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28.04.2005

Caritas informierte über Auswirkungen des neuen Kindergartengesetzes - Kirchliche Kindergärten sollen gehalten werden

Eichstätt. (pde) – Kindergärten werden durch das neue Finanzierungsmodell verstärkt zu Dienstleistungsbetrieben an die hohe „Kundenerwartungen“ gestellt werden, so Professor Dr. Klaus Schellberg bei einer Caritastagung zum neuen Kindergartengesetz in Alten Stadttheater Eichstätt. Generalvikar Johann Limbacher betonte, dass trotz der steigenden Anforderungen möglichst keine kirchliche Trägerschaft einer Kindertagesstätte abgegeben werden solle.

Mit dem im Sommer in Kraft tretenden neuen Bayerischen Kinder-, Bildungs- und Betreuungsgesetz kommen auf die 192 katholischen Kindertageseinrichtungen im Bistum Eichstätt große Herausforderungen zu. Um sich über diese eingehend zu informieren, kamen auf Einladung des zuständigen Caritasreferates am Mittwoch rund 300 Kindergartenleiterinnen, Pfarrer und Kirchenstiftungsmitglieder im Alten Stadttheater Eichstätt zusammen. Das neue Gesetz sieht neben dem bereits ab August dieses Jahres geltenden Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan ein neues Finanzierungsmodell vor, das für alle Einrichtungen ab September 2006 verbindlich ist: Ab dann wird eine Kindertagesstätte nicht mehr wie derzeit pro Gruppe gefördert, sondern pro Kind. Die Höhe der Bezuschussung wird zum einen von der gebuchten Nutzungszeit der Eltern für ihr Kind abhängen. Zum anderen gibt es für Kinder mit höherem Förderbedarf - wie behinderte oder ausländische Kinder – mehr Geld als für Regelkinder.

Der Professor für Sozialverwaltung an der Fachhochschule München Dr. Klaus Schellberg erläuterte, wie sich dadurch die Kindertageseinrichtungen zu Dienstleistungsbetrieben entwickeln, die entsprechende Kundenerwartungen erfüllen müssten. Schellberg verheimlichte nicht, dass „dadurch ein Außendruck von der Gesellschaft an Sie herangetragen wird“. Um so wichtiger sei es, im jetzigen Vorfeld „strategische Ziele zu klären, wo man im Jahr 2020 mit der eigenen Einrichtung stehen will“. Diese strategischen Ziele müssten dann „heruntergebrochen“ werden bis zu eventuellen neuen Leitungs- und Arbeitsstrukturen. Ganz wesentlich ist es laut Andrea Peyerl, Mitarbeiterin im Caritasreferat Kindertagesstätten, dass die Einrichtungen in Zukunft „möglichst vielfältige Angebote machen, um Eltern für ihre Einrichtung zu gewinnen“. Dafür sollten auch persönliche Neigungen von Angestellten, etwa im musischen Bereich, verstärkt genutzt werden. Zur Schlüsselfigur werde die Leiterin, die den „Betrieb“ mitsamt EDV und Verwaltung reibungslos organisieren, den Bedarf ermitteln und vor allem mit den Eltern eng kooperieren müsse.

Caritasmitarbeiterin Gabriele Falk ging auf noch „unbefriedigende Aspekte im Gesetzesentwurf ein, die sich in derzeitigen Verhandlungen hoffentlich noch ändern“. Nach jetziger Fassung könnten zum Beispiel lange und viele Krankheitsfälle die Existenz einer Einrichtung bedrohen. Denn staatliche Mittel für Ausfallzeiten seien in einem von vornherein festgelegten Basiswert für die Förderung eines Kindes bereits enthalten. Solche Durststrecken müssten die Einrichtungen daher aus eigener Kraft überstehen.

Generalvikar Johann Limbacher bat Träger von katholischen Kindertageseinrichtungen, die sich angesichts der gravierenden Änderungen überfordert fühlen, „erst zweimal mit dem Bistum Kontakt aufzunehmen“, bevor die Überlegung angestellt werde, die Trägerschaft an die Kommune abzutreten. Erfahrungen in anderen Diözesen zeigten, dass es nahezu unmöglich sei, „eine Trägerschaft wieder zurückzuholen, wenn sie einmal abgegeben ist“. Neben diesem gesellschaftspolitischen Argument sei es aus pädagogischen und pastoralen Gründen äußerst wünschenswert, wenn viele katholische Kindertageseinrichtungen erhalten bleiben. Wenn Familien in der religiösen Erziehung keine Unterstützung mehr erhielten, „dann kann das Wertesystem des christlichen Abendlandes langfristig nicht erhalten bleiben“, so Limbacher. Den Familien selbst könnten die Kinder religiöse Impulse vermitteln „mit dem, was sie aus dem Kindergarten mit nach Hause bringen“. Insofern seien katholische Kindergärten eine „generationsübergreifende Chance“.

Die Leiterin des Caritasreferates Kindertageseinrichtungen, Edith Schmitz, erinnerte an das Zitat von Papst Johannes XXIII „Der Segen einer Pfarrgemeinde beginnt im Kindergarten“. Sie bot die jederzeitige Unterstützung ihres Referates an. Dieses will in den kommenden Monaten auch mehrere detaillierte Fortbildungen und themenbezogene Materialien anbieten: sowohl über den Bildungs- und Erziehungsplan als auch das neue Finanzierungsverfahren, „damit Leiterinnen und Träger das dann leichter in der Praxis umsetzen können. Zum Beispiel werden Modelle erarbeitet, wie Dienstpläne und Elternbeiträge gestaltet werden können“. Ab Frühjahr 2006 soll zudem eine Hotline für individuelle Fragen eingerichtet werden.

 



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