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29.07.2002

„Beziehungsarbeit gewinnt immer mehr an Bedeutung“ - Referat „Ehe und Familie“ möchte Ehevorbereitungskurse attraktiver gestalten und das Angebot erweitern

Eichstätt. (pde) - Die gesellschaftlichen Veränderungen fordern die Kirche heraus, das Thema Partnerschaft intensiv anzupacken. „Die Kirche muss einen Raum bieten, wo man miteinander ins Gespräch kommen kann“, so Dr. Peter Ulrich, Leiter des Referates „Ehe und Familie“ im Bischöflichen Seelsorgeamt Eichstätt. Man müsse sich als Gesprächspartner zur Verfügung stellen - auch in Krisensituationen: „Notfallseelsorge ist im Kommen.“ Deshalb wird zur Zeit an einer Modernisierung der Ehevorbereitungskurse gearbeitet. „Wir wollen das Angebot erweitern und die Auswahlmöglichkeiten vergrößern“, erläutert Ulrich. Es sei eine wichtige Aufgabe der Kirche, das Thema Ehe und Partnerschaft gesellschaftlich ins Gespräch zu bringen. „Beziehungsarbeit gewinnt immer mehr an Bedeutung.“

Drei Varianten der Ehevorbereitung stehen Paaren, die vor den Traualter treten wollen, zur Auswahl: Innerhalb der eigenen Pfarrei wird ein halbtägiger oder ganztägiger Seminartag angeboten. Parallel dazu können Paare aber auch Kurse außerhalb ihrer Kirchengemeinde oder ihres Dekanats besuchen. Die dritte Form setzt sich besonders stark mit der Thematik auseinander: An drei Tagen auf Schloss Hirschberg treffen sich je sieben bis neun Paare, um gemeinsam mit einer Ärztin und einem Theologen über Partnerschaft, Sexualität und den Sinn der Ehe zu diskutieren. „Da herrscht eine harmonische Grundstimmung“, beschreibt Ulrich die Atmosphäre. „Die Paare kommen in einer Zeit, in der sie miteinander glücklich sind.“ Nur manchmal werde dem Referenten deutlich, dass im Verborgenen ungelöste Konflikte schlummern. In einem Fall, er liegt über zehn Jahre zurück, riet der Seminarleiter einem jungen Paar sogar: „Ich weiß nicht, ob das gut geht. Überlegt es Euch noch mal.“

Der bundesweite Trend sagt, dass immer weniger junge Leute heiraten - schon gar nicht kirchlich. Auch die Diözese Eichstätt macht hier keine Ausnahme. „Vor allem in Städten wie Nürnberg, Ingolstadt und Schwabach ist das Interesse gesunken“, erläutert Ulrich. Mit dem Rückgang der kirchlichen Trauungen schwindet auch das Interesse an den Ehevorbereitungskursen, die die Diözese anbietet. Aufgrund der fehlenden Teilnehmerzahlen wurden die Termine verringert. Das „negative Image“, das der Kirche anhafte, sei ein Grund für den Rückgang, erläutert Ulrich. Dies müsse man als Herausforderung sehen. Die Kirche müsse sich die Frage stellen: Wie kann ich mit dieser Entwicklung umgehen?

Das nachlassende Interesse an den Ehevorbereitungskursen lässt sich auch damit begründen, dass an dem Konzept in den vergangenen 25 Jahren kaum etwas geändert wurde. Nach Meinung von Ulrich gibt es viele Möglichkeiten, die Kurse attraktiver zu gestalten. „Das fängt schon bei der Einladung an.“ Eine angenehme Atmosphäre der Räumlichkeiten wirke sich auch auf die Offenheit der Gespräche aus. Vor allem im fränkischen Bereich des Bistums biete es sich an, ein spezielles Angebot für evangelisch-katholische Paare bereitzuhalten.

Gleichzeitig gehe es darum, das Angebot und die Zahl der Referenten zu erweitern. Gedacht wird beispielsweise an einen Kommunikationstrainer, der Paaren eine Strategie vermittelt, wie man konfliktträchtige Themen anpacken kann. Und zwar so, dass sich keiner der beiden benachteiligt fühlt. Auch praktische Lebensberatung im Sinne von „Wie kann ich Beziehung leben?“ sollte mit ins Programm genommen werden, meint Ulrich. Hier könnte man auch den Bogen zur Eheberatung schlagen, die ebenfalls von der Diözese angeboten wird. „Vielleicht kann man schon im Vorfeld die Schwellenangst nehmen.“ Viele Probleme tauchen schließlich erst nach einigen Jahren auf: Wie verändert sich die Partnerschaft, wenn Kinder da sind? Was tun, wenn der Ehemann seinen Beruf über alles stellt? Wie gehen wir mit unserem Geld um? Solche Themen werden bei Wochenendkursen besprochen, man kann aber auch individuelle Beratungstermine wahrnehmen. „Man sollte nicht warten, bis es brennt.“

Der Einzelne müsse heute viel mehr Entscheidungen treffen, erläutert Ulrich: „Individualisierung kann auch belastend sein.“ Daher sei es umso wichtiger, soziale Kompetenz und Tipps für eine lebendige Paarbeziehung zu vermitteln. Für den Referatsleiter steht fest: „Hier gibt es noch Ausbaubedarf.“

 



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