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31.12.2013

Christen sollen sich eine eigene Meinung bilden: Silvesterpredigt von Bischof Gregor Maria Hanke

Eichstätt. (pde) – Eine Kontrastgesellschaft soll die Kirche sein, vor allem wenn es darum geht, öffentliche Urteile zu fällen, oder sich angesichts verschiedener Hypes des letzten Jahres von Tratsch beeinflussen zu lassen. Bischof Gregor Maria Hanke blickte in der Predigt während der Jahresschlussandacht an Silvester im Eichstätter Dom auf ein bewegtes Jahr in Kirche und Gesellschaft zurück.

Vor allem der Wechsel von Papst Benedikt zu Papst Franziskus und die Vorgänge rund um die Kontroverse beim Bau des neuen Dienstsitzes auf dem Limburger Domberg waren die zentralen Themen der Predigt des Eichstätter Bischofs. Dabei betonte Hanke, dass es insbesondere für Christen nötig sei „sich eine eigene Meinung zu bilden, statt Meinungen abzulesen“. Deshalb wäre es aus seiner Sicht auch bedenklich, „wenn die verantwortungsvolle Rolle der Medien innerhalb der freiheitlich-demokratischen Gesellschaft eine Verdunklung erführe, weil der mediale Einsatz für Transparenz und Klarheit ausfranst in einen Wettlauf um Stories und Sensationen.“

Das zu Ende gehende Jahr war kirchlicherseits durch das „Jahr des Glaubens geprägt“. Papst Benedikt hatte dieses Jahr der „Vergewisserung und Vertiefung des eigenen Glaubens“ ausgerufen und eröffnet, Papst Franziskus schließlich beendet. Mit seinem Rücktritt, den Bischof Hanke als „Paukenschlag nicht nur für uns Katholiken, sondern für die Weltöffentlichkeit“ bezeichnete, offenbarte Papst Benedikt das Grundverständnis seiner Amtsführung: Gesunde Selbstdistanz und zugleich starkes Gottvertrauen. Papst Franziskus begeistert die Menschen, wobei seine Zeichen und Gesten gerade im deutschsprachigen Raum das „Schicksal eines Selbstbedienungsladens“ erfahren würden. Bischof Hanke kritisiert mit diesen Aussagen die Praxis, dass sich bestimmte kirchenpolitische Vorinteressen durch Selektion der Worte des Papstes bedienen, nicht selten um einen scharfen Gegensatz zwischen ihm und seinem Vorgänger zu zeichnen. Dadurch zeige sich die „hierzulande vorhandene Hörschwäche“ gegenüber der Verkündigung von Papst Benedikt. So war es Benedikt, der bereits 2006 einen einfachen und glaubwürdigen Lebensstil der Christen anmahnte und spätestens in der sogenannten „Freiburger Rede“ für eine arme Kirche eintrat.

Das Thema „Kirche und Geld“ wurde 2013 angesichts der medialen Debatte sehr konkret. Auch wenn die Kirche in Deutschland im Vergleich zur weltkirchlichen Situation „wahrlich nicht arm ist“, so müsse sie sehr sorgsam mit dem ihr von den Gläubigen anvertrauten Geld umgehen. Vor allem sei sie bemüht, so Bischof Hanke, das durch Kirchensteuer eingehende Geld zum Nutzen für die Pastoral, für die großen kirchlichen Schulen und deren Bauunterhalt, für Kindergärten, für die Jugendarbeit, für die Fortbildung der Mitarbeiter, für soziale und weltkirchliche Zwecke einzusetzen. Darüber hinaus treffe sie durch Rücklagenbildung Vorsorge für „extreme und nicht mehr kurierbare Notfälle des Haushaltes“, während die öffentliche Hand die Haushalte belastet und „mehr ausgibt, als sie einnimmt.“

Es ist auch ein Dienst an der Meinungsfreiheit, wenn Christen angesichts verschiedener Hypes des letzten Jahres, etwa des „medialen Sturmtiefs“ über dem Bischof von Limburg, mehr christliche Besonnenheit üben würden. „Christen, die durch Taufe und Firmung zum Dienst in und an der Welt bestellt sind, sollten Meinungen nicht einfach nur ablesen, sie müssen sich eine eigene Meinung bilden“. Hanke kritisierte in diesem Zusammenhang die „Eindeutigkeit kirchlicher Stimmen, die schon vor dem Abschlussbericht der Untersuchungskommission öffentlich das Urteil gefällt haben, der Bischof könne keinesfalls zurückkehren“. Hier müsse die Kirche Kontrastgesellschaft sein, wenn sie andere Maßstäbe wenigstens in Betracht ziehe, als sie etwa in einem Parteiapparat Anwendung fänden, bei einem in den Medien oder bei einer Wahl durchgefallenen Vorsitzenden.