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22.09.2014

Caritas unterzeichnet Charta für menschenwürdiges Sterben

Caritasdirektor Franz Mattes, Eva-Maria Schork

Caritasdirektor Franz Mattes unterschrieb die Charta zur Betreuung schwerstkranker und ster-bender Menschen in Deutschland. An der Umsetzung dieser Initiative für den Eichstätter Cari-tasverband war wesentlich Altenhilfereferentin Eva-Maria Schork beteiligt, die darüber auch in einem Vortrag informierte. Foto: Caritas/Esser

Eichstätt. (pde) - Der Caritasverband für die Diözese Eichstätt hat am Freitag 19. September, die Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland unter-zeichnet, die von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes und der Bundesärztekammer herausgegeben wurde. Unterschrieben haben sie auch alle Seniorenheime des Caritasverbandes, die von ihm beratenen rechtlich selbststän-digen Caritas-Sozialstationen sowie das Caritas-Zentrum St. Vinzenz und die Caritas-Wohnheime und Werkstätten Ingolstadt.

Gegen Legalisierung der Tötung auf Verlangen

Mit diesem Schritt bekennt sich die Caritas Eichstätt unter anderem zu dem in der Charta ge-nannten Ziel, sich dafür einzusetzen, "ein Sterben unter würdigen Bedingungen zu ermöglichen und insbesondere den Bestrebungen nach einer Legalisierung der Tötung auf Verlangen durch eine Perspektive der Fürsorge und des menschlichen Miteinanders entgegenzuwirken. Dem Sterben als Teil des Lebens ist gebührende Aufmerksamkeit zu schenken." Zudem soll „der Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen thematisch differenziert und spezifiziert in die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Beteiligten in den verschiedensten Bereichen integriert“ werden.

Caritasdirektor Franz Mattes sagte vor rund 50 Verantwortlichen von Caritaseinrichtungen in der Kapelle der Eichstätter Caritas-Zentrale, es gehe darum, ein menschenwürdiges, begleitetes und möglichst auch schmerzfreies Sterben zu fördern. Caritas-Altenhilfereferentin Eva-Maria Schork  ging in einem Vortrag auf gesellschaftspolitische Herausforderungen, Anforderungen an die Versorgungsstrukturen sowie an die Weiterbildung ein, die mit den Leitsätzen der Charta zusammenhängen. Eine Herausforderung ergebe sich aus einem Prozess des Umdenkens in der Gesellschaft, nach dem das Ziel Lebensqualität zunehmend im Rang höher stehe als das Ziel Lebenserhalt. Für die Caritas-Seniorenheime sowie die -Sozialstationen sei die Herausfor-derung besonders groß, weil jeweils rund ein Viertel der Menschen Schork zufolge derzeit zu Hause oder in Heimen stirbt. Hingegen seien es nur ein bis zwei Prozent in Hospizen sowie Pal-liativstationen, „den Vorzeigeeinrichtungen der Politik“, machte die Caritas-Altenhilfereferentin deutlich.

Schulung und Projekt zur Entlastung

Dem Ziel Lebensqualität werde vor allem durch „personale Präsenz und Zuwendung“ entspro-chen. „‘Zuhören‘ hat nachweislich einen therapeutischen Effekt, hilft belastende Symptome lin-dern – auch wenn wir keine Leistung abzeichnen können, sollten wir uns das leisten! Gefragt ist oft mehr das ‚Dasein‘ als das ‚Tun‘! Die aktuelle Situation, ob ambulant oder stationär, ist dies-bezüglich ein Sorgenkind“, zeigte Schork die Richtung und gleichzeitig derzeitige Defizite aus Caritassicht auf. Mitarbeitende empfänden immer wieder, „nicht genug tun zu können, klagen über Zwänge und zu wenig Zeit“.

Um gegen diese Entwicklung vorzugehen bietet der Caritasverband nach Information von Eva-Maria Schork als „Hilfestellung“ eine Schulungsreihe an, um belastende Situationen unter dem Blickwinkel des vermeidbaren und des unvermeidbaren Leides zu betrachten. „Nicht alles ist veränderbar und liegt in unseren Händen. Reflektion und Aufarbeitung sorgen aber für Entlas-tung.“ Als einen weiteren Schritt zu solcher Entlastung habe der Caritasverband ein neues Pro-jekt gestartet, um Pflegeleitlinien, ethische Fallbesprechungen und Vernetzungsarbeit in den 19 Caritas-Seniorenheimen umzusetzen. Dieses wird nach Mitteilung des Caritasverbandes zu-nächst für ein Jahr mit 300.000 Euro aus Caritas-Sammlungsmitteln finanziert.

Hörfunk-Beitrag: Caritas gegen Sterbehilfe