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05.08.2017

Pollenfeld, Pfarrkirche St. Sixtus

Die Pfarrkirche St. Sixtus in Pollenfeld wird wegen ihrer stattlichen Ausmaße häufig auch als "Dom auf dem Jura" bezeichnet. Die Baugeschichte liest sich wie ein spannendes Buch und reicht vom ausgehenden 14. Jahrhundert (Chor), bis hin in die Zeit von 1911 bis 1913, in der das Kirchenschiff verlängert und aufgestockt worden ist. Leider haben sich im Turm dieses Gotteshauses keine der sicher vorhanden gewesenen mittelalterlichen Glocken erhalten. Das heutige Geläut stammt vielmehr aus dem Jahr 1950 und ist damit ein typisches Glockenensemble der Nachkriegszeit. Das Patrozinium der Kirche am 7. August ist ein willkommener Anlass, diese Glocken vorzustellen.

Pollenfeld, Pfarrkirche St. Sixtus.  Foto: Thomas Winkelbauer

In der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" werden für Pollenfeld drei Glocken aufgeführt: ein 1873 gegossenes Instrument des (ergänze: Ingolstädter) Gießers (ergänze: Eduard) Becker, ein 1853 gegossenes Exemplar unbekannter Herkunft, sowie eine 1612 gefertigte Glocke des Ingolstädter Gießers Dietrich.

In den Meldebögen des Jahres 1941 sind, wenn auch ungenau, ebenfalls drei Glocken beschrieben: ein Exemplar mit ungefähr 1.110 mm Schärfendurchmesser, ca. 830 kg Gewicht, und dem vermutlichen Schlagton fis', ein weiteres mit ungefähr 910 mm Schärfendurchmesser, unbekanntem Gewicht, und dem eventuellen Schlagton a', sowie ein Instrument mit etwa 760 mm Schärfendurchmesser, einem vermutlichen Gewicht von 330 kg, und dem Schlagton cis''. Als Gießer und Gussjahr sind für alle drei Glocken gleichermaßen der Ingolstädter Eduard Becker (1873), bzw. der Eichstätter (ergänze: Martin) Kopfmüller (1892) genannt.

Anhand diverser, nach dem zweiten Weltkrieg verfasster Schriftstücke lässt sich die kleinste dieser Glocken sicher Martin Kopfmüller senior zuweisen; sie wird in diesen Dokumenten zuverlässig mit dem Schlagton c'' und einem Gewicht von 260 kg beschrieben. Da die beiden größeren Glocken während des Weltkriegs abgeliefert, nachfolgend mit ziemlicher Sicherheit zerschlagen und eingeschmolzen worden sind, wird sich deren Gießer und Gussjahr dagegen wahrscheinlich nicht mehr rekonstruieren lassen. Unklar bleibt vermutlich auch, ob Pollenfeld auch schon während des ersten Weltkrieges Glocken abliefern musste.

1950 beschloss die Kirchenverwaltung Pollenfeld beim Erdinger Glockengießer Karl Czudnochowsky vier neue Bronzeglocken zu bestellen. Ursprünglich war der Kauf von Euphon-Glocken anvisiert worden, letztendlich entschied man sich aber dann doch für Glocken aus echter Kupfer-Zinn-Bronze. Nachdem der damalige Eichstätter Glockensachverständige Johannes Schlick der bis zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen Kopfmüller-Glocke klanglich ein sehr schlechtes Zeugnis ausgestellt hatte, wurde dieses Instrument zur Finanzierung des Projektes an den Glockengießer verkauft. Neu beschafft worden sind auch die Armaturen, sowie ein Stahlglockenstuhl mit je zwei Gefachen und Feldern.

Sanierung der Glockenanlage

Im Zuge der Vorbereitung einer ins Auge gefassten Turmsanierung inspizierte Thomas Winkelbauer, der Glockensachverständige der Diözese Eichstätt, auf Bitten der Verantwortlichen vor Ort im Mai 2013 die Pollenfelder Glockenanlage. Er stellte gravierende technische Mängel fest und riet der Kirchenverwaltung mit großem Nachdruck zu einer deutlichen Reduzierung der Läuteeinsätze, sowie zu einer schnellstmöglichen und grundlegenden Sanierung der Glockenanlage.
Winkelbauer bemängelte unter anderem Blattrost an wichtigen Knotenpunkten des Glockenstuhls, eine unzureichende Befestigung des Glockenstuhls auf den Unterzügen, sowie massive, durch Feuchtigkeit bedingte Schäden an den Unterzügen selbst: Aufgrund der mangelhaften Befestigung war der Glockenstuhl beim Läuten permanent auf den Unterzügen hin und her gerutscht und hatte sich dadurch regelrecht in die Balken eingesägt. In die Glockenstube eindringende Feuchtigkeit, sowie das am Stahlglockenstuhl sich bildende und ablaufende Schwitzwasser konnten dadurch in die Balken eindringen und hatten dort letztendlich zu deren Verrottung geführt.
Darüber hinaus kam es nach Winkelbauers Beurteilung zu einem übermäßig hohen Verschleiß der Glocken selbst durch ungünstig proportionierte Klöppel in Verbindung mit sehr hohen Läutewinkeln.

Die Kirchenverwaltung beschloss daraufhin auch die Glockenanlage im Zuge der anstehenden Turmsanierung von Grund auf zu sanieren.

Ingenieure der Mannheimer Niederlassung der Ingenieurgruppe Bauen planten darauf einen neuen Glockenstuhl Eichenholz. Der neue Glockenstuhl kommt komplett ohne nachspannbare Stahlverbindungen aus, die Knotenpunkte sind vielmehr mit ausreichend dimensionierten Holznägeln, bzw. mit Holzkeilen ausgestattet. Dieser auf größtmögliche Nachhaltigkeit ausgelegte Konstruktionsansatz reduziert die künftige Wartung an diesem Glockenstuhl im Wesentlichen auf das gelegentliche Nachschlagen von sechs Holzkeilen und den Holznägeln der Queraussteifung.
Die Regensburger Fachfirma Rauscher fertigte neue Holzjoche, stattete die Glocken mit neuen, sehr gut dimensionierten Klöppeln aus, und installierte ein neues Hammerwerk für den Uhrschlag.

Das Ergebnis der im I. Quartal 2017 abgeschlossenen Sanierung der Pollenfelder Glockenanlage kann sich - da sind sich alle beteiligten Planer und Firmen einig - sowohl sehen als auch hören lassen. Eine fachgerechte jährliche Wartung vorausgesetzt werden in diese Glockenanlage, abgesehen von diversen unbedeutenden Verschleißteilen, auf Generationen hinaus keine grundlegenden Investitionen mehr notwendig sein.

Papst-Sixtus-Glocke

Die Papst-Sixtus-Glocke ist dem Pollenfelder Pfarrpatron geweiht und bildet das Fundament dieses Glockenensembles. Sie wurde zusammen mit ihren drei Schwestern im Jahr 1950, also bereits vier Jahre nach Kriegsende, beschafft.
Die Pollenfelder Glocken bilden mit ihren Tönen es'-ges'-as'-b'' ein ausgefülltes Moll-Motiv, das auch Ite-missa-est-, bzw. Präfations-Motiv genannt wird.

Schlagton: es'
Material: Bronze

Gießer:Karl Czudnochowsky, Erding
Gußjahr:
1950

Durchmesser: 1.261 mm
Gewicht: ca. 1.192 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Flanke:
ST. PP. SIXTUS,
PATRONUS PAROCHIAE,
ORA PRO NOBIS!
auf der Rückseite der Flanke:
GEGOSSEN VON
KARL CZUDNOCHOWSKY ERDING,
1950

Christusglocke

Die Christusglocke ist die zweitgrößte Glocke des Pollenfelder Glockenensembles. In der Vorgängeranlage war eine vergleichbare fis'-Glocke mit einem ähnlichen Durchmesser und Gewicht noch das Fundament des Ensembles gewesen, so rückt diese Glocke innerhalb des heutigen Ensembles auf Platz zwei.

Schlagton: ges'
Material: Bronze

Gießer:Karl Czudnochowsky, Erding
Gußjahr:
1950

Durchmesser: 1.048 mm
Gewicht: ca. 690 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Flanke:
A FULGURE ET TEMPESTATE LIBERA NOS,
DOMINE JESU CHRISTE
auf der Rückseite der Flanke:
GEGOSSEN VON
KARL CZUDNOCHOWSKY, ERDING
1950

Marienglocke

Die Marienglocke ist Maria, der Friedenskönigin, geweiht. Es ist gut nachzuvollziehen, warum man knapp fünf Jahre nach Kriegsende die "regina pacis" zum Patron dieser Glocke gewählt hat.

Schlagton: as'
Material: Bronze

Gießer:Karl Czudnochowsky, Erding
Gußjahr:
1950

Durchmesser: 930 mm
Gewicht: ca. 463 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Flanke:
MARIA REGINA PACIS,
ORA PRO NOBIS!
auf der Rückseite der Flanke:
GEGOSSEN VON
KARL CZUDNOCHOWSKY, ERDING
1950

Willibald- und Walburgisglocke

Die Willibald- und Walburgisglocke bildet seit 1950 die Klangkrone des Pollenfelder Glockenensembles; sie ist eine private Stiftung und den beiden Diözesanpatronen, die noch dazu zu den Kirchenpatronen der Pollenfelder Pfarrkirche zählen, geweiht.

Schlagton: b'
Material: Bronze

Gießer:Karl Czudnochowsky, Erding
Gußjahr:
1950

Durchmesser: 830 mm
Gewicht: ca. 331 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Flanke:
ST. WILLIBALDUS ET ST. WALBURGA,
PATR. DIOEC. EIST. ORATE PRO NOBIS
auf der Rückseite der Schulter:
GEGOSSEN VON KARL CZUDNOCHOWSKY, ERDING 1950
auf der Rückseite der Flanke:
GESTIFTET VON
FAMILIE NIKOLAUS UND ANNA RENGHART,
POLLENFELD 25 ANNO SANCTO 1950



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