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07.07.2003

„Die verlorenen Väter“ - Erzbischof Paul Josef Cordes am Willibaldstag zur Rolle des Vaters

Eichstätt. (pde) – Eine verstärkte Beschäftigung mit der Rolle des Mannes und Vaters hat Erzbischof Paul Josef Cordes in seiner Ansprache vor Priestern, Religionslehrern, Pastoral- und Gemeindereferenten des Bistums Eichstätt am traditionellen Willibaldstag gefordert. Der Referent, Präsident des päpstlichen Rates „Cor Unum", bot zu dieser Problematik einige Beobachtungen und Deutungen.

Zunächst - so seine Ausführungen - sehe es so aus, als sei die väterliche und überhaupt die männliche Identität immer mehr von Irritationen und Frustrationen geprägt. Mit der Propagation eines neuen Männerbildes sollten Männer und Väter veranlasst werden, Verhalten und Reaktionen den Frauen und Müttern anzugleichen. Die staatliche Gesetzgebung reagierte auf die Aufwertung fraulicher Eigenschaften mit einer spürbaren Einschränkung des Sorgerechts für Kinder bei Männern. Desweiteren fehle in Deutschland jeder vierten Familie der Vater. Dieser Ausfall fördere nach den Worten Cordes nicht zuletzt die Gewaltbereitschaft und den Zulauf zu rechtsextremen Gruppen. „Fehlende Identifikation mit dem Vater führt zum Aufbrechen tradierter Männlichkeitsvorstellungen, zu ausgesprochenem Macho-Gehabe und zu Gewaltbereitschaft.“

Aber auch für die religiöse Sozialisation sei das Verhältnis zum eigenen Vater mit entscheidend. So werde das Gottesbild von der individuellen Vatererfahrung mitgeformt. Cordes erinnerte daran, dass Jesus den Jüngern nach deren Bitte, sie beten zu lehren, die Anrede „Vater“ für Gott nahe legte. Dies sei für die damalige Zeit eine eher unübliche Anrede für Gott gewesen und betone die innige Geborgenheit die Gott gewähre.

Schließlich ging Cordes noch auf die „geistige Vaterschaft“ ein, die nicht auf einer biologischen Basis stehe. Es gibt nach seinen Worten auch eine Vaterschaft, die in geistig begründeter Zuwendung besteht. Beispiele gebe es bei Ordensgründern und Einsiedlern, Gurus und Zen-Meistern. Die Chance einer geistigen Vaterschaft sei die Wertvermittlung zwischen Meister und Jünger, die freilich auch die Erziehungsweise des biologischen Vaters beeinflussen solle.

 



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