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28.06.2011

Caritas fordert bessere Finanzierung der Schuldnerberatung

Der Caritasverband für die Diözese Eichstätt fordert, die Arbeit von Schuldner- und Insolvenzberatungen besser zu finanzieren. Derzeit arbeiten neun Schuldner- und Insolvenzberaterinnen und -berater an den fünf Caritas-Kreisstellen in Eichstätt.

Eichstätt. (pde) - Der Caritasverband für die Diözese Eichstätt fordert, die Arbeit von Schuldner- und Insolvenzberatungen besser zu finanzieren.  „Sonst können wir unserer Aufgabe für die Betroffenen nicht wirklich gerecht werden“, erklärt Hans Wiesner, Sprecher für diesen Bereich beim Caritasverband anlässlich der noch bis zum 1. Juli stattfindenden bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung. Bei dieser steht das Thema „Finanzierung“ im Mittelpunkt. Wie andernorts, so Wiesner, gebe es auch an den Beratungsstellen im Bistum Eichstätt „monatelange Wartezeiten, verzweifelte Ratsuchende und überlastete Beratungskräfte“. Er verweist darauf, dass nach dem Sozialstaatsprinzip des Grundgesetzes der Staat Hilfen für Ratsuchende in existenziellen und persönlichen Notlagen gewährleisten müsse. „Caritas und andere freie Träger leisten diese Hilfen gerne in dessen Auftrag, aber der Staat muss die Finanzierung sicherstellen“, stellt Hans Wiesner klar.

Derzeit arbeiten neun Schuldner- und Insolvenzberaterinnen und -berater an den fünf Caritas-Kreisstellen in Eichstätt, Ingolstadt, Neumarkt, Roth/Schwabach und Weißenburg. Nach der Statistik des Verbandes berieten sie im vergangenen Jahr 1.222 Hilfesuchende. Unter diesen waren knapp 190 Klienten, die nach dem Verbraucherinsolvenzverfahren – im Volksmund als „Privatkonkurs“ bezeichnet – beraten wurden. Deren Anzahl hat sich laut der Caritasstatistik innerhalb von rund zehn Jahren verfünffacht.

Nach Ansicht Wiesners müssen dringend die Fallpauschalen zur Förderung der Insolvenzberatung des Freistaats Bayern erhöht werden. „Seit rund zwölf Jahren gibt es die Möglichkeit des Verbraucherinsolvenzverfahrens, doch in der gesamten Zeit sind die Pauschalen unverändert geblieben. Das passt nicht zum hohen Beratungsbedarf und den in den letzten Jahren angestiegenen Personal- und Sachkosten“, erklärt Wiesner. Derzeit würden den Beratungsstellen für einen Verschuldeten bei bis zu fünf Gläubigern 338 Euro erstattet, bei sechs bis 15 Gläubigern sind es 507 Euro. Diese Beträge sollten um 15 Prozent steigen, mahnt der Caritasberater ebenso wie Vertreter anderer bayerischer Caritasverbände. 

Erschwerend sei zudem, dass die fünf Beratungsstellen für ihre Schuldnerberatung von den Kommunen in unterschiedlicher Höhe bezuschusst würden. Für die Caritas-Beratungsarbeit in Roth/Schwabach gebe es sogar überhaupt keine kommunale Förderung. „So etwas verringert den Erfolg und macht fachlich keinen Sinn. Einige Kommunen sollten mehr tun“, meint Hans Wiesner. Als unrealistisch betrachtet es der Caritasberater, die betroffenen Schuldner selbst an der Finanzierung beteiligen zu wollen. „Das scheidet regelmäßig schon deshalb aus, weil diese Menschen aufgrund ihrer Überschuldung zum Teil langfristig am Existenzminimum leben und das über die jeweilige Pfändungsfreigrenze hinaus erzielte Einkommen für die Dauer des Verfahrens in die Gläubigerbefriedigung fließt.“

Als problematisch sehen Hans Wiesner sowie die anderen Caritas-Schuldnerberater im Bistum neben Scheidungen, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Fehleinschätzungen eigener finanzieller Möglichkeiten – als Hauptursachen von Überschuldung – zunehmende Verbindlichkeiten durch Käufe im Internet und am Telefon.  „So treibt eine Anzahl von Anbietern von Gewinnspielen systematischen Telefonterror in ihrer Kundenwerbung – besonders bei älteren Menschen“, beobachtet Wiesner. Nach Erfahrung der Caritasberater ver- und überschulden sich immer mehr Menschen nun auch auf diesem Weg. Zunehmend seien auch Beschäftigte im Niedriglohnbereich betroffen, die ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten. Ferner steige die Zahl der Klienten mit mehr als 30 Gläubigern. Dies erfordere einen erhöhten Beratungsaufwand.

Nach Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) sind in Deutschland zwischen drei und vier Millionen Privathaushalte überschuldet und haben somit selbst ihre Finanzen nicht im Griff. Demgegenüber stünden bundesweit lediglich knapp 1.000 gemeinnützige Beratungsstellen bei den Schuldner- und Verbraucherverbänden.



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