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29.01.2014

Das Collegium Willibaldinum in Eichstätt wird 450 Jahre alt. Es hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich

Collegium Willibaldinum

Das Bischöfliche Seminar Eichstätt (Collegium Willibaldinum). pde-Foto: Anika Taiber

Eichstätt. (pde) – Das Bischöfliche Seminar in Eichstätt, das Collegium Willibaldinum, feiert in diesem Jahr sein 450-jähriges Bestehen. Ein Symposium im Mai und eine große Jubiläumsfeier im Oktober sind die Höhepunkte im Jubiläumsjahr. Die Geschichte des Priesterseminars prägte ein langes Auf und Ab – und ein entschlossener Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Regens Christoph Wölfle, der Leiter des Bischöflichen Seminars, ist stolz auf die lange Tradition des Hauses. Das Collegium Willibaldinum war mit seiner Gründung am 26. November 1564 das erste Priesterseminar dieser Art nördlich der Alpen. Ausgangspunkt dafür war das sogenannte „Seminardekret“, das die katholische Kirche 1563 nach dem Konzil von Trient erließ. „In der Reformationszeit wurden Defizite in der Kirche deutlich und sie hat erkannt, dass sie an bestimmten Bereichen arbeiten muss – unter anderem an einer verbesserten Priesterausbildung“, erklärt Wölfle.

Seitdem hat sich viel verändert. Den Seminarbetrieb in den 450 Jahren aufrecht zu erhalten, war oft schwer: Lange stand es schlecht um die finanziellen Mittel des Seminars, die Zahl der Alumnen – also der Priesteramtskandidaten – schwankte stark. In den Jahren 1819 und 1821 beispielsweise bestand das Seminar nach Angaben von Dr. Franz Heiler von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt nur aus dem Vizeregens und einem einzigen Priesteranwärter.

Besonders schwierig war die Lage des Seminars in der Zeit des Nationalsozialismus. Die katholische Kirche galt vielfach als Feind, der Staat wollte sich in die Priesterausbildung einmischen. Die Eichstätter Seminarleitung und Bischof Konrad Graf von Preysing versuchten energisch, die staatliche Einflussnahme zu verhindern. Das war nicht einfach, erklärt Regens Christoph Wölfle: „Es war eine Extremsituation, die Gestapo war teilweise wöchentlich im Haus.“ Auf einer Druckpresse im Collegium Willibaldinum seien Widerstands-Schriften und kritische Texte gedruckt worden. „Ich bin beeindruckt, wie mutig die Menschen damals waren und wie entschieden sie gegen den Nationalsozialismus gearbeitet haben.“ Ein an Propagandaminister Goebbels gerichteter offener Brief, der Verleumdungen gegenüber der katholischen Kirche als Lügen entlarvte, stammte beispielsweise vom Eichstätter Kirchenrechtler Professor Josef Lechner.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurden fast alle deutschen Universitäten geschlossen. Weil Kardinal Bertram als Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz einschritt, durften zumindest die bischöflichen Lehranstalten in Paderborn, Fulda und Weidenau den Lehrbetrieb fortsetzen – Eichstätt war zeitweise die einzige geöffnete theologische Ausbildungsstätte in Süddeutschland. Viele Studenten und Priesteramtskandidaten fanden Zuflucht in Eichstätt. Vom Sommersemester 1939 bis zum darauffolgenden Wintersemester verdoppelte sich die Zahl der immatrikulierten Studenten fast. Ab Juli 1944 hielten sich zudem zeitweise bis zu 100 Priesteramtskandidaten aus Litauen im Seminar auf. Sie waren vor den heranrückenden sowjetischen Truppen geflüchtet. Aber das Kriegsgeschehen machte sich auch auf andere Weise im Seminar bemerkbar: Es gab Einschränkungen bei Verpflegung, Strom und Heizung, immer jüngere Studenten wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Hochschule und Seminar mussten zum Ende des Krieges 269 Gefallene und 70 Vermisste beklagen.

Heute hat sich das Seminar geöffnet, ist international geworden. Der Priestermangel ist auch hier zu spüren: In der aktuellen Hausgemeinschaft leben nur noch 14 Alumnen aus Eichstätt und vier aus weiteren deutschen Diözesen. Dazu kommen aber elf Männer aus anderen Ländern wie Tschechien, Nigeria und Ruanda. Für Regens Christoph Wölfle sind internationale Kontakte wichtig: „Um ein Seminar gut führen zu können, braucht man eine gewisse Gruppengröße, damit eine Gemeinschaft entstehen kann.“ Vom Miteinander profitieren alle Seiten. In den Räumen des Bischöflichen Seminars gibt es heute außerdem eine weitere eigenständige Gemeinschaft, das Collegium Orientale. Dort werden vor allem Priesteramtskandidaten unterschiedlicher Ostkirchen ausgebildet. Das Collegium Orientale und das Collegium Willibaldinum verbindet ein regelmäßiger Austausch.

So blickt Wölfle optimistisch in die Zukunft: Dass man nun eine Krise durchleide, könne Vorbote eines neuen Aufschwungs sein. Das Eichstätter Priesterseminar sieht er gut aufgestellt. Die Internationalität, die lange Tradition, die Verbindung mit der einzigen katholischen Universität im deutschsprachigen Raum und mit dem Collegium Orientale seien gute Argumente für einen weiteren Fortbestand. Auch für die Stadt und die Diözese habe das Priesterseminar eine große Bedeutung. Die vergangenen 450 Jahre beeindrucken Wölfle selbst: „Es ist immens, was hier an Idealismus, Kraft und Arbeit eingeflossen ist.“ Dass sich in unserer säkularisierten Welt immer wieder junge Menschen finden würden, die ihr Leben in Gottes Dienst stellen wollen, stimme ihn zuversichtlich: „Am Beispiel des Seminars sehen wir, dass es immer eine Zukunft gibt.“

Das Jubiläum des Collegium Willibaldinum wird mit mehreren Veranstaltungen gefeiert. Am 23. und 24. Mai beschäftigt sich ein Symposium mit der Priesterausbildung im Wandel der Zeit. Auch Kardinal Walter Brandmüller wird sich mit einem Vortrag daran beteiligen. Am 11. Oktober findet die offizielle Jubiläumsfeier statt – gefolgt von einem Tag der Begegnung am 12. Oktober, bei dem interessierte Bürger auch das Seminar besichtigen können.

Weitere Informationen unter "www.priesterseminar-eichstaett.de"

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