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14.05.2021

Lithographiestein der Teresa von Ávila im Depot des Diözesanmuseums

Der Lithographiestein der Teresa von Ávila lagert im Depot des Eichstätter Diözesanmuseums. Foto: Katharina Hupp/Diözesanmuseum

Eichstätt. (pde) – Im Depot des Eichstätter Domschatz- und Diözesanmuseums lagern zahlreiche Schätze. Katharina Hupp, Fachkraft für Kultur- und Denkmalpflege im Diözesanmuseum, stellt einen davon vor: Es ist ein Lithographiestein, dessen Inschrift auf den ersten Blick kaum zu entziffern ist. Denn die Schrift ist spiegelverkehrt graviert und zudem auf Spanisch. Das originale Autograph befindet sich im Archivo Histórico National in Madrid. Mercedes Colomer Barba, Lektorin für Spanisch an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat die Inschrift übersetzt:

„Eines Tages sagte der Herr zu mir: Einerseits wünschst du dir immer Aufgaben und andererseits lehnst du sie ab. Ich ordne die Dinge danach an, was ich über deinen Willen weiß, nicht nach deiner Sinnlichkeit und Schwäche; strenge dich an; du siehst, wie sehr ich dir helfe; es ist mein Wunsch, dass du diese Krone für dich gewinnst; zu deiner Lebenszeit wirst du sehen, wie fortgeschritten der Orden der Jungfrau Maria ist. Das hörte ich am ersten Februar des Jahres 1571. Teresa von Jesus“.

„Diese Worte vernahm vor 450 Jahren Teresa von Ávila, auch bekannt unter ihrem Ordensnamen Teresa von Jesus“, erklärt Katharina Hupp. Sie wird am 25. März 1515 als drittes von zehn Kindern in Ávila (Kastilien/Spanien) geboren und lernt auf Veranlassung des Vaters Lesen und Schreiben. 1531 kommt sie zur weiteren Erziehung in das Augustinerinnenkloster Santa María de la Gracia, das sie aus gesundheitlichen Gründen nach eineinhalb Jahren wieder verlassen muss. Schließlich tritt sie am 2. November 1535 in den Karmel von der Menschwerdung (La Encarnación) in Ávila ein und legt am 3. November 1537 ihre Ordensprofess ab. Zeit ihres Lebens hat Teresa gesundheitliche Leiden, 1539 fällt sie sogar für mehrere Tage in eine Art Todesstarre. Heute wird vermutet, dass Teresa an Epilepsie, Depression oder Brucellose litt.

In der sogenannten Gründungssitzung mit Freundinnen und Verwandten im September 1560 spricht Teresa erstmals den Wunsch aus, eine reformierte Gemeinschaft zu gründen. In dieser sollten wieder die ursprünglichen Regeln des Ordens der Karmeliten gelten: die Loslösung von der Welt und von dem eigenen Ego, das Bußgebet sowie das Leben in Armut. Am 24. August 1562 wird der Konvent vom heiligen Josef (Convento de San José) als erster Konvent der Unbeschuhten Karmelitinnen gegründet. Zusammen mit Johannes vom Kreuz werden weitere 16 Konvente des reformierten Ordens gegründet und letztlich wird sie neben Johannes vom Kreuz auch die Gründerin des männlichen Zweigs der Teresianischen Karmeliten.

1582 stirbt Teresa von Ávila und wird schon 1614 selig- und 1622 heiliggesprochen. 1970 ist sie die erste Frau, die zur Kirchenlehrerin ernannt wird. Bis heute gilt sie als große Mystikerin: Ihre geistig-mystischen Erfahrungen hat sie in zahlreichen Schriften hinterlassen, die bis heute in unzähligen Büchern veröffentlicht sind und auf der gesamten Welt gelesen werden.

„Dabei ist der ständige Leitgedanke in Teresas Lehre die Konzentration auf das sogenannte innere Gebet“, verdeutlicht Hupp: Es sei das Finden zu sich selbst, zu einem losgelösten und selbstlosen Ich, dass sich ganz und gar auf Gott einlässt und im ständigen Kontakt mit ihm als einem Vertrauten und Freund steht – mit den Worten Teresas:

„Denn meiner Meinung nach ist inneres Beten nichts anderes als Verweilen bei einem Freund, mit dem wir oft allein zusammenkommen, einfach um bei ihm zu sein, weil wir sicher wissen, dass er uns liebt.“ (Das Buch meines Lebens, Kap. 8)

Weitere Informationen beim Diözesanmuseum Eichstätt unter Tel. (08421) 50-266 oder online unter www.dioezesanmuseum-eichstaett.de.



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