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19.05.2020

Caritas unterstützt bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung

Bessere Chancen für Kinder aus überschuldeten Familien fordert Caritasberater und -sprecher Hans Wiesner. Die Aktionswoche Schuldnerberatung Ende Mai soll die Problematik bewusst machen. pde-Foto: Caritas/Esser

Eichstätt. (pde) – „Chancenlose Kinder? Gutes Aufwachsen trotz Überschuldung!“ So lautet das Motto der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 25. bis 29. Mai. Aufgrund der Coronakrise findet sie eingeschränkt durch einige Plakat- und Presseaktionen sowie Initiativen im Internet statt. Unterstützt wird das Anliegen von den fünf Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen des Caritasverbandes Eichstätt. Deren Sprecher Hans Wiesner von der Caritas-Kreisstelle Eichstätt erklärt: „Kinder haben das Recht auf eine von Schuldenproblemen unbelastete Kindheit und Jugend sowie gute Startbedingungen für ihre Zukunft.“

Die Realität sieht allerdings oft anders aus: Rund ein Fünftel aller Kinder in Deutschland lebt nach Mitteilung der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände dauerhaft oder wiederkehrend in Armutslagen. „Besonders betroffen sind dabei Kinder von alleinerziehenden Eltern sowie Kinder mit mehreren Geschwistern und Kinder von erwerbslosen Eltern. Familienarmut ist damit oft auch Kinderarmut“, informiert die Arbeitsgemeinschaft. „Manchmal sind die Kinder in der Beratung ihrer Eltern mit dabei und man merkt ihnen sichtlich an, dass sie von der Überschuldungssituation der Familie betroffen sind“, erlebt Hans Wiesner.

Im Gespräch, so der Schuldnerberater, stelle sich oft nicht nur heraus, dass zum Beispiel die Wohnsituation unbefriedigend, Gesundheitszustände der Familienmitglieder problematisch und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kaum möglich seien. Er bekommt dann auch mit, „dass die Kinder zum Beispiel bei Geburtstagsgeschenken mit ihren Freunden nicht mithalten können oder das Geld nicht reicht, um eine Schulfahrt zu finanzieren“. Damit die Familiensituation nicht noch mehr belastet wird, erfährt Wiesner, „dass betroffene Eltern häufig versuchen, den Kindern erst gar nicht mitzuteilen, dass die finanziellen Ressourcen knapp sind“.

Um die Rahmenbedingungen für solche Kinder zu verbessern, schließt sich Hans Wiesner mehreren Forderungen an, welche die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände anlässlich der Aktionswoche erhoben hat. Gefordert wird zum Beispiel, dass Kinder aus armen Familien grundlegend finanziell besser abgesichert werden müssten. „Im Regelsatz des Arbeitslosengeldes II ist für Bildung von Kindern bis zu sechs Jahren ein Betrag von 0,76 Euro und für Kinder von sechs bis 13 Jahren sogar nur von 0,55 Euro enthalten“, informiert der Eichstätter Schuldnerberater. „Das ist einfach zu wenig und reicht nicht, damit sich Betroffene zum Beispiel ein Musikinstrument anschaffen können.“

Für „Patchwork-Familien“, die immer häufiger in die Beratung kommen, sieht Wiesner ein gravierendes Problem darin, dass es keinen Gleichklang von Sozial- und Zwangsvollstreckungsrecht gibt:  „So wird zum Beispiel ein ‚Patchwork-Partner‘ in seiner neuen Familie sozialhilferechtlich verpflichtet, nach Ablauf eines Jahres auch für den Lebensunterhalt der nichtleiblichen Kinder aufzukommen. Wenn er dann aufgrund einer Überschuldung gepfändet wird, dann wird dies bei dessen Pfändungsfreibetrag aber nicht berücksichtigt. Dadurch kommt es immer mal wieder vor, dass eine ‚Patchwork-Familie‘ auf einmal ein Einkommen hat, das unterhalb des Existenzminimums liegt“, erklärt der Schuldnerberater.

Ein weiteres Problem sei, dass bereits Minderjährige als Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft – also vor allem aus Familien, die „Hartz IV“ beziehen – Rückforderungsbescheide vom Jobcenter erhalten können. „Das ist nicht nur ungerecht, weil sie in der Regel nichts für die Situation der Überschuldung können, sondern verschlechtert auch deren Startbedingungen ins Leben“, so Wiesner. Ein weiteres gesetzliches Problem sei, „dass es immer noch keinen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung für alle Hilfesuchenden gibt, sondern sich dieser auf Sozialleistungsempfänger beschränkt. Dadurch werden viele andere Menschen nicht erfasst, die auch große finanzielle Probleme aufgrund von Verschuldung haben“.

Und schließlich muss nach Auffassung des Eichstätter Schuldnerberaters viel stärker als bisher finanzielle Allgemeinbildung von klein auf gefördert werden. Denn in einer auf Konsum ausgerichteten Welt müsse der Umgang mit Geld, Handy und Internet gelernt werden. Dafür bräuchten Kinder und Jugendliche die erforderliche Medien- und Finanzkompetenz. Im Forderungspapier zur Aktionswoche heißt es: „Geeignete Angebote müssen im Kindergarten beginnen und sich in Schule, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit, Jugendberufsagenturen und Familienbildung fortsetzen.“ Wiesner sieht zwei Wege, um dies finanziell zu ermöglichen: „Zum einen müssen die Einrichtungen selbst, insbesondere die Schulen, für diese Arbeit stärker gefördert werden. Zum anderen sollten die Gelder für unsere Schuldner- und Insolvenzberatung um ein Budget für Prävention ergänzt werden.“

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