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23.05.2007

Aktionsbündnis zum Schutz des freien Sonntags - Ingolstädter Allianz betont Signalwirkung für die gesamte Region

Ingolstadt (KAB) - Im Rahmen der bundesweiten Allianz für den freien Sonntag unterzeichneten heute zwölf Ingolstädter Organisationen einen Grundlagenvertrag für ein gemeinsames Aktionsbündnis für Ingolstadt zum Schutz des freien Sonntags. Neben den drei Initiatoren, dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), dem Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt der Evangelisch-Lutherischen Kirche (KDA) und der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) haben sich der Aktionsplattform die Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (afa), die Arbeitnehmerpastoral im Bistum Eichstätt, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Ingolstadt (AcK), die Caritas Kreisstelle Ingolstadt, die Diakonie Ingolstadt, das Evangelisch-Lutherische Dekanat, das Katholische Stadtdekanat Ingolstadt, Ver.di Region Ingolstadt (ver.di) und der VDK Kreisverband angeschlossen.

Ziel des Bündnisses ist es, den arbeitsfreien Sonntag als wichtigsten gesellschaftlichen Zeitanker zu erhalten und allen Bestrebungen entgegenzutreten, die den Sonntagsschutz auszuhöhlen versuchen. Dazu werden sie gemeinsam vertrauensvoll zusammenarbeiten, Informationen austauschen, Erklärungen geben und Aktionen durchführen. Gefordert wird zudem ein Erhalt des Ladenschlusses.

Die Bündnispartner postulieren, dass der recht verstandene Sonntag ein Zeichen setzt, gegen die Auflösung von gewachsenen Gemeinschaften, die Zersplitterung der Familie, die alleinige Ausrichtung auf Produktion und Kapital.

Nach der Unterzeichnung des gemeinsam erarbeiteten Bündnisvertrages, von dem jede Organisation ein Exemplar erhielt, stellte sich das Bündnis den Fragen der durchaus zahlreich erschienenen Medienvertreter.

Anhand vielfältiger Beispiele erläuterten die Vertreterinnen und Vertreter der zwölf Partner, wie notwendig es sei, dass der Gesellschaft gemeinsam nutzbare Zeit verbleibt, insbesondere den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die unter einem zunehmenden Flexibilitätsdruck in der Arbeitswelt stehen.

Der Bündnisvertrag weist nachdrücklich darauf hin, dass Ingolstadt stolz darauf sein kann, über mehr als zehn Jahre keine verkaufsoffenen Sonntage durchgeführt zu haben. Ingolstadt ist damit in Bayern die einzige Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern, die keinen verkaufsoffenen Sonntag hat. „Der wirtschaftliche Erfolg einer Kommune, einschließlich des Handels, hängt nicht von der Freigabe des Sonntags ab“, kommentierte dazu Ulrich Berber, Geschäftsführer des KAB Diözesanverbandes Eichstätt. Dekan Thomas Schwarz und Dekan Josef Blomenhofer als Repräsentanten der beiden großen Kirchen in Ingolstadt betonten übereinstimmend, dass sie sich von den politisch Verantwortlichen auch weiterhin wünschten, dass es keine verkaufsoffenen Sonntage gibt. „Wir werden politisch Verantwortliche und Parteien, die sich dafür einsetzen, unterstützen“, kündigte Dekan Schwarz an.

Dazu ergänzte Marcus Weiand, Vorsitzender der AcK, Ingolstadt nehme sich die Freiheit den Sonntag frei zu halten. Dies betone die Würde des Menschen und die Rolle des Menschen als Mittelpunkt. Der Mensch sei eben nicht nur Mittel zu noch mehr Wirtschaftsleistung.

Thomas Thöne (KDA) betonte, man dürfe auf der einen Seite nicht Werteverfall und gesellschaftliche Verwerfungen beklagen und auf der anderen Seite den Ausverkauf eines zentralen gesellschaftlichen Wertes, wie es der Sonntag ist, betreiben. „Wir beklagen, dass Familien zerbrechen, und dabei wird den Familien ihre Familienzeit zerbrochen“, erläuterte Thöne.

Reinhardt Semmler (ver.di) machte deutlich, dass die Verlängerung von Verkaufszeiten am Sonntag bzw. auch werktags nur den großen Discountern nütze. Die kleineren und mittelständischen Händler könnten den zusätzlichen Aufwand nicht bewältigen. So seien seit der Verlängerung der Einkaufszeiten Arbeitsplätze entgegen den Versprechungen und Vorhersagen der Arbeitgerber und Wirtschaftsforscher abgebaut worden. Insbesondere Frauen würden unter weiterer Sonntagsarbeit massiv leiden: sie stellten mehr als 70 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel, würden häufig in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt und hätten zudem noch häufig die Doppelbelastung Beruf und Familie. „Die Schmerzgrenze ist eindeutig erreicht“, stellte Semmler fest.

Werner Böll, VDK-Geschäftsführer, machte deutlich, dass für den VDK der Sonntagsschutz auch besonders im Zeichen der Gesunderhaltung der Menschen stehe. „Menschen werden krank, wenn sie in einer Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft leben und arbeiten. Dagegen wollen wir uns nachdrücklich zur Wehr setzen“, sagte Böll.

Karl-Heinz Katzki, DGB-Regionsvorsitzender, bekräftigte, dass sich das Ingolstädter Bündnis auch als Initialzündung für die gesamte Region sieht. „Ingolstadt kann hier der Ausgangspunkt und das richtige Signal weit über die Stadt hinaus sein“, sagte Katzki. Denn schließlich bräuchten die Menschen überall die notwendige Atempause in der Hektik und Hetze des Alltags. Ohne Sonntage gäbe es eben nur noch Werktage.

 



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