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21.02.2005

Barrierefreiheit in kirchlichen Einrichtungen - Sachausschuss „Behindertenseelsorge“ des Diözesanrates im Dialog mit Diözesanbaumeister Karl Frey

Eichstätt. (pde) – „Nur ein bis zwei Prozent der Menschen mit Behinderung nehmen aktiv am Leben ihrer Pfarrgemeinde teil.“ Mit dieser alarmierenden Aussage eröffnete der Vorsitzende des Sachausschusses „Behindertenpastoral“ des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Eichstätt, Günter Einsiedel aus Ingolstadt, den Begegnungs- und Informationstag mit den Behindertenbeauftragten in den Pfarrgemeinden des Bistums. Zum Thema des behindertengerechten Zugangs zu Kirchen und kirchlichen Gebäuden stand Diözesan- und Universitätsbaumeister Karl Frey Rede und Antwort.

Bereits im Herbst 2004 forderte die Vollversammlung des Diözesanrates „alle wichtigen Zugangsmöglichkeiten zu kirchlichen Angeboten, gemeindeorientierten Einrichtungen, Kirchen und Pfarrheimen barrierefrei umzugestalten. Spätestens wenn eine Renovierung ansteht, kann so Menschen mit Behinderung durch Abbau von Barrieren die Teilnahme am kirchlichen Leben ermöglicht werden. Dieses Anliegen hat Vorrang vor den Interessen des Denkmalschutzes.“

Um das Problem augenfällig zu machen, zeigte Erich Medl, selbst Rollstuhlfahrer aus Weißenburg, Bilder von Eingängen verschiedener Kirchen und kirchlicher Einrichtungen. Dabei zeigte sich, das in manchen Gemeinden schon sehr viel in barrierefreie Zugänge zu Kirchen und Pfarrheimen investiert wurde, in manchen aber mit relativ wenig Aufwand noch große Verbesserungen erreicht werden könnten.

Diözesanbaumeister Karl Frey betonte, wie wichtig für ihn und das Diözesanbauamt die Rückmeldung der Mitglieder des Sachausschusses ist. Bei allem Bauen sind für ihn die Bedürfnisse der Menschen entscheidendes Kriterium. Er machte aber auch deutlich, dass gerade bei historischen Gebäuden Grenzen der Machbarkeit auftreten, nämlich dann, wenn bauliche Maßnahmen den Charakter oder die Substanz des Gebäudes verändern würden. Entscheidend bei Baumaßnahmen ist auch in der Kirche der Wille des Bauherrn, in den Pfarrgemeinden also die Kirchenstiftungen. Dort fehle es manchmal noch an der notwendigen Sensibilität für die Anliegen von Menschen mit Behinderung. Da ist „Sensibilisierung der Verantwortlichen, wie sie der Sachausschuss leisten kann, wichtig“, so Frey. Konkret sagte Frey zu, dass er im Vorfeld von Bau- und Renovierungsmaßnahmen, in der sogenannten Baufallschätzung, Hinweise auf Barrierefreiheit einarbeiten wird. Genauso wird dies bei den Umfragen des Bauamts im Auftrag der Berufsgenossenschaft geschehen.

Im Gespräch wiesen Mitglieder des Sachausschusses darauf hin, dass barrierefrei noch nicht behindertengerecht bedeutet. Man dürfe auch die Seh- und Hörbehinderten nicht vergessen. Die demoskopische Entwicklung, das Älterwerden der Gesellschaft und damit auch der Kirchenbesucher, wird das Problem noch verschärfen. Der Wunsch an die Bistumsleitung nach eindeutigeren Richtlinien zur Förderung barrierefreien Bauens wurde erneuert. Auch die Pfarrgemeinderäte und Pfarrer wurden nochmals aufgefordert, doch einen Behindertenbeauftragten oder -beauftragte für die Pfarrgemeinde oder zumindest die Seelsorgeinheit zu berufen.

Diözesanbaumeister Frey bestärkte zum Schluss die Mitglieder des Sachausschusses in ihrer Arbeit, als er sagte: „Damit sich etwas bewegt, ist die Leidenschaft der Menschen vor Ort entscheidend.“ Dazu wird der Sachausschuss den Behindertenbeauftragten vor Ort, einen Leitfaden zur Untersuchung von kirchlichen Gebäuden hinsichtlich ihrer Behindertengerechtheit an die Hand geben.

 



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