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25.12.2008

Gott wird Mensch: Befreiung vom Diktat innerweltlicher Leitwerte - Weihnachtspredigt von Bischof Gregor Maria Hanke

Eichstätt, 25.12.2008. (pde) - Weihnachten ist nach den Worten des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke OSB eine Chance, dem „Diktat innerweltlicher Leitwerte“ zu entfliehen. Viele Menschen stünden unter dem Zwang, ständig immer perfekter werden zu müssen, stellte der Bischof beim Pontifikalgottesdienst am Weihnachtstag im Eichstätter Dom fest. Ob im Beruf oder im Privatleben – man müsse Stärke zeigen und Erfolge vorweisen, so die gängige gesellschaftliche Norm. „Dem gejagten Selbst, das sich permanent fragen muss: Wie komme ich noch besser an? verkündet die Weihnachtsbotschaft Befreiung und Entlastung.“

Das Fest der Menschwerdung Gottes sage: „Gott ist als der wahre Mensch angekommen beim Menschen.“ In Jesus Christus werde deutlich, was der Mensch in den Augen Gottes ist. Deshalb müsse sich der Mensch nicht fortwährend nur den gerade gängigen Leitwerten der Gesellschaft anpassen. Das Kommen Gottes als kleines Kind zeige den Weg zu wahrer Menschwerdung und bedeute für jeden: Du bist von Gott geliebt. Damit bilde Weihnachten einen Kontrast zum „harten Imperativ fortwährender Selbstoptimierung.“

Der gesellschaftliche Druck zu ständiger Perfektionierung ängstige viele Menschen und mache sie zum „getriebenen Ich“, kritisierte der Bischof in seiner Predigt. In einer Welt des grenzenlosen Wirtschaftsdenkens dürfe man sich keine Schwächen leisten und müsse ständig in Bewegung bleiben, um sich behaupten zu können. Unmenschliche Erfahrungen wie diese, aber auch die in den Veränderungsdruck eingebaute Zeitnot hätten in der Gesellschaft eine Suchbewegung nach Hilfe in Gang gesetzt. Die Botschaft von Weihnachten sei darauf eine Antwort: „Willst Du, Mensch, Anteil haben am wahren Menschsein, dann verbinde dich mit Gott. Der Menschgewordene führt Dich den Weg der Menschwerdung.“

„Gott will den Dialog auf Augenhöhe“
Bei der Christmette am Heiligen Abend im Eichstätter Dom griff Bischof Gregor Maria Hanke die Frage an die Kinder auf: Was hat das Christkind gebracht? Für viele Erwachsene stelle sich eine ähnliche Frage, wenn auch in einem etwas anderen Sinn: Was bringt Weihnachten für mein Leben? Die Antwort werde oft von der gängigen Auffassung bestimmt: Jeder muss seine eigene religiöse Richtung finden, wie sie ihm gut tut, und dementsprechend mag er selig werden. Doch damit werde das Leistungsschema der Wirtschaft und des Konsums auf den Bereich der Religion übertragen, so der Bischof: Wie in der Welt des Konsums das Neue und die Kreativität zählen, so solle sich der Mensch auch sein religiöses System je neu erarbeiten. Weihnachten lade hingegen ein zum „Fest der Begegnung zwischen Gott und Mensch, das Gott bereitet hat.“ Der Mensch müsse nur hintreten zur Krippe, um den Weg zum Leben zu finden, in einer ganz persönlichen Beziehung zu Gott.

Gottes Sohn komme nicht als Beobachter, sondern werde ein Du, um mit den Menschen in einen Dialog „auf Augenhöhe“ zu treten. „Gott umarmt in seiner Menschwerdung die Menschheit, ihre Geschichte, die Freuden, Sorgen und Nöte eines jeden einzelnen.“