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29.08.2013

„Kinder im Blick“ – Pionierkurs der Erziehungs- und Familienberatung Ingolstadt im Bistum Eichstätt

Eichstätt. (pde) – Wenn Eltern sich trennen, leiden darunter meist vor allem die Kinder. Um in solchen schwierigen Familiensituationen noch besser als bisher helfen zu können, bietet die von Caritas und Diakonie getragene Erziehungs- und Familienberatung Ingolstadt seit kurzem einen Elternkurs „Kinder im Blick“ an. Die Ingolstädter Einrichtung tut dies als erste der fünf Erziehungsberatungsstellen der Caritas im Bistum Eichstätt. Derzeit läuft der zweite Kurs. Er versteht sich nicht als Therapie- oder Selbsthilfegruppe, sondern als Seminar, um betroffenen Eltern „Handwerkszeug“ für einen besseren Umgang miteinander und dem Kind zu vermitteln. „Wir erleben ihn als äußerst sinnvolle Ergänzung zu unserer täglichen Arbeit mit Scheidungsfamilien“, erklärt die stellvertretende Leiterin der Erziehungsberatung, Ulrike Foidl.

Foidl und ihre Kollegin Johanna Ress – beide Diplom-Psychologinnen – hatten an einer speziellen Fortbildung teilgenommen, bei der sie intensiv das nötige „Coaching“ – vor allem in Rollenspielen – einübten. Im derzeitigen Sommerkurs helfen die beiden Kursleiterinnen an sechs Abenden drei Stunden lang knapp zehn Vätern und Müttern, verschiedene Fertigkeiten einzuüben: „Zum Beispiel, wie man einen guten Kontakt zum Kind pflegen kann, obwohl man es nur am Wochenende sieht, wie wenig Zeit zu einer intensiven wertvollen Zeit werden kann und wie aus Konfliktgesprächen mit dem Ex-Partner ein bisschen das Tempo herausgenommen werden kann“, erläutert Ulrike Foidl. Als besonders wichtig sieht sie es, dass Eltern dabei erst selbst „auftanken, damit sie dann auch wieder besser für die Kinder da sein können“.

Nach ihrer Erfahrung ist es bei manchen Beteiligten schon zu Erfolgen aufgrund des Trainings im Kurs gekommen, etwa bei einem Landwirt, der sich zuvor nie richtig entspannt hatte: „Er hatte als Kurs-Hausaufgabe seinen Kontrollgang über die Felder nun einmal nicht mit dem Traktor, sondern zu Fuß gemacht, dies als äußerst schön und wohltuend empfunden, sodass er nun öfters diesen Spaziergang machen will.“ Ein besseres Verhältnis zum Kind habe ein Teilnehmer bekommen, indem er die Kursempfehlung „beschreibend loben“ umsetzte. Dieses sei äußerst erfreut darüber gewesen, dass der Vater ein gemaltes Bild des Kindes nicht nur als „schön“ kommentierte, sondern mit mehr Einfühlungsvermögen äußerte, dass „mir die Farben so gut gefallen und ich sehe, wie viel Mühe du dir gemacht hast“. Als besonders sinnvoll erfährt Ulrike Foidl, dass Eltern im Kurs auch einmal in die Rolle des Kindes schlüpfen und am eigenen Leib erfahren, wie Reaktionen der Eltern bei diesem Gefühle auslösen können. „Wichtig dabei ist, dass wir Trainer die Rollenspieler so lange coachen, bis sie auf jeden Fall mit einer positiven Erfahrung herausgehen können, denn sie sollen ja etwas lernen und nicht vorgeführt werden“, betont die Mitarbeiterin der Erziehungsberatungsstelle. Auch Streitgespräche mit dem Ex-Partner werden im Rollenspiel mit den anderen Teilnehmern trainiert. Dabei zeige sich, dass die Betroffenen auch in besonderer Weise die Einschätzungen der anderen am Kursteilnehmer schätzen, insbesondere solche aus der Perspektive des anderen Geschlechts. „Es sind auch bereits Treffen über die Zusammenkunft im Kurs hinaus zum weiteren Austausch entstanden“, freut sich Ulrike Foidl über eine offenbar längerfristige Auswirkung des Trainings.

Ebenso lernen die Kursteilnehmer, wie sie auf heikle Situationen im Umgang mit dem Kind angemessen reagieren können. Wenn zum Beispiel das Kind erzählt, dass es von der neuen Freundin des Vaters ein Geschenk bekommen hat, sollte man als Mutter so reagieren, dass sich das Kind nicht abgewertet fühlt, man sich selbst aber auch nicht verbiegen muss – zum Beispiel mit einer Beschreibung des Geschenks: „Ich sehe, dass du dich darüber sehr freust. So etwas hattest du dir ja auch schon lange gewünscht.“ Vor allem dann, wenn Kinder wieder mehr erzählen, ist das nach Erfahrung von Ulrike Foidl ein Zeichen, dass sie Veränderungen positiv wahrnehmen, „und das erleben dann auch unsere Teilnehmer als besondere Freude“.

Im Herbst startet ein neuer Elternkurs „Kinder im Blick“ der Erziehungs- und Familienberatung Ingolstadt. Die genauen Zeiten werden in den nächsten Wochen festgelegt. Teilnehmen können – solange es freie Plätze gibt – prinzipiell alle Eltern, die sich in einer Trennungssituation befinden oder eine solche hinter sich haben. Für die Beteiligten ist der Kurs kostenfrei. Paare in einer Trennungssituation können nicht am selben Kurs teilnehmen, aber an unterschiedlichen Trainings. Die Teilnehmer sollten zu ihren Kindern – die aber nicht jünger als vier Jahre sein sollen – Kontakt haben. Vor einer Teilnahme sollte ein Vorgespräch mit einer der beiden Kursleiterinnen stattfinden. Kontakt: Erziehungs- und Familienberatung, Gabelsbergerstraße 46, 85057 Ingolstadt, Telefon: 08 41 / 99 35 44 0, E-Mail: erziehungsberatung(at)caritas-ingolstadt(dot)de. Genauere Informationen über den deutschlandweit angebotenen Kurs gibt es im Internet unter “www.kinderimblick.de“.



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