin zu den Altenheimen und Pflegeheimen in kirchlicher Trägerschaft aus. Kirchliche Einrichtungen und vor allem auch der vielfache ehrenamtliche Dienst in der Kirche tragen dazu bei, dass Solidarität kein Schlagwort bleibe, sondern im täglichen Leben verwirklicht werde. Unzählige Gläubige in der Diözese Eichstätt mühen sich nach den Worten des Bischofs im Ehrenamt, Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft zu leben. Am Ende eines alten und Beginn eines neuen Jahres könne man feststellen: „Es gibt zweifellos viel Finsternis in unserem persönlichen Leben und in der Welt. Es gibt aber auch viel Licht durch Jesus Christus, der in seiner Kirche und durch die Kirche tröstend und wegweisend mit uns in ein neues Jahr hineingehen wird“.