Kirche und Umwelt

Umweltleitlinien Bistum Eichstätt: Handeln für die Zukunft der Schöpfung in unserer Diözese

Präambel

Die Umweltleitlinien des Bistums Eichstätt sind die zentralen Grundsätze für die zukünftige Umweltpraxis des Bistums Eichstätt. Sie entstammen zum Teil wörtlich aus dem Bischofswort „Handeln für die Zukunft der Schöpfung“ und dienen als Orientierung für die Umsetzung des Bischofsworts. Des weiteren empfehlen wir Pfarrgemeinden und kirchlichen Einrichtungen, jeweils auf ihre Situation bezogene eigene Umweltleitlinien zu entwickeln und zu beschließen.

1. Neuorientierung und Heilssendung

Inmitten der drohenden Gefahren für Mensch und Erde bekennen wir Gott als "Freund des Lebens", der alles schont, "weil es" sein "Eigentum ist" (vgl. Weish 11,26). Die drohende globale Gefährdung fordert uns als Volk Gottes unweigerlich zu einem entschiedeneren Umweltengagement heraus. Unser Credo wird nur dann glaubwürdig, wenn wir verstärkt dafür Sorge tragen, dass auch zukünftige Generationen noch menschenwürdige Lebensgrundlagen vorfinden. Das Handeln für eine zukunftsfähige Erde ist für uns kein Randthema, sondern im Sinne einer umfassenden ökologisch orientierten Pastoral Bestandteil unserer Heilssendung. Diesem Auftrag werden wir besonders dadurch dann gerecht, wenn wir gemeinsam und mit allen Kräften das Bischofswort „Handeln für die Zukunft der Schöpfung“ in unserem Bistum Eichstätt umsetzen.

2. Glaubwürdiges Zeugnis

Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gottes nicht endendem Schöpfungsprozess sollen wir in unserem eigenen alltäglichen Leben ein glaubwürdiges Zeugnis für die Bewahrung von Gottes Erde geben. Entscheidend für unsere Glaubwürdigkeit wird vor allem sein, dass wir selber, dass Pfarrgemeinden, Orden, Gemeinschaften, Gruppen und Verbände ein umweltschonendes und "zukunftsfähiges" Verhalten einüben und beispielhaft vorleben. Aber auch das prophetische Zeugnis im Sinne des öffentlichen Eintretens und Einstehens durch Aufrufe, politische Stellungnahmen und Solidaritätsaktionen darf nicht fehlen. Dabei gilt es, die daraus resultierenden Konflikte offen, entschieden und zugleich versöhnungsbereit auszutragen.


3. Unterstützung der zukunftsfähigen Entwicklung

Wir unterstützen den Kurswechsel für eine zukunftsfähige Entwicklung. Zukunftsfähigkeit ist für uns untrennbar mit einem erneuten Aufruf zur Gerechtigkeit verbunden. Jeder Mensch auf der Erde hat das gleiche Recht auf eine gesunde Umwelt und das gleiche Recht, globale Ressourcen in Anspruch zu nehmen, sofern die von Gott gesetzten Grenzen der Schöpfung die sich aus Lebensrecht aller Mitgeschöpfe ergeben, nicht überschritten werden. Wir sehen die ökologische Frage grundsätzlich in enger Verknüpfung mit Fragen der weltweiten sozialen Gerechtigkeit, der Armutsbekämpfung und des Friedens. Unsere Aufgabe bei der Praxis zukunftsfähiger Entwicklung sehen wir insbesondere darin, vom christlichen Schöpfungsglauben und Menschenbild her zu einem vertieften Verständnis nachhaltiger Entwicklung beizutragen. Wir treten dafür ein, auch die ethische und religiöse Dimension in den Prozess zukunftsfähiger Entwicklung einzubeziehen. Die aktive Beteiligung aller Pfarrgemeinden an der Umsetzung der Lokalen Agenda 21 bietet hierzu vor Ort eine hervorragende Möglichkeit.

4. Verankerung der Schöpfungsverantwortung

Es kommt angesichts der ökologischen Problematik für die Zukunft der Menschheit darauf an, bei uns und in unserer Kirche das Bewusstsein dafür zu wecken und zu stärken, dass das Engagement für die Bewahrung der Schöpfung als eine wesentliche Dimension ins kirchliche und gesellschaftliche Leben verankert wird. Für die Umsetzung des Bischofswortes in unserem Bistum sollten Worte durch Taten bekräftigt werden. Das ehrenamtliche Engagement in unserem Bistum ist, um dauerhaft Früchte zu tragen, durch entsprechendes hauptamtliches Engagement zu unterstützten und zu stärken. Darüber hinaus soll die Schöpfungsverantwortung bei allen hauptamtlichen Mitarbeitern durch institutionelle Aufgabenzuordnung, Stellenbeschreibungen, Umweltfortbildungen etc. verankert werden.

5. Bündnis für die Schöpfung

Die breitenwirksame Umsetzung des Bischofswortes kann nur gemeinsam in Form eines Bündnisses für die Schöpfung gelingen. Wir treten dafür ein, dass alle an der Umsetzung beteiligten Kräfte (Laienräte, Verbände, Einrichtungen, Landwirte etc.) in unserem Bistum in einem Netzwerk (Internet) eng zusammenarbeiten. Besonders gemeinsame Projekte und Aktionen können zu einer gesellschaftlich spürbaren Bündelung der Kräfte beitragen. Um die erforderliche Breitenwirksamkeit und einen weltweiten Grundkonsens zu erlangen, bedarf es der Stärkung der ökumenischen und weltkirchlichen Zusammenarbeit. Auch die Zusammenarbeit mit Fachleuten und anderen Partnern ist erforderlich.

6. Zukunftsfähiger Konsum

Der Kurswechsel zu einer nachhaltigen Entwicklung erfordert einen tiefgreifenden Wandel der Werte, der Konsummuster und des Verständnisses von Lebensqualität. Der Beitrag zu einem solchen Wandel bildet einen Schwerpunkt des kirchlichen Engagements für eine ökologisch tragfähige, sozial gerechte, friedliche und wirtschaftlich gesicherte Zukunft. Wir müssen lernen, innerhalb der Möglichkeiten und Grenzen von Gottes Schöpfung zu leben. Unser ökologischer Fußabdruck muss insgesamt kleiner werden als das was die Erde verkraftet. Unseren Beitrag als Christen für den notwendigen gesellschaftlichen Wandel können wir dadurch glaubwürdig aufzeigen, wenn wir den von Jesus Christus aufgezeigten Weg zu einem erfüllten Leben praktizieren, welcher die von Gott gesetzten Grenzen der Schöpfung respektiert. Wir fordern alle Mitchristen dazu auf, durch eine Prüfung und Neuorientierung ihres Konsumverhaltens den Strukturwandel für eine ökologische und zukunftsfähige Landwirtschaft zu unterstützen. Gelebte Schöpfungsspiritualität ist das Fundament für eine neue zukunftsfähige christliche Lebensweise.

7. Schöpfungsliturgie und Tag der Schöpfung

Die Schöpfung, die Gott uns Menschen anvertraut hat, die wir gestalten und behandeln, wollen wir im ganzen Kirchenjahr in die Liturgie und Verkündigung einbeziehen. Jeder Sonntag, jede Eucharistiefeier und alle kirchlichen Hochfeste (Ostern, Weihnachten) bieten an vielen Stellen die Gelegenheit, das Lob des Schöpfers und unsere Verantwortung für die Schöpfung zum Ausdruck zu bringen. Wir greifen die Empfehlung der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung und des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) auf, und rufen dazu auf, das Erntedankfest mit dem Tag der Schöpfung in unserem Bistum und in unseren Pfarrgemeinden zu verbinden und zu feiern.

8. Solidaritätsaktion für die Schöpfung

Wir sehen die Notwendigkeit, christliche Umweltprojekte in Anbetracht der gewachsenen Aufgaben wesentlich stärker zu unterstützen, als dies bisher der Fall war. Dabei geht es neben der Unterstützung dringend notwendiger Umweltprojekte in unserem Bistum auch um die Unterstützung von kirchlichen Umweltprojekten weltweit. Wir empfehlen allen Pfarrgemeinden, Mitchristen und auch Mitbürgern und Unternehmen, Solidaritätsaktionen für die Schöpfung zu unterstützen. Wir bitten alle Christen, durch ihre jährliche Spende an die kirchlichen Hilfswerke zur Bewahrung von Gottes Schöpfung beizutragen.

9. Erziehung und Umweltbildung

Wir sind überzeugt, dass Erziehung und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in Kindergärten, Schulen und in der Jugendarbeit beginnen muß. Dafür sind pädagogische Materialien zu den Inhalten nachhaltiger Entwicklung und den didaktischen Methoden ihrer alters- und situationsgerechten Vermittlung zu erarbeiten und gezielt zu verbreiten. In der Erwachsenbildung ist die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen für praktischen Natur- und Umweltschutz im privaten, beruflichen und politischen Bereich gefragt. Die Veranstaltungen zur Umweltbildung sollen vermehrt mit konkreten Handlungsimpulsen verknüpft und in Kooperation mit gesellschaftlichen Entscheidungsträgern durchgeführt werden.

10. Diözesane Agenda 21-Netzwerk für die Schöpfung

Wir richten unsere Forderungen nicht nur an Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit, sondern bemühen uns, unsere eigenen institutionellen Strukturen nach den Richtlinien der Agenda 21 und dem Prinzip der Nachhaltigkeit zu gestalten. Diese Umweltleitlinien sind der erste Schritt für eine Diözesane Agenda 21, die als Gesamtprojekt die Umsetzung des Bischofswortes sicherstellt. Weitere Schritte sind: Bestandsaufnahme, Richtlinien, Ziele und Leitbilder, Maßnahmenkatalog (Umweltprogramm) für Liturgie und Verkündigung, Bildung, Bauen und Energie, Bewirtschaftung kirchlicher Häuser, kirchliche Flächen, Büro und Verkehr. Alle zwei Jahre (ab Frühjahr 2003) soll der Umweltbeauftragte einen „Nachhaltigkeitsbericht für das Bistum Eichstätt“, der über den Stand der Umsetzung informiert, der Vollversammlung des Diözesanrats und der Öffentlichkeit vorlegen.

(Beschlussvorlage für die Vollversammlung 17.03.2001)