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16.05.2017

„Hoffnung für Osteuropa“ – Renovabis-Gäste aus Rumänien in Nürnberg

Ingrid Arvay und Corneliu Bulai haben viel erfahren über den Fairen Handel. Der stecke, so Arvay, in Rumänien noch in den Kinderschuhen. Foto: Stadtkirche/Pilkenroth

Nürnberg - „Rumänien ist das Land, in dem alles irgendwie möglich ist“ – da sind sich Ingrid Arvay und Corneliu Bulai einig. Die beiden Rumänen sind Gäste des Osteuropa-Hilfswerks Renovabis und bereisen derzeit die Diözesen Eichstätt und Bamberg. Als Fachleute für berufliche Bildung, „Euro-Waisen“ und Migration berichteten sie im „Fenster zur Welt“, dem Weltladen im Haus der Katholischen Stadtkirche Nürnberg, über ihre Arbeit in Rumänien. Das Land zählt zu den ärmsten Ländern der EU.

„Durch die Armutsmigration in andere europäische Länder habe wir in Rumänien Nachwuchsprobleme“, berichtet Ingrid Arvay. Gut ausgebildete Frauen und Männer würden in anderen Staaten besser verdienen und blieben dann dort, weiß die 47-jährige Projektreferentin beim Zentralverband der Kolpingfamilien in Rumänien. „Aber“, so ergänzt Corneliu Bulai, „es gibt auch Rückkehrer, die mit viel Erfahrung im Gepäck und mit guten Fremdsprachenkenntnissen wieder in Rumänien leben und das Land voran bringen möchten.“ Es seien aber nur wenige Menschen, die wiederkommen würden. „Ein viel größeres Problem sind die so genannten ‚Euro-Waisen‘, die von ihren Eltern einfach zurückgelassen werden.“ Um die kümmert sich Corneliu Bulai in seinem Kolping-Bildungszentrum in Oituz. Der 42-Jährige blickt oft in traurige, enttäuschte Kinderaugen. „Manche Kinder werden bei Großeltern abgegeben, manche aber auch einfach bei Nachbarn und die Mütter und Väter gründen im Ausland neue Familien.“

In den vergangenen 20 Jahren habe das Land eine rasante Entwicklung gemacht, berichten die beiden. Und da gehe manches „nicht geradeaus“, sondern entwickle sich „im Slalom“. Immerhin müssten Eigenheiten und Bedürfnisse von 18 anerkannten traditionellen Minderheiten berücksichtig werden. Das sorge auch zwischen den Ethnien für Reibereien.
Aber nicht alles sei negativ, die Kinder und Jugendlichen besuchten mindestens acht Klassen lang die Schule, es gebe auch viele sehr gut ausgebildete Fachkräfte und Akademiker. Bulai: „Wir haben anerkannte gute Universitäten, in Medizin, Ingenieurwesen und Computerwissenschaften spielen wir ganz vorne mit.“ Mit einem jungen, dynamischen, wendigen Volk, das gelernt habe, mit Widrigkeiten umzugehen, könne Rumänien ein lebendiges, attraktives Land werden.

Hintergrund Renovabis-Aktion 2017

„Bleiben oder gehen?“ ist eine Frage, die zahlreiche Menschen aktuell weltweit bedrängt und plagt. Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa, nimmt in diesem Jahr Ursachen und Folgen der Migration in den Blick und befasst sich vor allem mit Armuts- und Arbeitsmigration. Überhaupt wissen wir in Deutschland wenig Konkretes zu den Migrationsgeschichten der hier lebenden Frauen und Männer. Mit Partnern in Osteuropa will das Hilfswerk deshalb Projekte realisieren, die den Menschen eine Zukunft in ihrer Heimat eröffnen sollen. Auch wird für einen fairen Umgang mit osteuropäischen Zuwanderern in Deutschland geworben.

Renovabis ist das Osteuropa-Hilfswerk der Katholischen Kirche. Es hilft bei der kirchlich-pastoralen, sozialen und gesellschaftlichen Erneuerung der Länder in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Im Jahr 2016 hat Renovabis 770 neue Projekte mit einem Fördervolumen von 29,3 Mio. Euro unterstützt. Seit 1993 hat das Hilfswerk in 29 Staaten bei der Umsetzung von etwa 22.600 Projekten mit fast 700 Millionen Euro geholfen. Die bundesweite Aktion wurde am 14. Mai in Köln eröffnet und endet an Pfingstsonntag, 4. Juni, im Bistum Görlitz.

Quelle: Katholische Stadtkirche Nürnberg