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07.10.2017

Pietenfeld, Pfarrkirche St. Michael

Die Verehrung der Seligen Jungfrau Maria als Dreimal wunderbare Mutter hat in der Diözese Eichstätt eine lange Tradition. Seit dem 9. Juni 2009 gibt es sogar die Erlaubnis, jährlich am 11. Oktober den Gedenktag der "Seligen Jungfrau Maria, dreimal wunderbare Mutter" zu begehen. Der diesjährige Gedenktag ist ein willkommener Anlass zwei Geläute vorzustellen, in denen sich jeweils eine Glocke findet, für die als Patronat die Dreimal wunderbare Mutter gewählt worden ist. Als zweite Anlage werden die Glocken der Pietenfelder Pfarrkirche St. Michael vorgestellt.

Pietenfeld, Pfarrkirche St. Michael. Foto: Thomas Winkelbauer

Die Pietenfelder Pfarrkirche war in ihrer heutigen Form 1689 durch den Eichstätter Baumeister Jakob Engel errichtet worden. Laut der "Matrikel des Bisthums Eichstätt nach dem Stande des Jahres 1875" war der Turm dieser Kirche, der 1836 neu errichtet worden war, um diese Zeit mit vier Glocken bestückt; die kleinste von diesen könnte eventuell in der Turmlaterne untergebracht gewesen sein. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind zwei dieser Glocken während des 1. Weltkrieges vom Turm genommen und eingeschmolzen worden.

In den Meldebögen des Jahres 1941 sind dann nur noch folgende drei Glocken beschrieben: Ein 1875 durch den Ingolstädter Gießer Eduard Becker gefertigtes Exemplar mit ungefähr 1.140 mm Schärfendurchmesser, ca. 850 kg Gewicht, und dem vermutlichen Schlagton f', ein 1922 gegossenes Instrument der Gießerei Heinrich Ulrich mit dem vermutlichen Schlagton as', etwa 980 mm Schärfendurchmesser und einem ungefähren Gewicht von 660 kg, sowie eine 1814 gegossene Glocke des Eichstätter Gießers Joseph Stapf mit dem Schlagton c'', einem Schärfendurchmesser von etwa 800 mm, und einem Gewicht von ca. 350 kg.

1941 wurden die beiden größeren Pietenfelder Glocken beschlagnahmt. Sie sind mit ziemlicher Sicherheit zerschlagen und eingeschmolzen worden.

Bereits 1950 gab es erste Überlegungen die fehlenden Glocken zu ersetzen. Der Vorschlag des damaligen Glockensachverständigen Joannes Schlick für die neuen Glocken lautete f' und as'; Schlick brachte aber auch ein vierstimmiges Salve-Regina-Motiv mit den Tönen f' - a' - c''(vorhanden) - d'' ins Gespräch. Die Kirchenverwaltung entschied sich für die dreistimmige Variante f' - as' - c''(vorhanden), und bestellte bei dem Landshuter Glockengießer Johann Hahn zwei entsprechende Instrumente. Kurz vor Weihnachten waren diese beiden Glocken auch fertiggestellt worden, wegen deutlich leichterer Gewichte als vereinbart vom Glockensachverständigen aber mit Vehemenz abgelehnt worden. Der zweite Guss erfolgte dann im ersten Quartal 1951. Diese neuen Glocken entsprachen Schlicks Erwartungen und konnten daraufhin im Turm montiert werden.

Als Patronat für die zweite Glocke wählte man in Pietenfeld Maria, die Dreimal wunderbare Mutter. Vielleicht wollte man damit tiefe Dankbarkeit für das Ende des Zweiten Weltkriegs und der Nazi-Herrschaft bezeugen, vielleicht wollte man aber auch - wie bereits 1942 Bischof Michael Rackl die ganze Diözese - die Pfarrei dem besonderen Schutz der Dreimal wunderbaren Mutter anempfehlen.

1972 ist das Pietenfelder Geläute mit elektrischen Glockenantrieben ausgestattet worden. Gleichzeitig ersetzte man den bis dahin vorhandenen Holzglockenstuhl durch ein Stahlkonstrukt.
Warum in diesem Zusammenhang die vorhandene Stapf-Glocke einer neuen Perner-Glocke weichen musste, lässt sich aus den vorhandenen Akten leider nicht rekonstruieren. Ebenfalls unbekannt ist bis dato der Verbleib der Stapf-Glocke.

Ständig auftretende Störungen an den Läutemaschinen waren 2015 schließlich der Anlass für ein grundlegende Überarbeitung der Pietenfelder Glockenanlage. Auf Empfehlung des Glockensachverständigen Thomas Winkelbauer wurden die Glocken mit neuen Antrieben, sowie mit gut dimensionierten Holzjochen und neuen, leichteren Klöppeln ausgestattet.

Erzengel-Michael-Glocke

Die Erzengel-Michael-Glocke bildet seit 1951 als eintausendeinhundertundsechste Glocke des Landshuter Glcokengießers Johann Hahn das Fundament dieses Glockenensembles. Ihr Patronat bezieht sich auf den Kirchenpatron, den heiligen Erzengel Michael.

Schlagton: f'
Material: Bronze

Gießer: Johann Hahn, Landshut
Gußjahr: 1951

Durchmesser: 1.155 mm
Gewicht: 950 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Flanke:
ST. MICHAEL,
MILES GRATIAE, ADESTO!
auf der Rückseite der Flanke im Gießerwappen:
1106
1951
JOHANN HAHN
LANDSHUT

Marienglocke

Für diese Glocke wählte man als Patronin die Selige Jungfrau Maria, die Dreimal wunderbare Mutter. Nur wenige Glocke auf Eichstätter Diözesangebiet haben das gleiche Patronat, noch weniger neben einer entsprechenden Inschrift auch ein adäquates Bildnis dazu.

Schlagton: as'
Material: Bronze

Gießer: Johann Hahn, Landshut
Gußjahr: 1951

Durchmesser: 970 mm
Gewicht: 566 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
B. JACOBE REM. STUDIOSE GRATIAE, O. P. N.!
auf der Vorderseite der Flanke im Bildnis:
WUNDERBARE MUTTER
darunter:
MATER TER ADMIRABILIS,
FAC GRATIA NOS AMABILES!
auf der Rückseite der Flanke im Gießerwappen:
1107
1951
JOHANN HAHN
LANDSHUT

Josephglocke

Die Josephglocke ist zugleich Klangkrone und jüngste Glocke des Pietenfelder Glockenensembles. Sie ersetzt seit 1972 eine 1815 gegossene Glocke des Eichstätter Glockengießers Joseph Stapf.

Schlagton: b'
Material: Bronze

Gießer: Rudolf Perner, Passau
Gußjahr: 1972

Durchmesser: 873 mm

Gewicht: 382 kg

Inschrift:
auf der Vorderseite der Schulter:
SEHT, DAS IST DER TREUE UND KLUGE KNECHT, DEN DER HERR ÜBER SEINE FAMILIE BESTELLT.
auf der Rückseite der Schulter:
PIETENFELD
auf der Rückseite der Flanke im Gießerwappen:
RUDOLF
PERNER
ANNO
DOMINI
1972
PASSAU



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