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10.07.2006

Auf Besuch in der Heimat - Missionare aus dem Bistum Eichstätt erzählen aus ihrer Tätigkeit

Eichstätt. (pde) – Nach einem alten Brauch werden die Missionare des Bistums Eichstätt, die sich auf Heimaturlaub befinden, jeweils rund ums Willibaldsfest im Juli vom Eichstätter Bischof eingeladen. In diesem Jahr übernahmen Diözesanadministrator Johann Limbacher, Weltkirchebeauftragter Domkapitular Bernhard Mayer und Weltkirchereferent Gerhard Rott diese Tradition und konnten Missionarinnen und Missionare aus sechs Ländern und zwei Kontinenten begrüßen. Neben allgemeinen Themen, von der aktuellen Regierungspolitik bis zur Fußballweltmeisterschaft, ist dieses Treffen für die Eichstätter Diözesanleitung ein wichtiger Kontaktpunkt mit den aus Eichstätt in alle Welt ausgesandten Frauen und Männern. So können diese von den Ereignissen in ihren Ländern, den Erfolgen aber auch Misserfolgen in ihren Ländern berichten.

So schildert Pfarrer Leonhard Nibler (81), der seinen Ruhestand „aktiv“ in Bolivien verbringt die großen Hoffnungen, die dort in den neu gewählten Präsidenten Evo Morales gesetzt werden. Bisher wurden die Geschicke des Landes von der nur etwa 10 bis 20 Prozent starken weißen Minderheit geleitet. Mit Morales ist erstmalig die indianische Mehrheitsbevölkerung an der Regierung beteiligt. Allerdings beobachtet die Kirche die Entwicklung auch ziemlich reserviert, was vor allem an der engen Beziehung von Morales zum kubanischen Diktator Fidel Castro und dem Präsidenten von Venezuela Hugo Chávez liegt. Leonhard Nibler ging bereits 1958 als Pfarrer nach Bolivien. Von 1982 bis 1994 war er Pfarrer von Holnstein (Dekanat Berching). Er ist Ehren-Domherr des Metropolitankapitels von Sucre, der Hauptstadt von Bolivien.

Auch in Chile ist eine neue Regierung an die Macht gekommen. Schwester Augustina Simson (73) aus Deining vom Orden der „Schwestern vom Heiligen Kreuz“ ist als Krankenschwester in diesem südamerikanischen Land tätig. Die neue Regierung hat nach ihren Worten vor der Wahl viel versprochen, jetzt merken die Menschen, dass die Einlösung nicht möglich sein wird und es kommt zu Schwierigkeiten. Ein großes Problem sind auch die zahlreichen Überfälle von Privathäusern.

In Argentinien arbeitet Schwester Olga Fink (74), ebenfalls vom Orden der „Schwestern vom Heiligen Kreuz“. Die frühere Lehrerin ist jetzt als Leiterin von verschiedenen Gruppen in der Katechese tätig. Schwester Olga Fink kann von einer Verbesserung der allgemeinen Situation berichten, allerdings gibt es immer noch einen massiven Unterschied zwischen Arm und Reich. So muss ein einfacher Tagelöhner mit etwa 500 Peso im Monat auskommen, das entspricht etwa 130 Euro. Davon muss er eine Familie ernähren, die nicht selten zehn bis zwölf Kinder zählt. Ein Problem der sozialen Unterschiede ist auch in Argentinien die hohe Kriminalität mit zahlreichen Überfällen.

Schwester Magdalena Überall (65) von den Missionarinnen Christi aus Rebdorf arbeitet seit 40 Jahren im Kongo, einem Land, welches durch den bevorstehenden Auslandseinsatz der Deutschen Bundeswehr derzeit besonders im Interesse der Medien steht. Sie selbst war 20 Jahre lang in der Krankenpflege und als Hebamme tätig und ist derzeit als Leiterin des Noviziates verantwortlich für den Ordensnachwuchs. Die wirtschaftlich-materielle Entwicklung ist nach ihren Beobachtungen in den letzten Jahren in einer stetigen Abwärtsbewegung. Große Hoffnungen werden jedoch auf die für 30. Juli geplanten Wahlen gesetzt. Schwester Überall begrüßt ausdrücklich die Präsenz der ausländischen EUFOR-Truppen in ihrer Wahlheimat: „Sie geben Sicherheit“. Die Kirche in der „Demokratischen Republik Kongo“ engagiert sich sehr stark für die Wahlen. So stellen sich verschiedene Ordensgemeinschaften etwa als Wahlhelfer zur Verfügung. Auch wird sehr viel für eine politische Bewusstseinsbildung getan. Auch ihre Ordensgemeinschaft trägt dazu bei, etwa durch die Betreuung von Frauenfachschulen im Land. Überhaupt seien es im Kongo die Frauen, die den Lebensunterhalt verdienen müssen.

In Angola, dem Wirkungskreis der Niederbronner Schwester Aquila Ferber (72), herrscht nach 27 Jahren Krieg seit vier Jahren ein brüchiger Frieden. Wahlen werden jedoch immer wieder aus verschiedenen Gründen abgesagt und verschoben. Auch in Angola ist die Kirche in der politischen Aufklärungsarbeit aktiv. Die Schwestern bemühen sich derzeit, neun Missionsstationen wieder zu besetzen, die sie während des Bürgerkrieges aufgeben mussten, bei vier davon ist dies bereits gelungen. Sie selbst arbeitet in einem Kinderheim, das vor allem Kriegswaisen betreut. Die Nachfrage nach dem Dienst der Schwestern ist allgemein sehr groß, denn dort, wo Schwestern arbeiten, können Krankenstationen und Schulen aufgebaut werden. Wo sich Schwestern nicht darum kümmern, „schickt der Staat oft einfach keine Lehrer“.

Bruder Michael Dietrich (67), Comboni-Missionar aus Elbersroth, arbeitet als Handwerksmeister im Norden von Uganda. Er leitet die Möbelwerkstätten der Erzdiözese Gulu. Auf „seine Jungs“, gut ausgebildete Handwerker, ist er mächtig stolz. Schwerpunkt der Tätigkeit ist der Bau von Möbeln. Man beliefert dabei viele Schulen, Kindergärten, Universitäten. Wichtige Gesichtspunkte in seiner Missionsarbeit sind die Förderung der christlichen Schulen sowie des kirchlichen Radiosenders. Dadurch können christliche Werte nachhaltig in der Gesellschaft verankert werden. Das Land selbst ist sehr fruchtbar, allerdings spürt man noch die Wunden des 18 Jahre dauernden Bürgerkrieges. Gerade sein Wirkungsort Gulu ist durch den Zuzug von Flüchtlingen in den letzten Jahren von etwa 20.000 Einwohnern auf über 300.000 angewachsen. Jetzt versucht man, die Menschen wieder zurück in die Dörfer zu bringen und ihnen dort Arbeit zu geben.

Der Beauftragte des Bistums Eichstätt, Domkapitular Professor Bernhard Mayer dankte den Missionaren und ermunterte sie zu ihrer weiteren Tätigkeit. Er sagte zu, dass sich das Bistum Eichstätt auch in Zukunft bei der Förderung von konkreten Projekten engagieren werde. Dabei ist ihm vor allem auch die Unterstützung in der Ausbildung von einheimischen Fachkräften, etwa durch Gewährung von Stipendien ein wichtiges Anliegen.

Aus dem Bistum Eichstätt kommen über hundert Schwestern, Priester, Ordensbrüder, Entwicklungshelfer und „Missionare auf Zeit“. Sie sind in Afrika, Asien, Südamerika und in den USA im Einsatz.

 



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